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Olympisches Programm : Jugend im Gegenwind

Die Kitesurfen haben die Windsurfer längst verdrängt: ins olympische Programm kommen sie dennoch nicht Bild: hochzwei

Verbände verschlafen üblicherweise jeden Trend und verlieren deshalb die Bindung zur Jugend. Sind sie dann doch mal modern, verhindert intransparente Sportpolitik, dass sich etwas ändert.

          Es gehört heute zum Klagelied vieler Sportorganisationen, dass es immer schwerer wird, jüngere Menschen für sich und die etablierte Art der angebotenen Wettkampfaktivitäten einzunehmen. Die Jugendkultur geht auch im Sport ihre eigenen Wege, greift neue Formen der Bewegung auf, sucht Abenteuer und Risiko, will frei sein von alteingesessenen Vereins- oder Verbandsstrukturen.

          Einige Disziplinen, die einst im Kleinen als Subkultur des Sports entstanden sind, wecken heute weltweit das Interesse von Millionen Menschen, halten einen ganzen Industriezweig in Schwung oder sind zumindest zu einem wichtigen Bestandteil der Freizeitgestaltung geworden. Denken wir nur an Snowboard oder Skateboard, an Mountainbike oder Freeclimbing. Die Verbands-Kolosse tun sich schwer, den steten Veränderungen an der Basis Rechnung zu tragen, so dass Trends üblicherweise verschlafen werden. Die Konsequenz: Die Bindung zur Jugend geht verloren.

          Frische Farbtupfer fürs alte Publikum

          Diese Problematik treibt auch das Internationale Olympische Komitee um, das seit einiger Zeit versucht, der eigenen Sportpalette frische Farbtupfer zu verleihen - bisher allerdings ohne Resonanz. Auch nach den Sommerspielen von London mussten die Olympia-Bosse zugeben, dass ihr milliardenschweres Showprogramm kaum den Nerv der Jugend trifft. Das durchschnittliche Alter der olympischen TV-Zuschauer strebt unaufhörlich auf die 50 zu. Dazu passt die aktuelle Entscheidung des Segel-Weltverbandes (Isaf) nur zu gut, dass die aufstrebende, aber junge Gemeinschaft der Kitesurfer nun doch wieder aus der Disziplinenliste für Olympia 2016 gestrichen wurde und somit nicht an den Sommerspielen in Rio de Janeiro teilnehmen wird. Plötzlich erhalten die Windsurfer wieder eine Startgarantie. Bis vor kurzem hatten sie noch ihre Eliminierung beklagt.

          Vor dieser Entscheidung lief ein Machtgeplänkel ab, bei dem es um verschiedenste Interessen ging - bis hin zu Medaillenhoffnungen einzelner Nationalverbände bei den Spielen in Rio. Sie versprechen sich im Windsurfen mehr Erfolg ihrer Athleten. Das ist Sportpolitik. Zugleich aber zeigt der Rauswurf der Kitesurfer die Unfähigkeit großer Sportorganisationen wie in diesem Fall der Isaf, eine in die Zukunft gerichtete Strategie zu entwickeln. Wie kann das sportliche Angebot verbreitert werden? Wo liegen neue Zielgruppen? Wie sind junge Menschen zu erreichen?

          Verbandsgremien quälen sich mit Antworten auf diese Fragen und bieten jungen Menschen wenige attraktive Perspektiven. Dafür beherrschen intransparente Entscheidungswege die Politik der Isaf, wenn Entschlüsse plötzlich wieder gekippt werden. Das Kitesurfen erfreut sich zweistelliger Wachstumsraten, entspricht dem sportiven Lebensgefühl von Jugendlichen und jungen Erwachsenen weitaus mehr, als das irgendeiner anderen Bootsklasse möglich wäre. Das kann man sich anschauen: Die Kitesurfer haben die Windsurfer an vielen Stränden längst verdrängt.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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