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Moderner Fünfkampf : Das Ende des guten Kavalleristen?

Frau mit Pistole und Pferd: Was wird aus Lena Schöneborn ohne Fünfkampf? Bild: picture alliance / dpa

Eine Sportart muss das IOC aus dem Kernprogramm der Spiele nach Rio 2016 streichen. Bei den Modernen Fünfkämpfern ist daher deren wichtigste Disziplin schon lange die sechste: der olympische Überlebenskampf.

          Zurzeit ist es unheimlich still um Olympia, denn in einigen Sommersportverbänden wird die Luft angehalten. Die Frage, die viele umtreibt, lautet: Wen wird das Internationale Olympische Komitee (IOC) an diesem Dienstag zum Niedergang verurteilen? Eine Sportart muss die Exekutive in Lausanne aus dem Kernprogramm der Spiele nach Rio 2016 streichen. Das ist der Auftrag, den sie 2007 von der Vollversammlung in Guatemala erhielt.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Und die Mehrheit der olympischen Sterndeuter weist auf die Modernen Fünfkämpfer, wie immer bei solchem Anlass. Die Konsequenzen sind hart: Mit ihrem Olympiastatus verliert eine Sportart die Millionen-Zuwendungen aus den Fernseheinnahmen - im Fall vom Modernen Fünfkampf fast 14 Millionen Dollar für die Periode der Spiele in London - plus die jeweiligen nationalen Fördergelder. Ohne den Olympiatropf ist der Moderne Fünfkampf kaum lebensfähig.

          Eigentlich ist die Sportart, die vom Weltverband UIPM vertreten wird, ja gar keine - sondern gleich fünf, die allerdings gleichzeitig mit eigenständigen Organisationen bei Olympia präsent sind. Beim Schwimmen, Fechten, Reiten, Schießen und Laufen beweisen die Modernen Fünfkämpfer eine Vielseitigkeit, die im 19. Jahrhundert einem anständigen Kavalleristen abverlangt wurde.

          Pierre de Coubertin hat’s erfunden, der Animateur der Olympischen Spiele der Neuzeit. Das nehmen die Kritiker zum Anlass, vom Unmodernen Fünfkampf zu sprechen, der abgeschafft gehöre. Klaus Schormann, der unermüdliche Weltverbandspräsident, behauptet das Gegenteil. „Das IOC braucht auch Geschichte“, sagt der Funktionär aus Darmstadt. „Wir leben das Erbe Coubertins.“ Ausgerechnet im Jahr des 150. Coubertin-Geburtstags könne man damit doch nicht Schluss machen.

          Es gibt auch Argumente gegen andere Sportarten

          Einen muss es aber treffen. „Wir vergleichen uns nicht mit anderen“ sagt Schormann, denn er weiß, dass das nur schaden würde. Doch natürlich gibt es auch Argumente gegen andere Sportarten. Zum Beispiel gegen die sittlich fragwürdigen Radsportler (zumindest die auf der Straße). Gegen die notorischen Anaboliker im Gewichtheben. Gegen Badminton, in dem zuletzt in London gemauschelt wurde. Oder gegen Tischtennis, in dem immer Chinesen gewinnen. Das allzu koreanische Taekwondo hat zur Sicherheit sogar eine Lobbyistengruppe nach Lausanne geschickt. Schormann ist zu Hause geblieben.

          Alle Sportarten sind von der IOC-Programmkommission im Detail analysiert worden. Auf dieser Grundlage will die Exekutive entscheiden. Von den 26 Sportarten von London werden 25 zu Kernsportarten erklärt, Golf und Siebener-Rugby kommen in Rio als Nummer 27 und 28 hinzu, Position 26 wird neu vergeben.

          „Fünfzehn Jahre aufregende Veränderungen“

          Der Verlierer von Lausanne zählt zwar bei der Exekutivsitzung im Mai in St. Petersburg, wo eine Sportart aufgenommen wird, neben den Neubewerbern Klettern, Wakeboard, Rollsport, Wushu (noch eine Kampfsportart, in diesem Fall sehr chinesisch), Squash und Baseball/Softball noch zu den Programm-Kandidaten. Die Aussicht, dass eine Sportart gestrichen, und dann vom gleichen Gremium wieder zur Aufnahme vorgeschlagen wird, dürfte aber gering sein. Die abschließende Abstimmung durch die Vollversammlung findet im September in Buenos Aires statt.

          Am 26. Januar hat Schormann noch einmal einen eindringlichen Brief an alle IOC-Mitglieder geschickt, in dem er sich auf „fünfzehn Jahre aufregende Veränderungen“ beruft. Keine zweite Sportart hat sich so aufopferungsvoll an die olympischen Erfordernisse angepasst. Aus fünf Wettkampftagen wurde einer. In Rio soll sogar der komplette Wettkampf in einem einzigen Stadion ausgetragen werden.

          „Wir arbeiten an uns“

          „Fünf Disziplinen in fünf Stunden mit einem Ticket von einem Platz aus“, schwärmt Schormann. Laufen und Schießen wurden zu einer Kombination zusammengefügt ähnlich dem Biathlon im Winter. Laserpistolen wurden eingeführt. Es gibt Entwicklungshilfeprogramme, um die Weltbedeutung zu erhöhen, und einen neuen Fernsehvertrag. „Wir arbeiten an uns“, beteuert Schormann für alle Modernen Fünfkämpfer, deren wichtigste Disziplin schon lange die sechste ist: der olympische Überlebenskampf.

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