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Olympia-Kommentar : Warm anziehen, München

Viele Bilder aus Zhangjiakou gibt es nicht, dieses - von 2006 - aber hat es bis nach Deutschland geschafft Bild: AFP

Wer Winterspiele nach Sotschi vergibt, dem gehen bei Zhangjiakou die (Gegen-)Argumente aus. Deshalb, Klimaerwärmung hin oder her, zieht euch warm an, in Lemberg, Oslo, Almaty und München.

          Zugegeben: Wesentliche Teile der Informationen, auf denen der folgende Text basiert, entstammen einer dem Zeitgeist entsprechenden Internetrecherche und könnten deshalb von fremden Geheimdiensten interessengesteuert worden sein. Aber wir mussten Google befragen. Oder haben Sie schon mal von Zhangjiakou gehört? Vermutlich nicht.

          Falls sich aber Zhangjiakouaner oder Zugereiste unter den Lesern befinden sollten: Wir sind stark an der aktuellen Einwohnerzahl Ihrer chinesischen Kleinstadt interessiert, denn das deutschsprachige Internet hat seit 2004 offenbar zu zählen aufgehört und ist bei 4,5 Millionen Einwohnern stehengeblieben.

          Warum wir fragen? Nun ja, immerhin hat Zhangjiakou damit offenbar mehr Einwohner als alle möglichen Konkurrenten um die Austragung der Olympischen Winterspiele 2022 zusammen. Lemberg, Oslo, Almaty in Kasachstan und München, so der Bürger bei seiner Befragung am Sonntag denn will, zählen gemeinsam nicht mehr als viereinhalb Millionen Bewohner.

          Aber es kommt noch schlimmer: Während Münchner und Oberbayern seit Wochen Pro und Kontra einer neuerlichen Bewerbung um das olympische Spektakel wägen, ist uns zu Ohren gekommen, dass bei der im China des 21. Jahrhunderts selbstverständlich obligaten Bürgerbefragung in Zhangjiakou von 4,5 Millionen Befragten 4,6 Millionen für die Austragung der Winterspiele 2022 in ihrer beschaulichen Stahl- und Kohlestadt südlich der Inneren Mongolei stimmten.

          Also reichten die Chinesen nun ihre Bewerbung um die Spiele beim IOC ein. Und warum auch nicht? Bei einer Durchschnittstemperatur von minus neun Grad im Februar wirft man in Zhangjiakou fröhlich weiter mit Schneebällen, wenn die europäischen Mitbewerber vor lauter Klimaerwärmung längst die Winterjacken ausgezogen haben.

          Das ein oder andere müsste in Sachen Infrastruktur wohl noch getan werden, das heimische Skigebiet Saibei Dolomiti hat, das Internet ist sich auch da nicht sicher, zwei, sieben oder neun Kilometer Piste und drei Kilometer Lifte zu bieten – aber das dürfte wohl kein Problem sein. Anders formuliert: Wer Winterspiele nach Sotschi vergibt, dem gehen bei Zhangjiakou die (Gegen-)Argumente aus. Deshalb, Klimaerwärmung hin oder her, zieht euch warm an, in Lemberg, Oslo, Almaty und München.

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