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Olympia : Nicht gegen die Bürger

Die olympischen Ringe hängen hoch für deutscher Bewerber: Berlin hat dennoch Lust auf Spiele Bild: imagebroker / vario images

München ist mit seinen Olympia-Ambitionen gerade krachend gescheitert. Nun treten andere Städte auf den Plan. Berlin denkt schon ernsthaft, Hamburg eher zaghaft über eine Bewerbung für Sommerspiele nach.

          Die Watschn in Bayern haben die Preußen als Startschuss genommen. Nur einen Tag nachdem die Stimmbürger von München und drei Städten und Landkreisen der Region gegen die Bewerbung um Olympische Winterspiele 2022 votiert haben, begann in Berlin die Diskussion um eine Bewerbung der Hauptstadt um Sommerspiele, womöglich schon um die von 2024. Allerdings gilt auch hier die Einschränkung, dass Olympia unbedingt die Zustimmung der Bevölkerung brauche.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Man kann so ein Großereignis nicht gegen die Mehrheit der Menschen machen“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) laut „Tagesspiegel“. Die Abstimmung in Bayern sei vor allem ein Rückschlag für die Idee der Olympischen Spiele in Deutschland. Sollten sich die Vertreter des deutschen Sports zu einer weiteren Bewerbung entscheiden, und sollten sie sich dabei um Sommerspiele bewerben wollen, sagte Wowereit, wäre Berlin eine gute Wahl. „Aber so weit sind wir noch lange nicht.“ Als Berlin sich erfolglos um die Spiele 2000 bewarb, sorgte die Olympia-GmbH für Peinlichkeiten am laufenden Band; Olympiagegner protestierten lautstark und drohten mit Gewalt.

          Ohne den mehrheitlichen Rückhalt in der Bevölkerung lasse sich eine Bewerbung um das weltweit größte und wichtigste Sportereignis nicht vertreten, schränkt auch der für den Sport zuständige Innensenator Frank Henkel (CDU) ein. Wenn der DOSB sich für die Bewerbung um Sommerspiele entscheiden sollte, so Henkel, „ist Berlin hoffentlich im Rennen“. Der Berliner Senat akquiriert offensiv Sportveranstaltungen. Nach dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und der Leichtathletik-Weltmeisterschaft im Olympiastadion von 1936 stehen im kommenden Jahr die Schwimm-Europameisterschaft, im Jahr darauf das Endspiel der Champions League und 2018 die Leichtathletik-Europameisterschaft an. Dazu sollen Spiele der Handball- und Fußball-Europameisterschaften 2019 und 2024 kommen.

          Sportstätten vorhanden

          Vor allem mit dem Pfund Sportstätten wuchert Berlin. Keine Frage, dass das Olympiastadion mit seiner weitläufigen Umgebung und perfekten Erschließung durch Bahn und Straßen Zentrum von Sommerspielen werden würde; zudem verfügt die Stadt über ein Velodrom, eine Schwimm-Arena und in Schmeling-Halle und O2-World über zwei weitere olympiataugliche Veranstaltungshallen. Lediglich die Regattastrecken für Rudern und Kanu müsste neu gebaut werden; nach den Vorstellungen des Landesruderverbandes sollte sie auf dem Gelände des dann aufgegebenen Flughafens Tegel entstehen.

          Für die mehr als 10.000 Athleten, schlägt Klaus Böger vor, früher Bildungssenator der Stadt und heute Präsident ihres Sportbundes, eine ökologische Mustersiedlung auf dem Areal des einstigen Flughafens Tempelhof zu erstellen. Er hält den Impuls der Spiele für die Stadtentwicklung für so bedeutend, dass er sagt: „Nur reiche Städte können es sich erlauben, auf Olympia zu verzichten.“ 2015 müsse über eine Bewerbung für 2024 entschieden sein.

          Hamburger Zurückhaltung

          Gerhard Janetzky, Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft und des Berliner Leichtathletikverbandes sowie Sportdirektor des Sportfestes Istaf, schlägt zur Aufarbeitung der Münchner Erfahrung einen Runden Tisch vor, an dem Ideen gesammelt werden sollten. Derzeit würde ein Volksentscheid in Berlin, vermutet er, genauso ausfallen wie der in Bayern.

          In Hamburg sind die Entscheidungsträger des Sports noch zurückhaltender. „Es wäre fahrlässig, jetzt damit nach vorne zu gehen“, sagte der Präsident des Hamburger Sportbunds (HSB), Günter Ploß, laut „Hamburger Abendblatt“ über eine Olympiabewerbung seiner Stadt. Zunächst müsse analysiert werden, was in München falsch gelaufen sei. Sport- und Innensenator Michael Neumann (SPD) lässt sich mit den Worten vernehmen: „Eine Bewerbung für Olympia ist ein Marathon, kein Sprint.“ Als die Leipziger Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 scheiterte, hatte das Nationale Olympische Komitee für Deutschland sich gegen Hamburg entschieden; Berlin kandidierte damals nicht.

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