14.07.2010 · In Garmisch-Partenkirchen wird seit einiger Zeit eine Provinzposse aufgeführt, die nun auch die Olympiabewerbung Münchens beeinträchtigt. Es geht nur vordergründig um Grundstücke, die für das Olympische Dorf gebraucht werden.
Von Elisabeth Schlammerl, Garmisch-PartenkirchenThomas Schmid scheint keine Eile zu haben. Er lehnt sich gemütlich zurück, als er versucht, eine kleine Imagekorrektur für seine Gemeinde zu erwirken. Nur wenn sein Handy klingelt, unterbricht der Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen. Vielleicht ein Anruf aus München, sagt er, und meint damit die Zentrale der Bewerbungsgesellschaft für die Olympischen Winterspiele 2018. Oder noch wichtiger, von einem jener Grundstückseigentümer, die ihm derzeit das Politikerleben schwer machen.
Seit gut einer Woche verhandelt er über den Kauf oder die Verpachtung von Grundstücken, die Garmisch-Partenkirchen für das Olympische Dorf und Zufahrtswege braucht. Und die Meldungen, die aus der Marktgemeinde kommen, sind nicht besonders hoffnungsfroh. Es ist von einem Aufstand die Rede, davon, dass die Bauern die Olympia-Bewerbung zum Kippen bringen würden. Tatsächlich erschienen bei einer Verhandlungsrunde am Dienstag, der letzten vor der Gesellschafterversammlung in München an diesem Donnerstag, nur zwei der betroffenen 18 Eigentümer. Trotzdem sagt Schmid: „Die Olympiabewerbung ist nicht in Gefahr.“
Der Bauernaufstand ist Teil einer Provinzposse
Das vorgesehene Areal für das Olympische Dorf umfasst rund 30 Hektar, davon ist laut Schmid ein Drittel im Privatbesitz. Von den 18 Grundstückseigentümern habe er sich mittlerweile mit neun geeinigt – „und damit ist das Olympische Dorf gesichert“. Das Wunschmodell lasse sich zwar ohne die noch fehlenden sechs Hektar nicht verwirklichen, aber eine abgespeckte Version. Schmid hofft zwar noch auf weitere Zusagen, aber die Chancen stehen nicht gut. Womöglich liegt dies weniger daran, dass die Grundstückseigentümer gegen Olympia wären, sondern vielmehr an den politischen Gegebenheiten.
Der Bauernaufstand ist Teil einer Provinzposse, die in Garmisch-Partenkirchen seit einiger Zeit aufgeführt wird. Die CSU hatte den Diplomaten 2002 aus Kanada zurückgeholt und zu ihrem Bürgermeisterkandidaten gekürt. Aber kurz vor Ende der Legislaturperiode entzog ihm die Partei die Unterstützung, weil Schmid rigoros alte Zöpfe abschnitt. Einem Großteil der Bevölkerung schien dies zu gefallen, denn als Schmid mit einem eigenen Bürgerbündnis zur nächsten Wahl antrat, brachte er es auf 52 Prozent. Seine ehemalige Partei erlitt mit 17 Prozent eine historische Schmach. Seither, sagt Schmid, sei die CSU aus Prinzip gegen seine Vorschläge.
Bogner macht bisher keine gute Figur
Wie immer bei derart überdimensionalen Veranstaltungen, gibt es zwei Meinungen. Die Olympia-Gegner sehen alles pechschwarz. Sie befürchten drastische Eingriffe ins Ortsbild, beschwören ein groteskes Szenario mit verbautem Panoramablick auf die umliegenden Berge hervor. Die Befürworter, und die sind in Garmisch-Partenkirchen in der Mehrzahl, heben die riesige Rendite und einen touristischen Nutzen hervor. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, und so verhält es sich vermutlich auch bei Schmid. Die Grundstückseigentümer kritisieren stets, zu wenig informiert zu werden. Tatsächlich gilt Schmid nicht gerade als großer Kommunikator. Aber der Bürgermeister wurde von den Münchner Organisatoren auch zu lange alleine gelassen.
Dass nun auch noch der Chef der Bewerbungsgesellschaft, Willy Bogner, mit einem unglücklich formulierten Brief zunächst den Eindruck erweckte, sein weiteres Engagement an mehr Zuschüsse aus der Politik zu knüpfen, passt in das konfuse Bild, das die Olympiabewerbung derzeit abgibt. Auch Schmid hatte große Hoffnungen in den früheren Skirennläufer gesetzt, aber der macht bisher keine gute Figur. Nach der Verlegung der Biathlon- und Langlaufwettbewerbe vor gut einer Woche nach Schwaiganger bedachte Bogner die wenig kooperativen Bauern in Oberammergau noch mit einer hämischen Bemerkung. „Das war nicht sehr hilfreich“, kritisiert Schmid. Die Grundstückseigentümer in Garmisch-Partenkirchen fühlten sich dadurch angestachelt. Die politischen Gegner von Schmid erst recht.
Sind Olympische Spiele
Renate Geigel (rg-communication)
- 16.07.2010, 01:30 Uhr