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Olympische Versäumnisse Peinliche Gefrierware

 ·  Das IOC hatte nach den Spielen von Athen 3667 Blut- und Urinproben einfrieren lassen, um Dopingsünder per Nachanalysen zu überführen. Doch die „Anti-Doping-Kämpfer“ waren nachlässig.

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© dpa Medaillen-Bewunderer Rogge: Ob sie wohl alle legal erkämpft worden sind?

Man kennt die ärgerliche Praxis vom eigenen Tiefkühlfach. Vor langer Zeit wurde ein Soßenrest eingefroren, eine Portion Rotkraut oder was man sonst sicher irgendwann einmal gut gebrauchen kann. Dann wird eine Menge Energie verschwendet, um das Gefriergut zu kühlen, das langsam in Vergessenheit gerät. Und irgendwann ist es dann so alt, dass man es wegwerfen muss.

So ähnlich könnte es auch mit den Dopingproben von den Olympischen Spielen 2004 in Athen gehen. Seit fast acht Jahren lagern die gefrosteten Blut- und Urin-Reste nun schon in Lausanne, ohne dass sich jemals einer für sie interessiert hat. Dabei wurde die Idee damals hochgelobt, den Fortschritt der Testmethoden für Nachanalysen zu nutzen und dadurch Dopingsünder ertappen zu können, deren Medaillen längst in der Vitrine anlaufen.

Es sei der Beginn einer neuen Ära, erklärte Richard Pound, damals der oberste Anti-Doping-Kämpfer, in Athen. Nun ist - zumindest das juristische - das Verfallsdatum beinahe erreicht. Bald fliegen 3667 Proben in den Müll. Alles, was zurückbleibt, ist womöglich die Frage nach dem Sinn.

Vom IOC ist zu hören, dass es nie einen Anlass gegeben habe, die alten Proben zu öffnen. Es hätte schon eines Anstoßes bedurft, sagen die Olympier. Eines Anfangsverdachts, etwa der Information über eine damals gebräuchliche, aber noch nicht nachweisbare Substanz, deren Spuren die Labors heute finden. Niemand kam auf die Idee, von sich aus nach Indizien zu suchen. Und so geben die Anti-Doping-Experten des IOC ein peinliches Bild ab, wenn es um die Gefrierware von 2004 geht: In Lausanne schlummerten anscheinend nicht nur die Dopingproben von Athen, sondern auch ihre Besitzer, die IOC-Mitglieder.

Sind sie absichtlich in Vergessenheit geraten?

Man könnte auf die Idee kommen, dass die Olympier die Proben absichtlich in Vergessenheit geraten ließen, um sich keine späten Dopingfälle einzuhandeln. Allerdings hat das IOC bei den folgenden Spielen - Turin 2006 und Peking 2008 - von seinem Abschreckungsinstrument tatsächlich auch Gebrauch gemacht. Als bekannt wurde, dass Athleten massiv das Epo-Präparat Cera missbraucht hatten, wurden Proben nachgetestet. Im Fall von Turin mit negativem Ergebnis. Nach Peking aber wurden sechs Sünder erwischt, unter anderen der radelnde Arztsohn Stefan Schumacher.

Gut drei Monate hat das IOC noch Zeit, sich mit möglichen griechischen Altlasten zu befassen. Vielleicht gibt es ja doch noch ein paar Analysen kurz vor Ultimo. Und vielleicht sogar die eine oder andere Entdeckung? Das wäre dann im doppelten Sinne positiv: Besser spät als nie.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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