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Veröffentlicht: 23.08.2015, 17:28 Uhr

Menschenversuche der DDR Franke erstattet Anzeige

Turnerinnen sollen durch die Vergabe von Anabolika klein gehalten worden sein. Nach der Karriere sei das Wachstum durch Leichenpräparate wieder angeregt worden.

© dpa Werner Franke: „Es ist eine neue Dimension“

25 Jahre nach dem Ende der DDR hat Molekularbiologe Werner Franke mit einer Strafanzeige ein weiteres Kapitel des staatlich verordneten Dopings in der DDR öffentlich gemacht. „Es ist eine neue Dimension. Es handelt sich nicht mehr nur um Doping während der sportlichen Laufbahn, sondern um Menschenveränderungen vor und nach der Karriere“, sagte Franke am Sonntag. Er hat bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige gegen eine verantwortliche Medizinerin des einstigen DDR-Turnverbandes und weitere Verantwortliche des DDR-Sports wegen des Verdachts der Körperverletzung erstattet.

Der „Spiegel“ hatte darüber berichtet, wie DDR-Turnerinnen im frühesten Kindesalter durch die Vergabe von Anabolika klein gehalten und nach ihrem Karriereende mit dem Wachstumshormon aus Leichen misshandelt wurden, um ihr Wachstum wieder anzuregen. Grundlage ist das Verfahren der ehemaligen Turnerin Heike M. aus Berlin, die aus Verletzungsgründen früh ihre Laufbahn beenden musste. Wie aus Dokumenten hervorgeht, erfolgte bei der Jugendlichen nach der Verabreichung eines Somatropin-Präparats über sechs Wochen damals ein Wachstumsschub von zehn Zentimetern in nur zehn Monaten.

Heike M. wurde nach dem Ende ihrer Karriere im sächsischen Kreischa das Somatropin gespritzt, das überwiegend aus russischen Leichen gewonnen worden sei. Wie Franke weiter unterstrich, bekamen die jungen Turnerinnen in der DDR androgene Hormone (Anabolika) nicht nur, um belastbarer zu sein, sondern auch zur Reduktion des Größenwachstums. „Mit der Injektion des Präparats in einen anderen Körper waren Fremdreaktionen durch Verunreinigung eine logische Folge“, sagte Franke. Körperlich-nervlicher Verfall und Demenz bis hin zur oft tödlich endenden Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gehörten zu den möglichen fatalen Folgen.

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