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Doping-Kommentar : Siebzehn schrecklich verlorene Monate

Wie entscheiden die Olympier um IOC-Präsident Thomas Bach? Bild: AFP

Ausschluss, Kompromiss oder Freikauf: Wie entscheidet Thomas Bachs IOC im Fall Russland mit Blick auf Olympia 2018? Das Klima ist vergiftet. Und eines steht schon jetzt fest. Ein Kommentar.

          Lausanne, 5. Dezember, 19.30 Uhr, im Beaulieu Convention Center. Ort, Raum und Zeit, auf die alles zuläuft, stehen nun fest. Hier wird Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, bekanntgeben, was die vier Frauen und elf Männer des IOC-Exekutivkomitees entschieden haben. Ob, wie und in welcher Form russische Athleten an den Winterspielen von Pyeongchang 2018 teilnehmen dürfen.

          Bach wird die Richtung vorgeben. Wie im Sommer 2016, als das IOC vor derselben Frage stand. Vor den Spielen von Rio ließ Bach die Entscheidung über das Startrecht russischer Athleten an die internationalen Verbände abschieben und zwei Kommissionen einsetzen. Sie setzten sich mit dem Themenkomplex auseinander, den der Kanadier Richard McLaren im Auftrag der Wada untersucht hatte: Doping in Russland, der Betrug von Sotschi, die Beteiligung von Geheimdienst und Sportministerium. Bei der IOC-Session in Lima in September hatte Oswald einen Zwischenbericht präsentiert. Nichts deutete darauf hin, dass Bach und das IOC die Russen und ihren Gastgeber von Sotschi, Wladimir Putin, in eine für sie grundlegend unangenehme Lage bringen würden. Die Russen würden sich ihr Startrecht erkaufen dürfen, indem sie eine vom IOC verhängte Geldstrafe zahlen, so würde das laufen, schien es. Noch Anfang November verbat sich Bach Spekulationen über eine Kollektivstrafe, bevor der Abschlussbericht von Schmids Kommission vorliegt.

          Dann aber begann das IOC, einzelne russische Athleten für Olympia zu sperren. Zuallererst den strahlenden Sieger des letzten Tages der Spiele von Sotschi, des 23. Februar. Alexander Legkow, Goldmedaille, 50 Kilometer Langlauf, bald darauf Maxim Wylegschanin, Silber, 50 Kilometer Langlauf. Es war der Höhepunkt der Spiele, Gold, Silber, Bronze für Russland, Putin zur Siegerehrung im Stadion an dem Tag, an dem er nach eigener Aussage entschieden hatte: „Wir müssen beginnen, die Krim zurück zu Russland zu holen.“

          Warum die Langläufer gesperrt wurden, ob und wie Kronzeuge Gregorij Rodtschenkow, ob und wie die Datei aus dem Moskauer Labor, die seit Ende Oktober im Besitz der Wada ist, Beweise geliefert haben – unklar. Die Entscheidungsgründe sind nicht publiziert. Ob der Internationale Sportgerichtshof die Fälle vor den Spielen im Februar anhört – unklar. Das IOC müsste einem beschleunigten Verfahren zustimmen. Die Wada hielt die Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur aufrecht; die Empörung in Russland wuchs weiter.

          Tiefpunkt: Der Ehrenpräsident des Nationalen Olympischen Komitees, ein Mann mit KGB-Vergangenheit wie Putin und dessen Skilehrer, würde Rodtschenkow am liebsten erschießen lassen, „wie bei Stalin“. Das Klima ist vergifteter denn je. Bach und sein IOC stehen vor derselben Frage wie im Sommer 2016. Schon damals war klar: Russland hat gedopt, bei Olympia, in großem Stil, unter Mitarbeit des Geheimdiensts und des Sportministeriums. Wie auch immer Bachs IOC jetzt entscheidet – Ausschluss, Kompromiss, Freikauf: es waren siebzehn schrecklich verlorene Monate.

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