06.07.2005 · Die Briten jubeln, die Franzosen trauern, die Deutschen analysieren - Reaktionen zur Wahl von London als Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2012 durch die IOC-Vollversammlung in Singapur.
Premierminister Tony Blair (Großbritannien): „Das ist ein monumentaler Tag für London. Das ist eine sehr gute Nachricht. Ich konnte es nicht ertragen, die Entscheidung im Fernsehen zu verfolgen.“
Sebastian Coe (Bewerbungschef Londons): „Ich danke dem ganzen Team. Es hat einen tollen Job gemacht. Die Wahl ist eine große Verpflichtung, gegenüber unserem Land, aber auch gegenüber der Welt. Ich wußte, wir hatten eine große Chance und eine gute Strategie. Der Rest war Instinkt.“
Prinzessin Anne (britisches IOC-Mitglied): „Ich habe nicht mitgestimmt, umso befriedigender ist das Endergebnis. Es bedeutet eine ganz große Herausforderung.“
Walther Tröger (IOC-Mitglied): „Ich habe bisher immer gedacht, eine Präsentation ändert nichts mehr. London hat das Gegenteil bewiesen.“
Cafe-Besucher in Paris: „Scheiße, es sind die Roastbeefs.“
Thomas Bach (IOC-Mitglied): „In einem ganz knappen Rennen hat die Präsentation den Unterschied ausgemacht. Ein Bewerber muß Fakten, und Emotionen rüberbringen, Jugend und Sport thematisieren - und das alles möglichst mit Humor. Sebastian Coe hat bewiesen, daß ein Athlet eine Sportmessage am überzeugendsten rüberbringen kann. London wird hervorragende Spiele veranstalten. Paris sollte die 50 Stimmen als Ermutigung für eine neue Bewerbung verstehen. Madrid war auch ganz knapp dran, mit nur zwei Stimmen weniger als Paris im dritten Durchgang.“
Michael Bloomberg (Bürgermeister von New York): „Ich bin total enttäuscht. Es war eine einmalige Gelegenheit. Ich weiß nicht, was abseits der Straße passiert ist. Ich gratuliere London, doch ich wünsche mir, daß die USA 2012 jede Medaille gewinnen.“
Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero (Spaniens): „Wir haben eine olympische Berufung. Wir hatten 1992 die Olympischen Spiele in Barcelona und müssen es nun erneut versuchen. Es war klar, daß die Konkurrenz hart sein würde.“
Bundesinnenminister Otto Schily: „Glückwunsch an London. Das war ein spannendes Rennen um die Austragung der Olympischen Spiele 2012. Die Stadt hat eine hervorragende Bewerbung vorgelegt und sich überzeugend präsentiert.“
Manfred von Richthofen (DSB-Präsident): „Das ist eine wirkliche Überraschung. Ich bedaure sehr, daß Paris nicht den Zuschlag bekommen hat, gerade weil in mehreren Anläufen hervorragende Präsentationen geboten wurden. Die Entscheidung zeigt den britischen Einfluß in der Weltpolitik wie im Sport. Das sollte man nicht unterschätzen.“
NOK-Präsident Klaus Steinbach: „Aus diesen Bewerbungen und den Präsentationen haben wir viel gelernt. Beispielsweise, daß Metropolen im Vorteil sind. In den nächsten Monaten werden wir uns im NOK zusammensetzen und überlegen, wie es mit deutschen Bewerbungen weitergehen soll. Sollen wir für die Sommerspiele 2016 kandidieren oder lieber für die Winterspiele 2018? Die Chancen europäischer Kandidaten für 2018 sind mit Londons Wahl sicher gesunken.“