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Olympia-Vergabe : Handball braucht Chicago

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Handball-Lobbyist: Horst-Dieter Esch will den Sport in Amerika populär machen Bild: AFP

Handball - das ist für Amerikaner ein Spiel wie Squash, aber ohne Schläger. Der Deutsche Hans-Dieter Esch will das ändern: Er will die europäische Mannschaftssportart im Land populär machen. Dabei soll die Vergabe der Olympischen Spiele an Chicago helfen.

          Am vergangenen Freitag ließ der Präsident des amerikanischen Handballverbandes durchblicken, dass er ziemlich gut vernetzt sei. „Barack Obama wird selbst da sein“, sagte er und nahm damit jene hochpolitische Nachricht um ein paar Tage vorweg, die erst am Anfang der Woche offiziell bekanntgegeben wurde: Der Mann aus dem Weißen Haus will seine Autorität einsetzen, damit der IOC-Kongress die Olympischen Sommerspiele 2016 an Chicago vergibt. Der Name des Präsidenten, der diese Nachricht verbreitete, ist vielen noch unbekannt. Horst-Dieter Esch hat eine schwierige Aufgabe übernommen: Er will eine Mannschaftssportart, die in den Vereinigten Staaten ein stiefmütterliches Dasein führt, ins Scheinwerferlicht schieben.

          Esch ist 66 Jahre alt und ein Unternehmer, der vor zwanzig Jahren ins Land kam und die New Yorker Model-Agentur Wilhelmina kaufte, die mittlerweile auch im Bereich Sportmanagement aktiv ist. Eine Vergabe der Olympischen Spiele an Chicago würde Eschs selbstgestecktes Ziel erleichtern, da ein Team des Ausrichterlandes automatisch qualifiziert ist. „Für Handball wäre es schön“, sagte Esch, ehe er nach Kopenhagen flog, um letzte Lobby-Arbeit zu betreiben.

          Network auf allen Ebenen ist für den ehemaligen Torwart der Feldhandballmannschaft des TV Weingarten am Bodensee das A und O. Denn obwohl das Spiel dem Interesse der meisten Amerikaner an Sport entgegenkommt - es fallen viele Tore, die Sportler sind kräftig und gehen hart zur Sache -, gibt es für die Sportart auf dem Weg zu mehr Publikum viele Hürden zu überwinden. Das beginnt mit der Nomenklatur. In einem Land, in dem man eine Sportart Football nennt, obwohl sie hauptsächlich mit der Hand betrieben wird, sorgt der Begriff für Verwirrung.

          Das Ziel: 100.000 Nachwuchsspieler rekrutieren

          Denn „Handball“ ist offiziell ein einst sehr beliebtes Freizeitspiel mit einer Gummikugel in der Größe eines Tennisballs, das auf Asphaltflächen in den Großstädten zu Hause ist und so ähnlich funktioniert wie Squash ohne Schläger. Eschs Spiel nennen die Amerikaner deshalb auch eher hilflos „Team Handball“. Solche Probleme könnten leicht überwunden werden, würde die Disziplin zunächst einmal überhaupt an Schulen und Colleges etabliert, die das Rückgrat des organisierten Sportbetriebs in den Vereinigten Staaten bilden.

          Esch ging deshalb in den ersten Monaten seiner Amtszeit an viele Universitäten, um seinem Ziel näher zu kommen, 100.000 Nachwuchsspieler zu rekrutieren, die in den populären Sportarten wie Football oder Basketball nicht zum Zuge kommen. Auch außerhalb der Schulen und Universitäten kam Bewegung ins Programm. „Als wir vor einem Jahr anfingen, hatten wir 23 Spielvereinigungen, heute haben wir 106.“

          Budget: Eine Million Dollar pro Jahr

          In seinem Verband musste der neue Mann allerdings als Außenseiter ohne entsprechende sportliche Referenzen manches Sperrfeuer überwinden. Grund dafür war nicht nur eine Geschichte aus den achtziger Jahren von der sechseinhalbjährigen Gefängnisstrafe wegen Betrugs und Konkursverschleppung, sondern waren auch Ungereimtheiten im Zusammenhang mit seiner Model-Firma, die ebenfalls vor Gericht ausgetragen wurden. Der amerikanische Handballverband hatte schlechte Erfahrungen mit seinen Managern gesammelt. Die Organisation ging vor Jahren bankrott und wurde vom amerikanischen Nationalen Olympischen Komitee in Colorado Springs pro forma weitergeführt.

          Mit der Ankunft von Esch, der das Büro des Verbandes an seinen Privatwohnsitz in Park City im Bundesstaat Utah verlegte, wurde die Föderation wieder auf eigene Beine gestellt mit einem Budget von rund einer Million Dollar pro Jahr. Man ging unter anderem eine Partnerschaft mit der Handball-Bundesliga ein. Werbepartner und Spender sollen gewonnen werden. Das Fernziel ist eine Profiliga, um die sportinteressierte Öffentlichkeit zu erreichen. Talente sammelt der Verband bei „Try-Outs“ in den Zentren der großen Städte - dort, wo Basketball zu Hause ist. „Dazu brauchen wir keine sensationellen Plätze“, sagt Esch, „wir brauchen nur ein gemaltes Tor an der Wand.“

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