Durchgefallen: Trotz eines Budgets, das wahrscheinlich alle Finanzpläne der olympischen Geschichte in den Schatten gestellt hätte, verweigerte die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) dem Anwärter Doha auf die Sommerspiele 2020 die Versetzung in die nächste Stufe. „Diese Entscheidung lässt uns mit einem großen Fragezeichen zurück“, sagte Almayassa Al-Thani, die Vizepräsidentin des Bewerbungskomitees und 14. Kind des Emirs, als sie den Ort der Schmach verlassen hatte - einen Konferenzsaal im Kongresszentrum von Quebec in Kanada.
Dort hatte IOC-Sportdirektor Gilbert Felli das Ergebnis der Prüfungskommission bekannt gegeben: Istanbul, Madrid und Tokio dürfen weiterkämpfen bis zum Vergabetermin am 7. September 2013 in Buenos Aires. Baku wird mit einem Berg von Hausaufgaben nach Hause geschickt. Und Doha soll sich ein neues Profilierungs-Objekt suchen.
Eine klare Botschaft an Qatar
Aus dem Bericht, der als Grundlage der IOC-Entscheidung diente, lässt sich eine klare Botschaft herauslesen: Kommt am besten nicht wieder. Aus in der ersten Runde, mit einem Stimmenverhältnis von 3:9. Nicht einmal den Status Kandidatenstadt hat das Wüsten-Emirat damit erreicht, und das schon zum zweiten Mal. Schon vor vier Jahren hatte das IOC Qatar beim ersten Prüftermin das Erreichen des Klassenziels abgesprochen. Damals, in Athen, hatte die Delegation noch im Saal lautstark ihren Unmut geäußert. Diesmal blieben die Stimmen gedämpft, doch auch so wurde klar, dass sich die Qatarer ärgerten. „Die Entscheidung hat nichts mit sportlicher Qualifikation zu tun. Es ist zu 1000 Prozent eine politische Entscheidung“, behauptete die Chefin der Bewerbung, Noora Al-Mannai.
All das schöne Geld hat diesmal nichts genutzt. Ein bisschen beschämend dürfte das Ergebnis von Quebec auch für den Internationalen Fußballverband (Fifa) sein. Im Dezember 2011 vergab die Fifa ihre Weltmeisterschaft 2022 an die Öl- und Gas-Potentaten, muss sich seitdem gegen massiven Korruptionsverdacht zur Wehr setzen und notgedrungen seine eigenen Selbstbedienungs-Strukturen hinterfragen. Es ist nicht auszuschließen, dass das IOC insgeheim fürchtete, sich mit einem Ja zu Doha in ein ähnliches Minengebiet zu manövrieren. Aber schon die Details im Report, einer ausgefeilten Analyse von Felli und einem Expertenteam, reichen mehr als aus, um die brüske Zurückweisung zu begründen.
Befürchteter Schaden für Fernsehpräsenz
Schlagendes Argument dürfte der befürchtete Schaden für die Fernsehpräsenz gewesen sein, weil die Wüstenhitze von Qatar es erfordert hätte, die Spiele in den Oktober zu verlegen. Olympia im Juli und August sichert den Sendern, die astronomische Summen für die Übertragungsrechte zahlen, üblicherweise die Marktführung. Im Oktober müssten sie mit anderen Fernsehprogrammen und Sport-Großereignissen konkurrieren, dies würde zu deutlich geringeren Werbeeinnahmen führen.
Olympia außerhalb der Ferienzeit würde die arbeitende Bevölkerung und die Jugend von den Live-Übertragungen abhalten. Und schließlich würden die wegen der Hitze auf den frühen Morgen konzentrierten Wettkämpfe den Fernsehanstalten Programmprobleme bereiten. Und das Fernsehen ist die Lebensader aller kommerziellen Sport-Events: Im vergangenen Jahr schloss das IOC mit dem amerikanischen Sender NBC einen Deal über 4,38 Milliarden Dollar für die Spiele von 2014 bis 2018 ab - das ist olympischer Rekord.
Ausuferndes Budget
„Wir sind gute Lerner und gute Zuhörer“, sagte die Tochter des Emirs in Quebec. Ihre Wüstenhitze aber werden die Qatarer nicht los. Es werde, befand sie darum, Zeit, dass das IOC seine „traditionellen Fenster“ einmal verlasse. Allerdings hatten die Olympier noch weitere Einwände. Sogar das ausufernde Budget wurde als Minuspunkt angeführt - schließlich kämpft das IOC seit langem um eine Eindämmung der Kosten. Die Arbeitsgruppe bezweifelte außerdem, dass es gelingen könnte, in einem Staat mit 1,7 Millionen und einer Hauptstadt mit nur 500.000 Einwohnern, in der Mehrzahl Fremdarbeiter, eine wahrlich olympische Atmosphäre herzustellen.
Auch die Umweltschädlichkeit des Projekts wurde kritisiert, etwa der hohe Kohlendioxyd-Ausstoß durch die geplanten Kühlanlagen, die außerdem noch nicht ausreichend getestet werden konnten. „Die Auswirkungen auf die Fernsehübertragung und das olympische Erlebnis der Zuschauer sind bedenklich und könnten Langzeit-Effekte haben“, heißt es in dem Report. Trotz aller Signale kündigte Qatar an, weiterzumachen. „Wir verdienen diese Chance, wir werden wiederkommen und stärker sein“, sagte Noora Al-Mannai. Doch der Stachel sitzt tief: Mit Madrid hat in Quebec sogar ein europäischer Armenhäusler die Scheichs übertrumpft.
Nicht genug Bezahlt ?
Christian Rumpf (ChrisWR)
- 25.05.2012, 07:14 Uhr
Ich dachte die Olympischen Spiele...
Jan Poppe (Kwich)
- 24.05.2012, 15:06 Uhr
Hoffentlich gewinnen die netten Japaner oder Spanier!
Inanc Bardakcioglu (HurraTuerkiye)
- 24.05.2012, 10:23 Uhr