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Veröffentlicht: 23.11.2015, 08:21 Uhr

LSB Thüringen Schallende Ohrfeige für die Altkader

Erstmals seit 21 Jahren gab es bei der LSB-Präsidentenwahl in Thüringen einen Gegenkandidaten – gewählt wurde aber doch Altkader Peter Gösel. Dass Kritik im Freistaat nur leise anklingt, liegt auch an der Einschüchterung der ehemaligen SED-Genossen.

von Thomas Purschke
© Imago Geht in seine nunmehr achte Amtszeit: Thüringens LSB-Präsident Peter Gösel

Kommt nun doch die Wende? Zum ersten Mal seit 21 Jahren gab es bei der Präsidentenwahl des Landessportbundes Thüringen einen Gegenkandidaten. Der seit 1994 amtierende SED-Altkader Peter Gösel hatte mit dem 45 Jahre alten Vizepräsidenten Dirk Eisenberg einen starken Gegner. Kurz vor dem Wahlvorgang skizzierte Eisenberg, der nach seinem Elektronikstudium ein IT-Unternehmen in Erfurt gegründet hat und bis heute führt, seine Ziele für den Sport in Thüringen.

„Wir brauchen einen neuen Geist, eine neue Herangehensweise, um die zukünftigen Herausforderungen zu meistern.“ Eisenberg scheute sich auch nicht, konkreter zu werden: „Wenn die Sportmanagement-GmbH des LSB seit drei Jahren große Verluste macht, dann ist dies ein großes Problem.“ Illusionen aber machte sich Eisenberg mit Blick auf seine Wahlchancen nicht: „Man müsse auch mal das Unmögliche versuchen.“

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Als am Samstag das Ergebnis der Präsidentenwahl verkündet wurde, herrschte Anspannung im Saal. Von 304 abgegebenen Stimmen fielen 88 auf den bisherigen Vizepräsidenten für Breitensport und Sportentwicklung Eisenberg, fast 29 Prozent. Der 72-jährige Gösel, der einst in der DDR-Reichsbahndirektion in Erfurt für Militärtransporte zuständig war, gewann die Wahl zwar mit 216 Stimmen und geht nun in seine achte Amtszeit, die bis Ende 2018 dauert.

Vor drei Jahren aber war er noch einstimmig zum Präsidenten gewählt worden. Die Opposition, fast ein Drittel der Mitglieder wollten einen Wechsel, verpasste ihm und seinem Präsidium eine schallende Ohrfeige. Für Eisenberg ist die Wahl trotz der Niederlage „ein deutliches Signal und genug Motivation, um die bestehenden Strukturen in Zukunft zu verändern“. Er werde sich deshalb „weiterhin in die Thüringer Sportpolitik einbringen“. Da sich der Unternehmer aber nur um das Amt des Präsidenten bewarb, scheidet er aus dem Präsidium aus.

34283372 © Imago Vergrößern Auch Rolf Beilschmidt, Geschäftsführer des Thüringer Landessportbunds, gehört zu den Altkadern.

LSB-Präsident Gösel sowie auch der frühere Stasi-Spitzel und ehemalige Doper Rolf Beilschmidt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, waren am Wahltag sichtlich nervös. Sie hatten ihre Parteigänger und vermeintliche Abweichler in den vergangenen Wochen auf Loyalität eingeschworen, um den Reformkandidaten Eisenberg zu verhindern. Der Vizepräsident hatte im Juni und anschließend immer wieder öffentlich das Verhalten der LSB-Führung etwa beim Umgang mit der (eigenen) Vergangenheit kritisiert. Aber er hatte keine Lobby. Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), würdigte bei seiner Festrede die Aufbau-Leistungen des LSB und kritisierte eine offenbar gemeinsame Gegnerin: Der Vorwurf der Vorsitzenden des Doping-Opferhilfe-Vereines, Ines Geipel, der DOSB stehle sich aus seiner Verantwortung, weil er DDR-Doping-Opfern nicht finanziell helfen wolle, bezeichnete Hörmann als „unerfreuliche Kommunikation“.

Die frühere Leichtathletin Geipel, die sich von der Doping-Mittelvergabe distanzierte und ihren Anteil an einem Staffel-Weltrekord streichen ließ, hatte auch das Festhalten des LSB am Stasi-Spitzel Beilschmidt als unerträglich bezeichnet. Der Hauptgeschäftsführer hatte dem Ministerium für Staatssicherheit konspirativ Details wie Intimes über das Leben der Menschen aus seinem Umfeld verraten, so auch über einen ehemaligen Freund, den heutigen Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, Roland Jahn.

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Beilschmidt war zu DDR-Zeiten unter anderem Chef des doping-verseuchten DDR-Sportclubs Motor Jena gewesen. Auch Karin Augustin, die LSB-Präsidentin von Rheinland-Pfalz, fand allein lobende Worte für die seit 1989 andauernde intensive Zusammenarbeit beider Landessportbünde und ignorierte die jüngste Auseinandersetzung, als sie ihren Dank formulierte: „Lieber Rolf Beilschmidt, Sie alle haben diese Partnerschaft gelebt.“

Seit dem Fall der Mauer hat es im ostdeutschen Sport kaum einen Elitenwechsel auf höchster Funktionärsebene des Sports gegeben. Auf der Mitgliederversammlung am Samstag in Bad Blankenburg zeigten sich viele ehemalige Genossen aus dem DDR-Sport und dem SED-Apparat. Dazu gehörte auch der erste frei gewählte LSB-Präsident in Thüringen, Manfred Thieß, der 1994 wegen seiner Stasi-Vergangenheit seinen Hut nehmen musste. Er ist heute Vorsitzender des Kreissportbundes des Saale-Holzland-Kreises. Dass es noch eine Zeit dauern wird, ehe es im Thüringer Sport zu einem Wandel kommt, bewies die Angst eines Thüringer Sportverbandspräsidenten. Er kritisierte Beilschmidt, „der im LSB wie schon früher als DDR-Sportklubchef machtbesessen allein die Fäden zieht“. Seinen Namen aber wollte er nicht veröffentlicht wissen: „Weil ich große Sorge um meinen Verband habe, dass Beilschmidt uns dann abstraft und uns die Gelder kürzt.“

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