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Olympische Spiele Saudi-Arabien sucht die Alibifrau für London

 ·  IOC hofft auf olympisches Novum: Frauen in jedem Team. Sogar Saudi-Arabien sucht nach einer sportlichen Repräsentantin für London - doch wen wählen, wenn sporttreibende Frauen grundsätzlich als schamlos gelten?

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© REUTERS Schamlos? Die saudische Basketballspielerinnen von Dschidda United zu Besuch in Malaysia (Foto von Ende Februar)

Kann der Sport wirklich schaffen, was den Politikern und Politikerinnen dieser Welt nicht gelingt? Wenn alles nach Wunsch geht, dann werden an den Olympischen Spielen im Sommer in London 204 Nationen teilnehmen, und keine dieser Mannschaften wird nur aus Männern bestehen. Nicht einmal die saudi-arabische Delegation. Zu acht Olympischen Spielen hat dieses Land bereits 166 Teilnehmer entsandt - alles Männer. Nun hofft das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf ein Novum - eine saudi-arabische Frau bei den Spielen.

„Wir diskutieren immer noch mit ihnen über die praktischen Details“, sagte Präsident Jacques Rogge. „Aber wir sind optimistisch, dass es geschehen wird.“ Geduldige Hinweise, dass ein Land ohne Athletinnen von den Spielen zwar nicht suspendiert, dort aber auch nicht gerne gesehen wird, haben in dem strenggläubigen Land zumindest zum Bemühen geführt, eine Alibifrau zu finden.

Von den beiden anderen Nationalen Olympischen Komitees (NOK), die vor vier Jahren in Peking noch ohne Frauen ins Stadion einmarschierten, gibt es bereits Zusagen, dass sie erstmals Athletinnen entsenden werden. Der Generalsekretär des NOK von Qatar, Scheich Saoud bin Abdulrahman Al Thani, bestätigte schon im vergangenen Monat, dass zwei Athletinnen, die Schwimmerin Nada Arkaji und die Sprinterin Noor Al Malki, Einladungen des IOC zu den Spielen annehmen dürfen. Und auch das islamische Sultanat Brunei hat angekündigt, seine Olympiamannschaft für eine oder mehr Frauen zu öffnen.

Das IOC unterstützt dort mehrere Athletinnen und Athleten mit einem Stipendiatenprogramm. Details über deren sportliches Niveau kennt das IOC zwar noch nicht. „Aber wir rechnen mit ihnen“, bestätigte am Dienstag IOC-Sprecher Mark Adams am Rande der Exekutivsitzung in Lausanne.

Strecken damit die letzten Hardliner die Waffen? „Ich hoffe es“, sagte Pere Miro, der Direktor für NOK-Beziehungen, am Dienstag vorsichtig. In vier bis sechs Wochen, teilte Rogge mit, wisse man mehr über die wahren Pläne von Saudi-Arabien. Andernfalls wäre der Ölstaat die letzte Bastion der olympischen Frauendiskriminierung. Und das in einer Zeit, da die muslimisch geprägten Länder sich um Anerkennung im internationalen Sportgeschäft bemühen, denn dort wollen sie sich immer mehr Raum verschaffen. Schließlich bewirbt sich die Hauptstadt Doha um die Olympischen Sommerspiele 2020. Und 2022 wird die Fußball-Weltmeisterschaft (natürlich der Männer) in Qatar stattfinden.

Es dürfte schwer werden, in Saudi-Arabien reale und präsentable Sportlerinnen für Olympia zu finden. Schließlich gilt Frauensport in diesem Land grundsätzlich als schamlos, und männliche Zuschauer sind sowieso ausgeschlossen. Aufgrund eines Rechtsgutachtens („Fatwa“), das Frauensport zur Sünde erklärt, wurden etwa Fitnessstudios für Frauen polizeilich geschlossen, Frauenvereine und Frauenförderung existieren nicht im saudi-arabischen Sportsystem.

Schwierige Suche

Und auch mit der Springreiterin Dalma Rushdi Malhas, die von ihrer Familie die Möglichkeit bekam, im Ausland zu studieren, kommen die Saudis wahrscheinlich nicht weiter. Die junge Frau hat zwar vor zwei Jahren bei den Olympischen Jugendspielen in Singapur die Bronzemedaille gewonnen.

Die Qualifikation für London erfordert allerdings Spitzenleistungen in der schweren Profiklasse. Wild Cards für sportlich unterentwickelte NOKs kann es in diesem Sport schon aus Sicherheitsgründen nicht geben. „Es hängt von den Qualifikationsmöglichkeiten ab“, sagt Rogge, „dem Leistungsniveau der Athletinnen. Wir sind immer noch dabei, die verschiedenen Optionen zu besprechen.“

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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