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Nach dem „Nein“ des IOC Schwoam ma's obi

08.07.2011 ·  Nach der Entscheidung für Pyeongchang wird in Bayern trotzig aufgezählt, was alles auch ohne den olympischen Zuschlag gebaut werden könne, solle, müsse: zum Beispiel die zweite Stammstrecke für die Münchner S-Bahn.

Von Albert Schäffer, München
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Eigentlich gibt es für Bayern keine lange schmerzenden Niederlagen: Das Mantra „Schwoam ma’s obi“, ein oder zwei frisch gezapfte Maß Bier, eine zünftige Brotzeit — dann schaut die Welt meist schon wieder ganz anders aus. Doch nach dem Scheitern Münchens bei der Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 greift diese Therapie nur zögerlich. Alles gebe es in München im Verbund mit Garmisch-Partenkirchen und der Kunsteisbahn Königssee, was für gelungene Spiele gebraucht werde, klagte am Donnerstag der bayerische Sportminister Ludwig Spaenle (CSU) – von Bergen über Sportstätten bis zu leidenschaftlichen Fans. Im alltäglichen Leben firmiert der CSU-Politiker meist als Kultusminister – doch davon ist Bayern am Tag nach der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Winterspiele 2018 nicht an München, sondern das südkoreanische Pyeongchang zu vergeben, weit entfernt gewesen.

Trotzig wurde aufgezählt, was alles in Bayern auch ohne den olympischen Zuschlag gebaut werden könne, solle, müsse. Die zweite Stammstrecke für die Münchner S-Bahn: Wird auch ohne Olympia gebaut, polterte der ansonsten recht sanfte Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Ein weiterer innerstädtischer Tunnel für die Schnellbahn sei das „Herzstück eines zukunftsfähigen Nahverkehrs“ in ganz Südbayern; alle müssten nun „gemeinsam an einem Strang“ ziehen. Diese sportliche Aufforderung galt vor allem Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der vor der Entscheidung in Durban hervorgehoben hatte, ohne olympische Würden müssten sich die Münchner bis ins nächste Jahrzehnt gedulden.

Zweite Stammstrecke nun mit „normaler Geschwindigkeit“

Ramsauer zog auch kräftig an dem Seilende, das ihm Zeil hin hielt – allerdings nicht in die gewünschte Richtung; das Vorhaben der zweiten Stammstrecke werde nun nicht mit olympischer, sondern mit „normaler Geschwindigkeit“ vorangetrieben, ließ er wissen. Ramsauer hat schon früher – nicht gerade zur Freude des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer – den Eindruck erweckt, er habe in seinem Berliner Ministerium sein Parteibuch verlegt; Seehofer dürfte ihm nach der Entscheidung des IOC noch manche Hilfestellung beim Suchen geben. Aus Sicht der CSU gilt es zu verhindern, dass sich die FDP als die Kraft des postolympischen „Jetzt erst recht“ profiliert; einmal in Fahrt, donnerte Zeil auch gleich, dass der Zugverkehr nach Garmisch-Partenkirchen „auch ohne Olympia“ verbessert werde.

Schließlich hätten auch Pendler und Ausflügler „ein optimales Bahnangebot“ verdient, sagte Zeil. Diese Melodie wurde in München gleich noch auf andere Fortbewegungsarten erweitert; übermütig wurde spekuliert, die Eisarenen, die für die Winterspiele im Olympiapark des Jahres 1972 geplant waren, müssten unbedingt gebaut werden, schließlich seien dort die gegenwärtigen Gleitbedingungen für Schlittschuhkufen alles andere als optimal. Nach dieser Melodie hätte auch noch für den Bau des Olympischen Dorfes und des Mediendorfes plädiert werden können, die nach den Winterspielen die Wohnungsnot in der bayerischen Landeshauptstadt mildern sollten – so weit reichten die Phantasien aber dann doch nicht.

Abermalige Bewerbung für 2022 wird geprüft

Die Liste der Vorhaben, die ohne olympischen Rückenwind finanziert werden sollten, reichte aber auch aus, um Forderungen zu befeuern, München und Garmisch-Partenkirchen sollten sich für die Winterspiele 2022 bewerben. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) stimmte in diesen Chor nur sehr verhalten ein; eine abermalige Bewerbung müsse sehr sorgfältig geprüft werden, ließ sich Ude vernehmen. Für ihn ist der Traum, in die Stadtgeschichte auf einen Platz neben Hans-Jochen Vogel, der als Oberbürgermeister die Olympischen Sommerspiele 1972 nach München holte, zu rücken, zunächst einmal zerstoben. Bis 2022 dürfte der bayerische Gesetzgeber zwar seine seniorenfeindliche Haltung aufgegeben und die Altersgrenze für hauptamtliche Bürgermeister aufgehoben haben. Ude dürfte dennoch nicht besonders erpicht darauf sein, Gefahr zu laufen, in Münchner Chroniken als ein Stadtoberhaupt erwähnt zu werden, das sogar zwei Mal mit olympischen Ambitionen scheiterte – auch wenn er 2022 erst 75 Jahre alt und damit im besten Adenauer-Alter wäre.

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Jahrgang 1957, politischer Korrespondent in München.

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