Menschenrechte in Qatar: „Vehementer“ Widerspruch gegen Blatter - Sportpolitik - FAZ
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Menschenrechte in Qatar : „Vehementer“ Widerspruch gegen Blatter

Nichts hören, nichts sagen, auch nichts sehen? Fifa-Präsident Blatter Bild: dpa

Die beunruhigende Menschenrechtssituation der Migranten in Qatar sei seit Jahren bekannt, sagt EU-Menschenrechtlerin Lochbihler und fordert die Fifa auf, sich stärker zu engagieren.

          Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Europäischen Parlament, Barbara Lochbihler, hat das Verhalten von Joseph Blatter im Umgang mit Qatar gerügt. Sie widerspreche ihm „vehement“, schrieb die Grünen-Politikerin in einem Brief an den Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), nachdem dieser öffentlich gesagt hatte, dass die Kritik an der WM-Vergabe völlig überzogen und ungerechtfertigt sei. „Die menschenrechtliche Lage für Arbeitsmigranten in Qatar kann nicht deutlich genug beanstandet werden. Das Kafala-System führt zu einer systematischen Abhängigkeit Hunderttausender Arbeiter, auf den Baustellen kommen Menschen ums Leben, und Journalisten, die darüber berichten wollen, werden eingeschüchtert und drangsaliert.“

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es sei unbestritten, dass die beunruhigende Menschenrechtssituation der Migranten in Qatar seit Jahren bekannt ist. „Aus der Entscheidung aber, die Vergabe ohne menschenrechtliche Konditionierung zu erlassen, erwächst nun auch für die Fifa und all jene nationalen oder regionalen Sportverbände, die sich für Qatar stark gemacht haben, eine Mitverantwortung“, stellte Barbara Lochbihler in dem Brief an Blatter fest. Der Weltverband müsse nun seine Einflussmöglichkeiten nutzen und anhand klar definierter Ziele gegenüber der qatarischen Regierung auf die nötige Veränderung drängen.

          Barbara Lochbihler: „Das Kafala-System führt zu einer systematischen Abhängigkeit“

          Erst am Dienstag hatte der französische Fußballprofi Zahir Belounis beklagt, von internationalen Funktionären keine Hilfe erhalten zu haben, während er in Qatar festsaß. Belounis kündigte auf einer Pressekonferenz in Paris an, den Bruder des Emirs von Qatar wegen Betrugs, Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen und Erpressung verklagen zu wollen. Scheich Dschoaan Bin Khalifa aus dem Thani-Klan ist Präsident des Fußballvereins Al-Jaish, bei dem Belounis seit 2010 unter Vertrag stand.

          Dem 33 Jahre alten Belounis ist fast zwei Jahre die Ausreise aus Qatar verweigert worden, weil er dort seinen Lohnanspruch eingeklagt hatte. Der Klub hatte die Gehaltszahlung einfach eingestellt, weil er ihn loswerden wollte. Belounis bekam die Erlaubnis zur Ausreise Ende November nach eigener Aussage nur, weil er der Auflösung des bis 2015 laufenden Vertrags zustimmte.

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