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Leichtathletik WM ohne Oscar Pistorius?

Der Behindertensportverband empört sich über den Vorstoß des Leichtathletikverbandes, Athleten mit Prothesen aus der Wertung mit Nichtbehinderten auszuschließen.

© dapd Vergrößern Schlüsselläufer der Inklusion: Oscar Pistorius wäre in Zukunft wieder ausgeschlossen

Erst wird entschieden, dann gesprochen: Nachdem die Regelkommission des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) beschlossen hat, Athleten mit Prothesen von der gemeinsamen Wertung mit nichtbehinderten Sportlern auszunehmen und sie damit von Meisterschaften auszuschließen, haben die Präsidenten von DLV und Deutschem Behindertensportverband (DBV), Clemens Prokop und Friedhelm-Julius Beucher, telefonisch eine Begegnung vereinbart. Dabei soll dann besprochen werden, ob der DLV tatsächlich, wie am Wochenende gemeldet, diese Regel auch international durchzusetzen plant. Würde der Weltverband (IAAF) sich die deutsche Regelverschärfung zu eigen machen, wäre Oscar Pistorius, der Südafrikaner, der auf zwei Prothesen rennt, von Leichtathletik-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen ausgeschlossen, für die er sich vor Gericht das Startrecht erstritten hat.

Michael Reinsch Folgen:

„Die Inklusion leidet unter dieser Regel am meisten“, beklagt Ralf Otto, der im Behindertensport für die Leichtathletik zuständig ist. „Dies ist bösester Ausschluss. Die Regel gilt auch auf Kreismeisterschaften. Das ist kontraproduktiv und nicht zeitgemäß.“

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Heinrich Popov, beinamputierter Leichtathlet und Paralympics-Sieger im 100-Meter-Lauf und Weltmeister im Weitsprung, kritisiert: Sollte der DLV den gemeinsamen Sport von Menschen mit und ohne Behinderung aktiv verhindern, ist das ein Skandal und weit entfernt von der Lebenswirklichkeit und dem Sport. Der DLV zementiert damit die Spaltung des Sports und zerstört die Vorbildfunktion der Leichtathletik für die Gesellschaft insgesamt.“

Clemens Prokop, der Präsident des DLV, widerspricht: „Wir wenden uns gerade nicht gegen die Teilnahme, sondern laden paralympische Athleten ausdrücklich ein. Die Inklusion wird nicht berührt durch eine getrennte Wertung.“ Das DLV-Präsidium habe bislang noch gar nicht entschieden über einen Antrag, die Regel auch international zu etablieren, sagte Prokop. Dies könne frühestens beim IAAF-Kongress vor den Weltmeisterschaften im August 2013 in Moskau geschehen. Grundsätzlich sei es allerdings von Vorteil, wenn nationale und internationale Regeln gleich seien, sagte Prokop.

Im übrigen gebe es gerade im paralympischen Sport eine stark differenzierte Wertung und spätestens seit London eine heftige Auseinandersetzung über Vor- und Nachteile unterschiedlicher Prothesen. Die unsägliche Diskussion über Vor- oder Nachteile durch Prothesen werde von der Präzisierung der IAAF-Regel 144 beendet. Vom ersten Januar an sollen demnach Leistungen, die mit technischen Hilfsmitteln wie Prothesen erbracht werden, getrennt von den Leistungen gewertet werden, die ohne technische Hilfsmittel erbracht werden.

Quelle: F.A.Z.

 
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