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Olympia 2018 : Der Fall Russland

Ob und wie Russland bei Olympia starten darf, ist noch unklar. Bild: AP

An diesem Dienstag entscheidet das IOC über einen Ausschluss des Landes von den Olympischen Spielen 2018. Wie lautet eigentlich der Vorwurf? Was sind die Beweise? Und wer ist der Kronzeuge?

          Was wird Russland vorgeworfen?

          Ausgangspunkt des Betrugssystems im russischen Sport sind nach Aussagen von Kronzeugen, dass das Kontrollsystem der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada über Jahre unterlaufen wurde, um positive Proben gedopter Sportler in nahezu allen Sportarten verschwinden zu lassen. Athleten sind demnach geschützt – oder auch gesperrt worden, weil sie als nicht wichtig genug erachtet wurden. Zum Teil diente das System auch der persönlichen Bereicherung von Trainern und Funktionären, die angesichts positiver Doping-Proben Sportler erpressen konnten. So erklärte die mehrfache Siegerin des Chicago-Marathons, Lilija Schobuchowa, sie habe sich ihren Start bei den Olympischen Spielen von London 2012 mit der Zahlung von 450 000 Euro erkaufen müssen. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass es auch in Russland, ähnlich wie einst in der DDR, eine Ausreisekontrolle für Sportler gab, um sicherzugehen, dass diese nicht mit positiven Proben auffallen würden. Hier richtet sich der Verdacht auch auf die russische Fußball-Nationalmannschaft, die 2014 bei der WM in Brasilien antrat.

          Der Vorstand des Internationalen Olympischen Komitees, der sich an diesem Dienstag in Lausanne trifft, will über eine Kollektivstrafe für den Betrug bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi 2014 entscheiden. Vor den Spielen war der russische Betrug perfektioniert worden. Mitarbeitern des russischen Geheimdienstes FSB soll es gelungen sein, die angeblich manipulationssicheren Behälter, in denen Doping-Proben von Sportlern aufbewahrt werden, so zu öffnen, dass ein Austausch der Flüssigkeit möglich wurde. So soll während der Spiele von Sotschi, zu denen kein Land erfolgreichere Athleten schickte als die Gastgeber, zuvor gesammelter sauberer Urin in die Flaschen gefüllt worden sein, um positive Doping-Proben zu vermeiden.

          Sportler, die in den Genuss dieser Behandlung gekommen sind, wurden auf einer Liste geführt. Sie sollen während der Spiele einen Cocktail aus anabolen Steroiden und Alkohol verabreicht bekommen haben. Für Männer gab es demnach Stoff mit Scotch, für Frauen wurde die Rezeptur mit Wermut verfeinert. Nach Angaben des IOC sind inzwischen 36 Sportler verdächtig, von dem System profitiert zu haben. Da die forensische Untersuchung der Behälter nicht abgeschlossen sei, „kann nicht ausgeschlossen werden, dass neue Elemente die Eröffnung weiterer Verfahren rechtfertigten“, heißt es in einer Pressemitteilung des IOC vom Freitag. 25 Sportler wurden durch die sogenannte „Oswald-Kommission“ lebenslang von Olympia ausgeschlossen. Allerdings liegt erst im Fall des Siegers im 50-Kilometer-Langlauf, Alexander Legkow, eine Entscheidungsbegründung vor.

          Der volle Umfang der Vorwürfe über den Betrug bei Olympia hinaus ist öffentlich noch immer nicht bekannt. Zahlreiche internationale Sportverbände, unter ihnen der Internationale Fußball-Verband (Fifa), haben bis heute nicht mit dem Kronzeugen Gregorij Rodtschenkow gesprochen. Die „New York Times“ zitierte vergangene Woche auszugsweise aus den Tagebüchern des Laborleiters Rodtschenkow; demnach lief das System derart erfolgreich, dass der damalige Sportminister Witali Mutko, heute stellvertretender Ministerpräsident Russlands, während der Tage von Sotschi darauf drängte, das Olympia-Labor am Schwarzen Meer als Ausweicheinrichtung offenzuhalten. Einen entsprechenden Antrag hatte Rodtschenkow im Februar 2014 vorbereitet.

          Was sind die Beweise?

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