14.11.2008 · Chicago will 2016 Olympia ausrichten und hofft auf Obamas Hilfe. Könnte sein, dass er die IOC-Mitglieder noch nachhaltiger berauscht als einst Putin, der nur ein paar Luftschlösser baute - und die Winterspiele 2014 nach Sotschi holte.
Von Evi SimeoniHoffentlich haben sich die Dänen in der Zwischenzeit von dem Schreck erholt, dass Barack Obama in der vergangenen Woche zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden ist. Da steht ihnen ja eine schöne Aufregung ins Haus: Hoher Besuch in ihrer beschaulichen Hauptstadt Kopenhagen. Aber zum Glück haben sie noch ein bisschen Zeit, ihre Empfangsräume klar zu machen und die Armee zu seiner Sicherheit zu mobilisieren. Der charismatische Mann kommt, sofern die Götter des Olymp in Chicago Gebete erhören, im Oktober 2009. Dann hält das Internationale Olympische Komitee (IOC) seinen Kongress in Kopenhagen ab und wählt den Austragungsort für die Spiele 2016. Die Kandidaten: Madrid, Tokio, Rio de Janeiro und Chicago, Obamas Heimatstadt.
Die Konkurrenz musste also ganz schön tapfer sein am Dienstag vergangener Woche, als Obama in Chicago seine Siegesrede hielt, im Grant Park, in der Nähe von neunzehn geplanten Olympiastätten für 2016. Dann kehrte er in sein Haus zurück, das in Hyde Park liegt, nur ein paar Blocks entfernt vom Standort des geplanten Olympiastadions. Hello Neighbour, können die Olympier demnächst der schwarzen Lichtgestalt zurufen. Dazu müssen sie lediglich in Kopenhagen Chicago wählen. Wieso also nicht?
Putin bot nur ein paar Luftschlösser
Obama ist ja nicht nur Obama, der Hoffnungsträger der schwarzen Sportler, die in den Vereinigten Staaten etwa die Leichtathletik und erst recht die legendenreiche Basketball-Profiliga beherrschen. Er ist außerdem nicht George W. Bush, in dessen Ära die Vereinigten Staaten so unbeliebt wurden, dass er Chicagos Aussichten massiv verdüsterte. Und vor allem ist Obama nicht sein eigener Gegenspieler John McCain, der am IOC-Sitz in Lausanne unbeliebter ist als Doping-Pionier Ben Johnson und der Schwede Ara Abrahamian zusammen. Letzterer ringt vorerst nicht mehr, wegen „Beleidigung des olympischen Geistes“ - er schmiss in Peking aus Ärger über den Mattenrichter seine Bronzemedaille auf den Boden und ging weg. Schlimmer trieb es nur McCain. Der bestellte in seiner Zeit als Vorsitzender eines Senats-Ausschusses den IOC-Präsidenten, seine Eminenz Juan Antonio Samaranch, zum Rapport und stellte dem Würdenträger peinliche Fragen zum Bestechungsskandal um Salt Lake City 2002. Und außerdem drohte er mit einer unprivilegierten Besteuerung der IOC-Einnahmen aus amerikanischen Quellen.
Skandalös! Aber Obama ist ja Obama. Und darum könnte es sein, dass er, sollte er vom Himmel über Kopenhagen herabschweben, die IOC-Mitglieder noch nachhaltiger berauschen könnte als vor anderthalb Jahren Wladimir Putin, der die Winterspiele 2014 nach Sotschi holte. Der bewies bei der Session in Guatemala, wie wenig Substanz ein wahrhaft Mächtiger braucht, um die Olympier zu überzeugen: Er bot nur ein paar Luftschlösser. Allerdings auf englisch und französisch.