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Philosoph und Olympiasieger : Hans Lenk: „Es gibt die Lust am Überwinden“

Auf dem Weg zum Olympiasieger: Der Deutschland-Achter mit Hans Lenk (ganz rechts) Bild: Imago

Er ist der erste Philosoph seit der Antike, der es zum Olympiasieger brachte. An diesem Montag feiert Hans Lenk seinen 80. Geburtstag – und spricht im FAZ.NET-Interview über den richtigen Weg zur Leistung.

          Die Erfolgsstory beginnt bei Adam. Karl Adam. Der geniale Pädagoge aus Ratzeburg hat seinem Schüler den Weg gewiesen: 1960 gewann Hans Lenk im Achter olympisches Gold. Darauf folgte die akademische Karriere. Lenks Begriff vom Eigenleister prägt unser Athletenbild bis heute.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Am diesem Montag werden Sie 80 Jahre alt, Ihr Olympiasieg mit dem Deutschland-Achter liegt 55 Jahre zurück. Würden Sie sagen, Sie sind Sportler geblieben?

          In gewissem Sinne ja. Aber ich war nie der Wettkampfsportler, der andere unbedingt schlagen muss – schlagen auch im übertragenen Sinne. Ich war Leistungssportler, dem es um die eigene Leistung ging.

          Einer der wichtigen Begriffe in Ihren Publikationen ist die sogenannte Eigenleistung. Was ist das?

          Der Begriff kommt eigentlich aus dem Wohnungsbau. In meiner Diktion ist das aber der Versuch, selbstgesetzte Leistungsziele zu erreichen durch systematische Vorbereitung und mit einer positiven emotionalen Besetzung. Keine fremd verordnete Leistung also, das ist der Hauptgedanke.

          Klingt gut es gibt im Sport aber viele Beispiele für das Gegenteil.

          Gerade im Bereich des Sports sind, etwa durch autoritäre Trainer besonders im Fußball, Leistungszwang und Druck ganz stark vorhanden. Auch durch die sogenannten Funktionäre oder die Medienvertreter, die die Athleten systematisch in der Öffentlichkeit unter Druck setzen. So dass dann die Athleten – die Deutschen typischerweise – sich so sehr unter Druck gesetzt fühlen, dass sie versagen, wie es dann heißt. Ich zitiere in diesem Zusammenhang immer wieder das Wort von Karl Adam, meines geistigen Vaters, der gesagt hat: „Nicht gewinnen ist kein Scheitern.“ Er sagte zu mir, die Leistung muss nicht bloß physisch, psychisch oder egoistisch sein, sondern auch moralisch-ethische Leistungen sind darin einbegriffen, und damit kann ich mich natürlich gut anfreunden.

          Rudert auch in Zivil: Hans Lenk
          Rudert auch in Zivil: Hans Lenk : Bild: privat

          Karl Adam, Ihr Lehrer am Gymnasium in Ratzeburg und Ihr Rudertrainer, war ein großer Verfechter des Leistungsdenkens. Dass Leistung attraktiv ist könnte man das heute noch als zentrales Signal des Spitzensports sehen?

          Ja. Nur dass diese Leistungen und auch der Trainingsaufwand mittlerweile in solche extremen Höhen gestiegen sind, dass das für einen Normalsportler abschreckend wirkt. Der sagt sich, da komme ich nie hin. Mir würde das heute genauso gehen. Ich bin ja ziemlich unbegabt für Sport. Ich bin nicht groß genug und nicht schnellkräftig. Aber ich hatte vielleicht die Fähigkeit, im Training sehr viel einzusetzen und mehr zu arbeiten als die Begabteren und die sogar zu überholen.

          Was ist die wichtigste Eigenschaft, die man dafür braucht?

          Motivation. Selbstüberwindung. Man muss sich durchbeißen können. Und, ja, auch die Fähigkeit haben, einigermaßen klar einzuschätzen, was möglich ist und was nicht.

          Sie meinen, realistische Ziele setzen?

          Naja. Hochleistung ist, von wenigen Supertalentierten abgesehen, keine Sache einer realistischen Selbsteinschätzung. Man muss eigentlich immer mehr wollen, als realistisch erscheint.

          Das klingt ein bisschen crazy.

          Ja, das ist auch eine leichte Verrücktheit.

          Sie machen dabei aber ein Gesicht, als würde Ihnen das imponieren.

          Das ist in der Wissenschaft nicht anders. Eine Laufbahn dort ist ein mindestens so großes Hazardspiel wie der Erfolg im Sport. Dazu kommen noch besondere Bedingungen in weichen Fächern wie meinem, wo es keine harten Vergleichskriterien gibt wie im Sport. Und dort gibt es wenigstens noch Silber und Bronze. In der Wissenschaft nicht. Als Zweiter ist man vergessen.

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