Der running Gag des Films „Frankenstein junior“, den Mel Brooks in den siebziger Jahren drehte, war „Blücher“. Immer wenn dieser Name fiel, stiegen die Pferde wiehernd hoch. Ähnlich soll es seit mehr als einem Jahr im Bundesinnenministerium zugehen, im Prinzip. Nur dass der Name ein anderer ist, und nicht Pferde in die Luft gehen, sondern der Minister selbst. Der Name ist Pechstein.
Am Montag hat die Eisschnellläuferin, gerade von ihrer Sperre zurückgekehrt und schon auf dem Weg zum Weltcup in Salt Lake City, Thomas de Maizière wieder einmal Grund gegeben, an die Decke zu gehen.
Die Polizeihauptmeisterin aus Berlin hat ihren Anwalt Antrag auf bezahlten Sonderurlaub stellen lassen - eine Woche, nachdem der Minister ihr öffentlich hat ausrichten lassen, dass sie sich keine Hoffnung auf Rückkehr auf einen der 151 Plätze in der Sportfördergruppe der Bundespolizei machen, sondern nach Ablauf ihres Jahresurlaubs, just nach der Weltmeisterschaft in Inzell, zum Polizeidienst antreten solle. Noch am Samstag erklärte die fünfmalige Olympiasiegerin die Erfüllung der Norm zum größten Sieg ihrer Laufbahn. Nun sucht sie offenbar eine größere Herausforderung.
Denn nichts als eine Provokation ist der Antrag. Schließlich hat Claudia Pechstein es verstanden, durch Urlaub und Krankschreibung - zuletzt wegen eines Nervenzusammenbruchs, den sie erlitt, weil ihr Antrag auf Sonderurlaub abgelehnt wurde - in den zwei Jahren ihrer Sperre nicht mehr als fünf Tage Polizeidienst zu leisten. Sie tanze dem Minister auf der Nase herum, hieß es prompt im Sportausschuss des Bundestages.
Der Unverfrorenheit der Eisschnellläuferin liegt ein profundes Missverständnis zugrunde. Der Innenminister betrachtet die Sportförderung der Bundespolizei als Chance, Leistungssport mit einer beruflichen Perspektive zu verbinden. Die geförderten Athleten sollen wirklich einmal Polizeidienst leisten. Claudia Pechstein und ihre Berater dagegen träumen schon von drei Jahren Sonderurlaub auf Kosten des Steuerzahlers, denn sie verstehen den Sold der Beamtin offenbar als Rente für sportliche Verdienste.
Anders lässt sich nicht interpretieren, dass Pechstein nach ihrem Comeback im Triumph darauf pochte, sie gewinne Medaillen für Deutschland. Das könne man nicht so einfach vergessen, wie manche Herrschaften das täten. Es war nur zu deutlich, wen sie meinte. Man muss keine Allergie haben, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Pferde mit ihr durchgehen.
ueble Nachrede
Juliette Brungs (minnesota)
- 15.02.2011, 08:11 Uhr
Viel Erfolg Claudia Pechstein
Joachim Wagner (wagners3)
- 15.02.2011, 08:37 Uhr
Unfair?
Torlin Monger (TMonger)
- 15.02.2011, 12:41 Uhr
unverfroren
Wolfgang Kaeflein (Wokae)
- 15.02.2011, 13:46 Uhr
Herr Weise, Sie haben vollkommen Recht.
Daniel J Hahn (137)
- 15.02.2011, 13:53 Uhr