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Neue Doping-Behälter unsicher : Rückkehr zu den alten Flaschen?

A- und B-Probe einer Dopingkontrolle: Flaschen dürfen nicht spurlos zu öffnen sein. Bild: Reuters

Sind Doping-Kontrollen leichter manipulierbar als bekannt? Einige Behälter für Urinproben konnten offenbar von Hand geöffnet worden, ohne Spuren zu hinterlassen.

          Elf Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Südkorea befürchten Anti-Doping-Kämpfer, dass ihre Kontrollen weltweit zuletzt noch leichter manipulierbar waren als bekannt. Das bestätigte die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) indirekt in einer Mitteilung vom Montag. „Die Wada erkennt, dass diese Situation, wenn sie bestätigt wird, Bedenken und Fragen aufwerfen wird“, heißt es in ihrem Statement. Die Nationale Anti-Doping-Agentur sprach gegenüber dieser Zeitung allerdings von einer „Katastrophe“.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Denn einige der seit September eingeführten Behälter, in dem der Urin der Sportler gesammelt wird, konnten vor und nach dem Einfrieren in Laboren offenbar von Hand geöffnet worden, ohne dass der Verschluss-Mechanismus beschädigt wird. Das hat neben anderen Laboren Anfang Januar auch die entsprechende Kölner Anti-Doping-Einrichtung laut Wada festgestellt und diese vor zehn Tagen darüber informiert.

          Die Flüssigkeiten einer Doping-Kontrolle werden in A- und B-Probe unterteilt. Die B-Probe wird – nach der Versiegelung im Beisein des Athleten – eingefroren. Im Falle eines positiven Tests wird sie auf Verlangen des Verdächtigen aufgetaut und – wieder in Anwesenheit des Sportlers oder seines Rechtsbeistandes – geöffnet. Beim Öffnen mit einem entsprechenden Werkzeug, so die Vorgabe des Wada-Kodex, muss der Verschlussmechanismus so zerstört werden, dass ein nicht erkennbarer Wiederverschluss ausgeschlossen ist. Nur so kann eine Manipulation zwischen Abgabe und Öffnung ausgeschlossen werden. Andernfalls ist die in Doping-Fällen vor Sportgerichten gültige Umkehr der Beweislast nicht aufrecht zu erhalten: Die Fahnder müssten Sportlern die bewusste Einnahme nachweisen. Bislang hat der Athlet im Fall eines positiven Tests nur eine Chance, einer Bestrafung zu entkommen, falls er seine Unschuld beweisen kann. Nun könnte er sich auf den Standpunkt zurückziehen, seine Probe sei von einem Dritten, Unbekannten manipuliert worden. Das System soll nicht nur Doper entlarven sondern Sportler auch vor Angriffen schützen.

          Handhabungs- oder Materialfehler?

          Der vorerst mit Erläuterungen zurückhaltende Hersteller der Flaschen, das Unternehmen Berlinger, hat der Wada offenbar erklärt, er gehe von einem Handhabungs- und nicht von einem Materialfehler aus. Experten schließen eine falsche Bedienung der Behälter durch die Kontrolleure unter den Augen der Athleten allerdings aus. Zudem entlaste ein schwieriges, erfolgloses Verschlussprozedere nicht den Hersteller.

          Die Ursache ist beim Blick auf die Folgen ohnehin zweitrangig. Die Information der Kölner sind von mehreren Laboren bestätigt worden. Ihre Überprüfungen ergaben, dass bis zu zwanzig Prozent der kontrollierten neuen Flaschen sozusagen im Handumdrehen spurlos zu öffnen und wieder zu schließen gewesen sind. Nicht jedes Labor war an dieser Kontrolle beteiligt oder hatte die Zeit dazu. Das Ausmaß des Problems ist also noch nicht erfasst. Da die neuen Flaschen seit September auf dem Markt sind, ist die Verbreitung und der Einsatz allerdings entsprechend groß.

          Die neuen Modelle waren eingeführt worden, um Betrugssysteme wie während der Winterspiele vor vier Jahren in Sotschi zu verhindern. Im Zuge des russischen Staats-Dopings waren bei der Zusammenarbeit von Anti-Doping-Labor, Sportministerium und Geheimdienst unter anderem Behälter mit Doping-Proben geöffnet worden, wie das Internationale Olympische Komitee unter Hinweis auf seine Untersuchungskommissionen berichtete. Anschließend soll der belastete Urin gegen sauberen ausgetauscht und die Flaschen wieder verschlossen worden sein. Dazu hatten die Russen eigens eine Maschine entwickelt, die zu Beginn dieses Manipulationsverfahrens noch Kratzspuren an den Gefäßen hinterließ, später angeblich auch das nicht mehr. Sollte das Problem nicht kurzfristig zu lösen sein, müssten die Doping-Kontrolleure wieder auf ältere Flaschen zurückgreifen. Sie stammen nicht aus der Sotschi-Generation, sondern galten als sichere Weiterentwicklung.

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