19.01.2009 · Mehr Frauen in die Spitzengremien von Verbänden und Vereinen zu bringen steht ganz oben auf der Prioritätenliste des DOSB. Wie dringend darum geworben werden muss, machte ein Blick auf die Gästeschar beim Neujahrsempfang deutlich.
Von Jörg HahnDer Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat bei seinem Neujahrsempfang im Frankfurter Römer den Startschuss für vielfältige Aktionen zum „Jahr der Frauen im Sport“ gegeben. Vorrangiges Ziel ist es, mehr Frauen in die Spitzengremien von Verbänden und Vereinen zu bringen. DOSB-Präsident Thomas Bach sagte, die Kampagne stehe ganz oben auf der Prioritätenliste. Nach seinen Angaben beträgt der Frauenanteil in den Spitzengremien der Landessportbünde gerade einmal etwa zwanzig Prozent, im DOSB selbst seien es rund dreißig Prozent. „Wir haben ein zwiespältiges Bild über die Rolle der Frau im Sport.“ Im aktiven Sport seien Frauen sogar oft schon in der Mehrzahl, in Entscheidungspositionen dagegen nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist die Schirmherrin für das „Jahr der Frauen im Sport“.
Auf dem Neujahrsempfang wurde auch der Verbandswettbewerb „Frauen an die Spitze“ vorgestellt: Verbände können sich mit Projekten bewerben, die sich um die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen und Männern in allen Gremien bemühen. Von Mitte Mai bis September sollen zudem Vereine Frauensportwochen anbieten, um Frauen anzusprechen, die noch nie oder schon lange keinen Sport mehr betrieben haben. Die DOSB-Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung, Ilse Ridder-Melchers, nannte in Frankfurt als Ziele der Kampagne, die Ämter künftig unter den Geschlechtern gleich aufzuteilen: „Fifty-fifty, das ist keine Utopie.“
Männer im Römer ganz massiv in der Überzahl
Wie dringend darum geworben werden muss, Frauen in Führungspositionen der Sportvereine und -verbände zu bekommen, machte ein Blick auf die Gästeschar deutlich: Ob Heribert Bruchhagen (Eintracht Frankfurt) oder Theo Zwanziger (Deutscher Fußball-Bund), ob Rainer Brechtken (Deutscher Turnerbund) oder Rolf Müller (Landessportbund, ob Werner Klatten (Stiftung Deutsche Sporthilfe) oder Clemens Prokop (Deutscher Leichtathletik-Verband) - die Männer waren mal wieder ganz massiv in der Überzahl. Bach erinnert beim Empfang daran, dass vor genau neunzig Jahren in Deutschland die ersten Wahlen für und von Frauen stattfanden.
Mit Blick auf die globale Finanz- und Wirtschaftskrise mahnte DOSB-Präsident Bach, von Beruf Wirtschaftsanwalt, die Situation nicht zu schwarz zu malen. „Manche Krise wird auch erst herbeigeredet.“ Der Sport werde zwar von der jetzigen Lage berührt, sei jedoch nicht Teil des Problems, sondern Teil einer Lösung, und zwar im sozialen wie auch im wirtschaftlichen Bereich. Bach rief alle Verantwortlichen in den deutschen Städten und Gemeinden dazu auf, das Investitionsprogramm der Bundesregierung stark zur dringend benötigten Sanierung oder zum Neubau von Sportstätten zu nutzen. So könnten die Kommunen einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung und zugleich zu gesellschaftlicher und sozialer Stabilität leisten. „Der Sport schafft gerade in Zeiten der Unsicherheit Identifikation mit dem Gemeinwohl“, sagte Bach.
Trotz Krise: DOSB kann mit Freude auf das Jahr schauen
Als Sportorganisation könne der DOSB auch mit Freude auf das gerade angebrochene Jahr schauen, sagte Bach. Die jüngsten Erfolge der Wintersportler seien der richtige Schub für die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver und auch für die deutsche Olympiabewerbung mit München 2018. Für die Münchner Pläne habe es zuletzt viele positive Signale gegeben. Als herausragende Veranstaltung des Jahres 2009 nannte Bach neben den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in Berlin auch das Internationale Deutsche Turnfest, das rund um Pfingsten in Frankfurt stattfindet.
„Gerade das Turnfest wird wieder die integrative und innovative Kraft des Sports zeigen“, sagte Bach. Ein klares Bekenntnis zu Frankfurt hat Bach im Römer abgelegt: „Wir fühlen uns in ihrer Stadt, aber auch bei ihnen persönlich sehr gut aufgehoben“, sagte der Sportfunktionär an Oberbürgermeisterin Petra Roth gerichtet. Ein Umzug des DOSB nach Berlin wird immer mal wieder ins Gespräch gebracht.