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Pechstein-Petition : Explosive Erklärung

  • Aktualisiert am

Hat mit ihrer Petition einiges ins Rollen gebracht: Claudia Pechstein Bild: dpa

Olympiasieger, Weltmeister, insgesamt 55 Sportlerinnen und Sportler haben die Resolution von und für Claudia Pechstein unterzeichnet. Im deutschen Sport steigt der Druck

          Zahlreiche prominente deutsche Sportler, unter ihnen einige Olympiasieger, Welt- und Europameister, haben sich mit der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein solidarisiert und stellen sich damit gegen das international geltende System des Sportrechts. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Mittwochausgabe oder e-Paper) liegt eine Liste mit den Namen von 55 Sportlern vor, die eine von Claudia Pechstein formulierte Petition unterschrieben haben. Unter ihnen sind drei der deutschen Sieger der Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Moskau im vergangenen August: Speerwerferin Christina Obergföll, Diskuswerfer Robert Harting und Stabhochspringer Raphael Holzdeppe.

          In der Petition heißt es unter anderem: „Mir war bewusst, dass mir mit der Athletenvereinbarung gewisse Pflichten auferlegt werden, allerdings war mir nicht bewusst, auf mein Grundrecht zu verzichten, selbst in existenziellen Fragen ein deutsches Gericht anrufen zu können.“

          Post von Frau Pechstein

          Mit der Athletenvereinbarung und einem Zusatz zur Sportschiedsgerichtbarkeit akzeptieren Sportler die Zuständigkeit des Internationalen Sportschiedsgerichts Cas als letzte Instanz in Streitfällen, etwa bei Dopingverfahren und unterwerfen sich den Regelungen der Dopingbekämpfung mit ihren weitreichenden Eingriffen in die persönlichen Lebensumstände. Ohne die Unterschrift unter die Athletenvereinbarung bleiben Sportler von internationalen Wettkämpfen wie Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften ausgeschlossen.

          Claudia Pechstein, die zwischen 2009 und 2011 wegen Dopings gesperrt war, klagt derzeit vor dem Münchner Landgericht auf Schadensersatz in Millionenhöhe gegen den Internationalen Eisschnelllaufverband ISU und die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG. Sie hatte sich gegen die wegen auffälliger Blutwerte verhängte Dopingsperre erfolglos vor dem Internationalen Sportschiedsgerichtshof Cas gewehrt, will den Dopingvorwurf aber mit dem Beweis einer Blutanomalie widerlegt haben.

          Nach dem ersten Verhandlungstag im Münchner Verfahren wandte sie sich mit einer Petition an viele deutsche Sportler, um Unterstützung in ihrem Rechtsstreit um Schadensersatz zu finden. Zu Pechsteins Unterstützern zählen auch Patrick Hausding, Weltmeister im Synchronspringen vom 10-Meter-Turm und die Biathletin Andrea Henkel, zweimalige Olympiasiegerin, achtmalige Weltmeisterin und Gewinnerin des Gesamt-Weltcups 2007. Zudem fordert die Polizeigewerkschaft GdP die bei der Bundespolizei tätigen deutschen Sportler zur Unterschrift auf.

          Nach Informationen der F.A.Z. gibt es allerdings in verschiedenen Wintersportarten den Versuch, Sportler von Unterschriften abzubringen, mit dem Hinweis, sie gefährdeten damit ihre Teilnahme an den bevorstehenden Winterspielen in Sotschi im Februar 2014.

          Der Deutsche Olympische Sportbund hatte bereits in der vergangenen Woche darauf hingewiesen, dass die in der Petition verwendeten Formulierungen im Kern rechtlich nicht zutreffend seien. So gelte der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ nicht im Zivilrecht und der Cas sei ein unabhängiges Schiedsgericht, dessen Rechtsausübung vom Schweizer Bundesgericht überwacht werde. Zudem verzichteten die Sportler mit der Unterschrift unter die Athletenvereinbarung nicht auf ihre Grundrechte.

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