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München 2018 Pluspunkt für Pyeongchang

08.02.2010 ·  Ein Gnadenakt stärkt den Münchner Hauptkonkurrenten im Kampf um die Winterspiele 2018: Das IOC rehabilitiert den Südkoreaner Kun Hee Lee und deutet damit eine Tendenz zum wirtschaftlich interessanten Austragungsort Pyeongchang an.

Von Evi Simeoni, Vancouver
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Wenn sich ein Sportler eines Dopingvergehens schuldig macht, hat er sich moralisch beschmutzt und darf an den folgenden Olympischen Spielen nicht teilnehmen. Selbst dann nicht, wenn er seine Strafe bereits vollständig abgesessen hat. Für diese unbeugsame Regelung lässt sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) gerne und mit Recht immer wieder loben. Wenn aber einer aus dem erlauchten Kreis der IOC-Mitglieder sich eines schweren Wirtschaftsvergehens schuldig macht, sein Land um Millionensummen betrogen hat und von einem Gericht zu drei Jahren Gefängnis mit Bewährung verurteilt wurde, so wird er noch lange nicht aus dem IOC verstoßen.

Erst einmal verwandelt er sich in ein „laufendes Verfahren“. Und wenn er – wie der ehemalige Samsung-Chef Kun Hee Lee aus Südkorea – von seiner Regierung aus durchsichtigen Gründen begnadigt wird, dann dauert es zwei Monate, und er ist wieder drin im olympischen Zirkel. Am Sonntag gab ihm die IOC-Exekutive bei ihrer Sitzung in Vancouver seinen Status als Mitglied zurück. Zwar erhält er einen öffentlichen Tadel, weil er „die olympische Bewegung befleckt“ hat. Und er darf fünf Jahre lang keinen Sitz in einer Kommission übernehmen.

Aber sein wichtigstes Ziel kann der 68 Jahre alte wiedergefundene Sohn endlich wieder verfolgen: Lee will die Bewerbung der südkoreanischen Stadt Pyeongchang um die Austragung der Olympischen Winterspiele 2018 unterstützen. Und das geht am besten aus dem Herzen des IOC heraus und mit seinem vielen Geld im Rücken. Lee gilt als der reichste Südkoreaner. Sein Vermögen wird auf 2,7 Milliarden Euro geschätzt.

Olympische Motive für Begnadigung

Thomas Bach, als IOC-Vizepräsident eines der fünfzehn Exekutiv-Mitglieder, hat sich aus Lees Wiedereinsetzung lieber herausgehalten. Während innen die anderen Entscheider des Weltsports das Thema abhandelten, stand der Tauberbischofsheimer vor der Tür des Sitzungssaals und plauderte mit einigen Offiziellen. „Als über die Motive seiner Begnadigung diskutiert wurde und die Frage, ob er wegen der Bewerbung Pyeongchangs amnestiert wurde, habe ich einen Interessenkonflikt erklärt und den Raum verlassen“, sagte Bach. Schließlich machen die südkoreanischen Bewerber mit ihrem dritten Anlauf der Stadt München Konkurrenz im Ringen um die Winterspiele. Dritter Bewerber ist das französische Alpen-Städtchen Annecy. „In der Begnadigung wird Pyeongchang nicht erwähnt“, erklärte zwar am Sonntag Exekutivmitglied Denis Oswald. Doch im koreanischen Fernsehen erklärte Präsident Lee Myong Bak Ende Dezember 2009 seinen Gnadenakt damit, dass er sich den Forderungen aus Wirtschaft und Sport nicht habe verweigern können, wonach Lees IOC-Mitgliedschaft von entscheidender Bedeutung für die Bewerbung sei.

Der südkoreanische Sport freut sich jetzt, einen der wichtigsten Repräsentanten der Bewerbung im IOC reaktiviert zu sehen. Zumal er zuletzt mit einem einzigen IOC-Mitglied hatte auskommen müssen, dem Athletenvertreter Dae Sung Moon aus dem Lager der Taekwondo-Meister.

Lee war im April 2008 nach 20 Jahren von der Spitze des Konzerns zurückgetreten, nachdem die Behörden die Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung aufgenommen hatten. Im selben Jahr legte er in diesem Zusammenhang auch seine IOC-Ämter nieder. Im Juli 2009 wurde er von der koreanischen Justiz wegen Vertrauensbruchs und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 62 Millionen Euro verurteilt. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, er habe vorsätzlich eine Firmenanleihe unter Wert ausgegeben, um seinem Sohn die Kontrolle über den Konzern zu sichern, den sein Vater einst gegründet hatte. Sobald der Tadel verdaut ist, gehört Lee nun wieder zum Kreis der handverlesenen Personen, die die olympischen Ideale repräsentieren. Diese schließen den Respekt vor den geltenden Regeln ein.

Bei der Eröffnung der Winterspiele in Vancouver am kommenden Freitag wird das im Rahmen der olympischen Eide wieder feierlich verkündet. „Wir sind sehr froh über die Entscheidung des IOC“, sagte am Rande der Sitzungen Yang Chun Park, der für die internationalen Beziehungen des Nationalen Olympischen Komitees für Südkorea zuständig ist. „Wir hoffen, dass er sich in der einen oder anderen Weise an der Bewerbung Pyeongchangs beteiligen wird.“ Allerdings stehe es ihm nicht zu, konkrete Aussagen zu diesem Thema zu machen, erklärte er höflich. „Mister Lee wird darüber entscheiden.“

Thomas Bachs selbstdiagnostizierter Interessenkonflikt war vor allem seinem Schweigen anzumerken. Kritik an seinen Mit-Olympiern übte er nicht, obwohl er ihre Entscheidung auch als Brüskierung der Münchner Bewerbung interpretieren könnte. Zudem verbittet sich das IOC eigentlich grundsätzlich politische Einmischung in seine Belange. Die Exekutive hat sich deshalb schon verschiedene Male mit Regierungen angelegt und zuletzt einen Bann über das Nationale Olympische Komitee von Kuweit ausgesprochen.

Nun allerdings haben umgekehrt olympische Belange zur Begnadigung eines hochkarätigen Wirtschaftsbetrügers geführt. Das dürfte nicht unbedingt Wasser auf die Mühlen des EU-Sonderbotschafters für Sport, Willi Lemke, sein, der jüngst das IOC als Kandidaten für den Nobelpreis vorschlug. Aber vielleicht stehen die Chancen ja immer noch gut. Schließlich meinte Lemke den Nobelpreis für Frieden, nicht den für Wirtschaft.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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