Dass die Qatarer inzwischen schwer beleidigt sind, wenn mal Kritik an ihrem Expansionsstreben auch im Sport aufkommt, ist ein Zeichen dafür, mit welcher Ernsthaftigkeit und vor allem mit welch hohem Anspruch sie ihre monumentalen Vorhaben vorantreiben. Als unlängst der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach, in einem Interview darauf hinwies, dass das kleine Emirat am Golf nicht der richtige Ort sei für eine Fußball-Weltmeisterschaft, löste er im Wüstenstaat eine Welle der Empörung aus.
Eine qatarische Zeitung forderte gar den Boykott deutscher Unternehmen, die sich für die vielen lukrativen Projekte zur Fußball-WM 2022 gerade bewerben oder noch bewerben wollen. Aus Sicht dieses kleinen Völkchens, das durch die drittgrößten Erdgasvorkommen über unglaubliche Reichtümer verfügt, aber dennoch nur in einem Land lebt, das gerade halb so groß ist wie Hessen, hat jedoch eine neue Zeit begonnen. Und die heißt: Angriff auf den Weltsport.
Dass an diesem Wochenende in der Hauptstadt Doha nicht nur die Freiluftsaison der weltbesten Springreiter startet, sondern auch der Motorrad-Grand-Prix und am Mittwoch der Weltschwimmverband die Kurzbahn-WM 2014 vom wirtschaftlich maroden Sizilien nach Qatar verlegte, markiert das Selbstverständnis dieses ehrgeizigen Kleinstaats.
Verschiebung der Machtverhältnisse
An den steigenden Einfluss der boomenden Schwellenländer hat sich der Sport schon gewöhnt. Siehe China, Brasilien, Russland oder Indien. Aber Qatar? Die Verschiebung der Machtverhältnisse wird durch das Emirat nochmals auf die Spitze getrieben. Kein Wunder, dass der alten Sportwelt, Europa und Amerika, deren Einfluss kleiner wird, das Spiel mit den Superlativen größenwahnsinnig erscheint.
Man kann sich denken, welche Vorbehalte bei einigen Entscheidern innerhalb des Internationalen Olympischen Komitees vorhanden sind gegenüber der Bewerbung Qatars für die Sommerspiele 2020. Erhielte Doha den Zuschlag, käme wohl wie bei der Fußball-WM das ungute Gefühl auf, die Scheichs hätten sich mit ihrem dicken Scheckbuch nur die nächste Sport-Perle unter den Nagel gerissen. Klar ist, dass das kleine Land, genauso wie in der Politik der Region, seine Ambitionen im Sport mit unheimlich hohem Einsatz auch auf der diplomatischen Ebene vorantreibt.
Die großen Gefahren, die manch einer in der Expansionspolitik sieht, gründen sich allerdings im Moment mehr auf eine Neiddiskussion derjenigen, die die Zeitenwende noch nicht akzeptieren wollen. Diese Neider - wie zum Beispiel viele Länder oder Städte in Europa - haben nicht mehr das Geld, sich Veranstaltungen zu leisten. Deshalb scheint der Sport heute „käuflicher“ zu sein als je zuvor.
Wo das Geld sitzt
Werner Bült (xenonia65)
- 06.04.2012, 16:24 Uhr
Warum soviel Neid??
Willi Lange (Hennes4711)
- 06.04.2012, 15:15 Uhr
Angenehme Sachlichkeit
Closed via SSO (Krakz)
- 06.04.2012, 14:15 Uhr
Dass bei Großveranstaltungen gemauschelt wird...
Klaus Ores (Klaus.Ores)
- 06.04.2012, 12:58 Uhr
Wehleidig
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 06.04.2012, 12:52 Uhr