30.09.2011 · Wer bei einem neuen Anlauf auf Olympia in Deutschland nicht die Münchener Olympiabewerbung nutzt, verschwendet Kapital. Deshalb ist Thomas Bachs Bild vom „Schatz“, der nicht vergraben werden dürfe, treffend - so ungern man das im Roten Rathaus in Berlin hört.
Von Jörg HahnDie Reflexe funktionieren noch: „Das kann Herr Bach nicht alleine entscheiden“, bellte der frühere SPD-Senator Klaus Böger, heute Präsident des Landessportbundes Berlin. Es war die zu erwartende Replik auf die Aussage Thomas Bachs am Montagabend, mit München als Bewerberstadt einen zweiten Anlauf um Olympische Winterspiele zu wagen, vielleicht für 2022 oder für 2026. Berlin war vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Parteifreund Bögers, nach dem Scheitern Münchens bei der Kür des Gastgebers für 2018 in diesem Sommer umgehend als Kandidat für Sommerspiele ins Spiel gebracht worden.
Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), favorisiert München – er kennt nämlich die Usancen im Internationalen Olympischen Komitee, dem er als Vizepräsident angehört. München sei ein „Schatz“, den man nicht vergraben dürfe. Die bayrische Bewerbung war gut, doch die südkoreanische Stadt Pyeongchang hatte die beste Offerte, sie war schließlich in drei Anläufen optimiert worden. Mit dem – trotz der Wahlniederlage als überzeugend anzusehenden – Münchner Olympiakonzept müsse man auch in Zukunft wuchern, „damit wir dann eines Tages hoffentlich Olympische Winterspiele in München und Garmisch-Partenkirchen feiern“, sagte Bach beim Abschlussempfang der 2018er-Kampagne.
Das IOC liebt Fortsetzungsgeschichten, das hat dessen Präsident in dieser Woche in Baden-Baden bekräftigt. Jacques Rogge sagte der Deutschen Presseagentur etwas, was Berliner nicht gerne hören: „Es gefällt den IOC-Mitgliedern, wenn sich eine Stadt zum zweiten oder dritten Mal bewirbt. Der DOSB muss nun erst einmal entscheiden. Noch einmal München mit seiner guten Winterspiele-Bewerbung oder eine Sommerspiele-Bewerbung. Das IOC würde über eine neue deutsche Bewerbung sehr glücklich sein.“
Berlin, im übrigen im Rennen um die Spiele 2000 gescheitert, wäre abermals ein Neuling auf dem Bewerbungskarussell, so liegen die Dinge. Bachs Bild vom „Schatz“ ist wohl ganz treffend; es hieße wertvolles Kapital zu vernichten, würde Deutschland – bei entsprechenden Voraussetzungen in Politik und Wirtschaft sowie bei der diesmal noch sehr skeptischen Bevölkerung – für künftige olympische Ambitionen nicht das Münchner Fundament nutzen. Rogge beklagte übrigens, die Bewerber hätten zu viel für ihre Kampagnen ausgegeben. Eine Kandidatur Berlins, so viel steht fest, wäre alles, nur nicht preiswert.
Don't worry, be happy!
Peter Zentner (Caterwaul)
- 30.09.2011, 16:03 Uhr