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Hooligans im Stadion : „Das Urteil wird eine abschreckende Wirkung haben“

  • -Aktualisiert am

Beim Spiel in der zweiten Bundesliga gegen Eintracht Braunschweig zündeln Hannoveraner mit Pyrotechnik. Bild: dpa

Krawallmacher in den Stadien haften für die Strafen der Fußballvereine: Neue Rechtsprechung macht Regress zur Regel. Ein Interview mit dem Heidelberger Juristen Prof. Dr. Weller.

          Ende September hatte der Bundesgerichtshof (BGH) verkündet, dass Böllerwerfer und andere Störer in Fußballstadien für Geldstrafen haften, die Fußballvereine wegen ihres Fehlverhaltens an den DFB zahlen müssen. Seit Anfang der Woche liegt das Urteil schriftlich vor. Konkret ging es um 80.000 Euro Strafe, die der 1. FC Köln zahlen musste, weil ein Fan bei einem Zweitligaspiel im Februar 2014 sieben Zuschauer durch Zünden eines Knallkörpers verletzt hatte. Der FC klagte, bekam recht - und fordert nun 30 000 Euro Schadensersatz von dem Fan. Die neue Rechtsprechung werde „deutschlandweite Wirkung“ haben, sagt der Heidelberger Jurist Prof. Dr. Marc-Philippe Weller.

          Was ändert sich für Vereine und Fußballfans durch die aktuelle BGH-Rechtsprechung?

          Das BGH-Urteil wird deutschlandweite Wirkung haben, weil es in der Aussage klar ist: Regress ist möglich. Mehr noch: Der Vereinsvorstand muss den Regress sogar vornehmen, sonst gerät er gegenüber seinem Verein selbst in die Haftung, wenn eine Verbandsstrafe etwa des DFB nicht weitergereicht wird, weil er dann Vereinsvermögen veruntreut. Das war früher anders. Da gab es Fälle, in denen Vereine aus Mitleid für Fans in wirtschaftlich engen Verhältnissen auf Regress verzichtet haben. Das Urteil wird seine Wirkung meiner Meinung nach nicht verfehlen.

          Es hat sich in Fankreisen auch schon herumgesprochen. Die Stadionsprecher informieren inzwischen ja auch, dass Störer in Haftung genommen werden. Nach der BGH-Entscheidung wird der Regress die Regel, wenn man den Täter identifiziert hat. Die weiterführende Frage ist die Höhe des Regresses. Kann der Verein die Verbandsstrafe einfach eins zu eins weiterreichen? In welcher Höhe? Hier bestehen noch rechtliche Spielräume.

          Was ist der Hintergrund der Rechtsprechung und der Klage des 1. FC Köln?

          Wenn es bei einem Böllerwurf Verletzte gibt, nimmt der Verletzte den Verein als Veranstalter wegen Organisationsverschuldens in die Haftung. Der Verein nimmt anschließend Regress beim Störer - es können dabei hohe Behandlungskosten entstehen. Im Falle des BGH-Urteils waren es sieben verletzte Personen mit Knalltraumata und/oder Verbrennungen. Wenn beim Böllerwurf nichts passiert, hat der Störer Glück, dass nur ein immaterieller Schaden entstanden ist, ein Image-Schaden für den Verein. Der Clou liegt darin, dass der Fußballverein jetzt die Verbandsstrafe aufgebrummt bekommt. Dadurch wird der immaterielle zum materiellen Schaden, der dann an den Störer weitergereicht werden kann. Man hofft dabei auf eine abschreckende Wirkung.

          Ganz allgemein - gibt es mehr Zwischenfälle bei Bundesligaspielen?

          Angesichts der großen Zuschauermengen gibt es wenige Vorfälle. Schaut man auf die Polizeistatistik, gibt es aber eine erhebliche Menge verletzter Personen - in der Saison 2014/2015 waren es 1200 verletzte Personen in den ersten drei Ligen, viele allerdings auch durch das Reizgas der Polizei.

          Was ist Ihrer Meinung nach eine sinnvolle Strafe - eher repressiv oder eher präventiv?

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