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Qatar-Kommentar : Büßt Berg für Wüste?

Werden die Olympischen Spiele im Winter 2022 nur eine 1b-Veranstaltung? Bild: AFP

Egal, wie, wann und wo die Fußball-WM 2022 in Qatar stattfindet: Der Schaden ist angerichtet. Fragt sich nur, wer ihn erleidet. Der Wintersport will sich wehren.

          Die Schweiz ist ein schönes Land von überschaubarer Größe, was den Vorzug hat, dass man sich untereinander ganz gut kennt. Der Engadiner Sportfunktionär Gian-Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes Fis beispielsweise, weiß recht genau, wie sein Walliser Landsmann Joseph Blatter den Fußball-Weltverband Fifa zu führen pflegt. „Wir hoffen nicht auf die Rücksicht der Fifa, das ist nicht deren Art.“

          Kaspers Befürchtung: Seine Fis und der gesamte Wintersport werden die Leidtragenden der nach der inzwischen überwiegenden Mehrheitsmeinung blödsinnigen Idee aus dem Dezember 2010 sein, die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2022 in Qatar auszutragen.

          Mittlerweile scheint ausgemacht, dass die WM zu diesem Zeitpunkt nicht stattfinden kann, da es, die Klimaforschung ist sich sicher, im Sommer in der Wüste zu heiß ist für Fußball. Bieten sich als Ausweichtermine der Spätherbst 2022 an oder das erste Quartal desselben Jahres.

          Von einer WM im Herbst sind die europäischen Ligen alles andere als begeistert, und Rücksicht ist auch unter Liga-Funktionären nicht eben der am weitesten verbreitete Charakterzug, gerade wenn der Weltverband um einen Gefallen bittet. Deshalb spricht viel für eine Winter-WM, vor, während oder nach den Olympischen Winterspielen. Die dürften, obwohl noch nicht vergeben, ebenfalls im ersten Quartal 2022 stattfinden, Stichwort Klimaforschung.

          Streitbarer Funktionär: Gian-Franco Kasper will nicht vor dem Winter-Fußball aus Qatar weichen

          Kasper sagt zwar: „Wenn es dazu kommt, werden wir uns wehren.“ Aber der sich abzeichnende Konflikt legt die Verhältnisse im Weltsport offen: Der Fußball ist Sportart Nummer eins, mit der stärksten Lobby. Das Internationale Olympische Komitee, samt Mitglied Blatter, veranstaltet alle vier Jahre ebenfalls ein Ereignis mit globaler Strahlkraft: die Sommerspiele.

          Die Winterspiele dagegen, 1928 erstmals eigenständig in Kaspers Geburtsort Sankt Moritz ausgetragen, bleiben ein interkontinentales Sportfest, das ganz überwiegend in der nördlichen Hemisphäre relevant ist, in Mittel- und Südamerika, Afrika und weiten Teilen Asiens hingegen auf sehr überschaubares Interesse stößt.

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          Die Diskussion um den Austragungstermin der Fußball-WM schädigt das Produkt Winterspiele weiter, nicht nur Kasper hat das längst erkannt. Da darf man sich im Deutschen Olympischen Sportbund und erst recht als bayerischer Bürger fragen, ob es wirklich erstrebenswert ist, ausgerechnet diese 1b-Spiele nach München holen zu wollen.

          Eine Antwort darf beim Bürgerentscheid über eine abermalige Münchner Kandidatur am 10. November gegeben werden. Und Gian-Franco Kasper macht deutlich, dass die Fifa mit der Qatar-Entscheidung nicht nur den eigenen Sport in eine Falle geführt hat. Egal, wie, wann und wo die Fußball-WM 2022 stattfindet: Der Schaden ist angerichtet. Fragt sich nur, wer ihn erleidet.

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