14.08.2007 · Der Deutsche Olympische Sportbund und München haben sich über das Bewerbungskonzept für die Winterspiele 2018 geeinigt. Als Veranstaltungsorte sind auch Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee vorgesehen. Dagegen gibt es aber Bedenken.
München will seine Bewerbung für Olympische Winterspiele 2018 auf das kompakte Sportstättenkonzept der deutschen Wintersportverbände stützen. Vorgesehen ist dabei, die Eröffnungs- und Schlussfeier ebenso wie die Wettkämpfe der Eissportarten in der Stadt München zu veranstalten. Schauplatz der Ski- und Snowboard-Wettkämpfe soll Garmisch-Partenkirchen sein, Bob, Rodeln und Skeleton sollen auf der bestehenden Bahn am Königssee bei Berchtesgaden stattfinden.
Entscheidend sei bei der Auswahl der Orte allein die Erfolgsaussicht der Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC), sagten Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude am Montag übereinstimmend. Der DOSB und die Stadt vereinbarten bei ihrem Treffen in München, dass die nächsten Schritte auf der Grundlage des am vergangenen Freitag von den Wintersportverbänden verabschiedeten Konzeptes erfolgen sollen (Siehe auch: Olympia-Kommentar: Fakten statt Feuereifer). Die formelle Entscheidung über die Abgabe einer Bewerbung wird der DOSB bei seiner Mitgliederversammlung Anfang Dezember in Hamburg fällen. Im IOC wird die Wahl für 2018 sieben Jahre vorher, also 2011, getroffen.
Präsentation der Pläne am 8. Dezember
Jetzt sollen die betroffenen Kommunen sowie Bundes- und Landesregierung in die Vorbereitung einbezogen werden. Bund und Land haben ihre volle (vor allem finanzielle) Unterstützung zugesagt. Zu den notwendigen Schritten gehören die Sponsorensuche für die Bewerbung, eine Machbarkeitsstudie für die Sportstätten, Entwürfe für die Verkehrsinfrastruktur und deren Finanzierung sowie die Vorbereitung einer Präsentation der Bewerbung am 8. Dezember in Hamburg.
Der DOSB war bei dem Treffen im Münchner Rathaus durch Präsident Bach, Generaldirektor Michael Vesper, Leistungssportdirektor Bernhard Schwank sowie den Präsidenten des Deutschen Skiverbands und Sprecher der Wintersportverbände, Alfons Hörmann, vertreten; die Stadt München repräsentierten Oberbürgermeister Ude, Sportbürgermeisterin Christine Strobl und der Olympiabeauftragte Wilfrid Spronk (Siehe auch: Olympische Spiele: DOSB unterstützt Münchens Kandidatur). Die letzte deutsche Olympiabewerbung mit Leipzig für den Sommer 2012 war früh gescheitert. Auch Berchtesgaden mit der Winterbewerbung für 1992 hatte seinerzeit keine Chance. München war 1972 Schauplatz der Sommerspiele, die damals von einem terroristischen Anschlag überschattet wurden. In Garmisch-Partenkirchen fanden schon 1936 die Winterspiele statt.
Warnung von CSU-Politiker Glück
Unterdessen hat der CSU-Politiker und bayrische Landtagspräsident Alfons Glück vor einer Olympiabewerbung Münchens eine gründliche Prüfung aller möglichen Austragungsorte gefordert. Glück kritisiert die Festlegung auf drei Orte als zu voreilig. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Glück, er sei nicht gegen die Kampagne. Aber er bedauere, dass man sich in einem so frühen Stadium so apodiktisch festlege. Sich auf München und Garmisch zu konzentrieren mit dem Sonderfall Bob und Rodeln am Königssee habe weit reichende Konsequenzen.
„Erst kürzlich ist mit sehr viel Geld und Engagement in Oberstdorf ein Zentrum für die nordische Ski-Weltmeisterschaft gebaut worden. Diese Anlage ist sicher voll olympiatauglich. Man muss schon sehr gute Gründe haben, dass man jetzt parallel neu bauen will.“ Ähnliches gelte für Biathlon in Ruhpolding und Eisschnelllauf in Inzell. Die dortigen Anlagen zu erhalten und regelmäßig zu nutzen, sei schon jetzt sehr schwierig. Die bayerische Staatsregierung regte ebenfalls Gespräche über eine Einbeziehung traditioneller Wintersport-Zentren an. Ein Mitwirken der international anerkannten Orte sei „wünschenswert und erfolgsversprechend“, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei. Auch Wirtschaftsminister Erwin Huber sowie Kultur- und Sportminister Siegfried Schneider forderten wie ihr CSU-Parteikollege Glück weitere Diskussionen. Oberbürgermeister Ude reagierte darauf verärgert und sprach von lokalpatriotischen Profilierungsversuchen einzelner Politiker. Man habe das kompakte Konzept schon vor zwei Jahren verabredet. Der neue CSU-Vorstoß trifft allerdings genau den Nerv der Kommunen im Südosten Bayerns. Inzell wiederholte nun flugs den Wunsch nach einer überdachten Bahn für die Eisschnellläufer, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.
„Ereignis für alle Sportbegeisterten“
Die bisherige Vergabe von Olympischen Spielen sei sehr undurchsichtig und von sehr viel Geld geprägt, so Glück. „Die Politik wird am Ende rechtfertigen müssen, warum man Parallelstrukturen finanzieren und erhalten muss. Gleichzeitig ist jedoch zu wenig Geld für den Breitensport vorhanden. Es ist auch ein Signal der Entmutigung für die Kommunen, die große Lasten übernommen haben und für Tausende von Ehrenamtlichen.“
Der CSU-Politiker wertet Olympische Winterspiele als „Ereignis für alle Sportbegeisterten“, sie seien „ein Schaufenster für unser Land“. Einen Impuls für den Wintertourismus würde es in Zeiten des Klimawandels aber wohl eher nicht geben. Glück will dafür werben, dass Alternativen diskutiert werden, bevor man sich endgültig für die Bewerbung entscheide. Die Kosten wie auch ökologische Fragen müssten geprüft werden. „Ob beispielsweise in dem engen Lebensraum Garmisch eine solche Konzentration von Einrichtungen und Verkehrsflüssen verkraftbar und sinnvoll ist.“ Wie es scheint, hat die Diskussion über die Bewerbung gerade erst richtig begonnen.
München statt Sotschi
Jutta Hamberger (Myshkin)
- 14.08.2007, 12:58 Uhr
2018 .....Schnee ?
Ingo Schmidt (Ingo.S.)
- 15.08.2007, 13:20 Uhr