http://www.faz.net/-gtl-74gka
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.11.2012, 16:50 Uhr

Leichtathletik WM ohne Oscar Pistorius?

Der Behindertensportverband empört sich über den Vorstoß des Leichtathletikverbandes, Athleten mit Prothesen aus der Wertung mit Nichtbehinderten auszuschließen.

von , Berlin
© dapd Schlüsselläufer der Inklusion: Oscar Pistorius wäre in Zukunft wieder ausgeschlossen

Erst wird entschieden, dann gesprochen: Nachdem die Regelkommission des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) beschlossen hat, Athleten mit Prothesen von der gemeinsamen Wertung mit nichtbehinderten Sportlern auszunehmen und sie damit von Meisterschaften auszuschließen, haben die Präsidenten von DLV und Deutschem Behindertensportverband (DBV), Clemens Prokop und Friedhelm-Julius Beucher, telefonisch eine Begegnung vereinbart. Dabei soll dann besprochen werden, ob der DLV tatsächlich, wie am Wochenende gemeldet, diese Regel auch international durchzusetzen plant. Würde der Weltverband (IAAF) sich die deutsche Regelverschärfung zu eigen machen, wäre Oscar Pistorius, der Südafrikaner, der auf zwei Prothesen rennt, von Leichtathletik-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen ausgeschlossen, für die er sich vor Gericht das Startrecht erstritten hat.

Michael Reinsch Folgen:

„Die Inklusion leidet unter dieser Regel am meisten“, beklagt Ralf Otto, der im Behindertensport für die Leichtathletik zuständig ist. „Dies ist bösester Ausschluss. Die Regel gilt auch auf Kreismeisterschaften. Das ist kontraproduktiv und nicht zeitgemäß.“

Mehr zum Thema

Heinrich Popov, beinamputierter Leichtathlet und Paralympics-Sieger im 100-Meter-Lauf und Weltmeister im Weitsprung, kritisiert: Sollte der DLV den gemeinsamen Sport von Menschen mit und ohne Behinderung aktiv verhindern, ist das ein Skandal und weit entfernt von der Lebenswirklichkeit und dem Sport. Der DLV zementiert damit die Spaltung des Sports und zerstört die Vorbildfunktion der Leichtathletik für die Gesellschaft insgesamt.“

Clemens Prokop, der Präsident des DLV, widerspricht: „Wir wenden uns gerade nicht gegen die Teilnahme, sondern laden paralympische Athleten ausdrücklich ein. Die Inklusion wird nicht berührt durch eine getrennte Wertung.“ Das DLV-Präsidium habe bislang noch gar nicht entschieden über einen Antrag, die Regel auch international zu etablieren, sagte Prokop. Dies könne frühestens beim IAAF-Kongress vor den Weltmeisterschaften im August 2013 in Moskau geschehen. Grundsätzlich sei es allerdings von Vorteil, wenn nationale und internationale Regeln gleich seien, sagte Prokop.

Im übrigen gebe es gerade im paralympischen Sport eine stark differenzierte Wertung und spätestens seit London eine heftige Auseinandersetzung über Vor- und Nachteile unterschiedlicher Prothesen. Die unsägliche Diskussion über Vor- oder Nachteile durch Prothesen werde von der Präzisierung der IAAF-Regel 144 beendet. Vom ersten Januar an sollen demnach Leistungen, die mit technischen Hilfsmitteln wie Prothesen erbracht werden, getrennt von den Leistungen gewertet werden, die ohne technische Hilfsmittel erbracht werden.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Russland bei Olympia 2016 Es gewinnt Putin

Anti-Doping-Agenturen, Medien und Doping-Fahnder kritisieren die IOC-Entscheidung, die russische Mannschaft trotz Staatsdopings in Rio starten zu lassen, heftig. Es gibt auch andere Stimmen – etwa von einem deutschen Star. Mehr

25.07.2016, 14:38 Uhr | Sport
Staatliches Doping IOC schließt Russland nicht von Olympia aus

Die Leitung des Internationalen Olympischen Komitees um den deutschen Präsidenten Thomas Bach hat die russischen Athleten nicht grundsätzlich von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen. Stattdessen sollen die Welt-Sportverbände entscheiden. Mehr

25.07.2016, 15:01 Uhr | Sport
Harting zu IOC-Entscheid Im IOC herrschen Zustände wie bei der Fifa

Robert Harting fällt ein hartes Urteil über IOC-Chef Thomas Bach. Der reagiert in einem Interview erstaunlich scharf auf die Kritik des Diskuswerfers. Julija Stepanowa bezichtigt das IOC derweil der Lüge. Mehr Von Michael Reinsch, Kienbaum

26.07.2016, 17:32 Uhr | Sport
Russland vor Olympia Putin und das Schlachtfeld Sport

Wladimir Putin ist ein begeisterter Sportler. Der russische Staatspräsident tut alles, um sein Land zu einer sportlichen Großmacht zu machen. Die Olympischen Spiele in Sotschi waren sein größter Triumph. Jetzt steht der Erfolg in Frage. Mehr

26.07.2016, 17:20 Uhr | Sport
Olympia Bach nennt Harting-Kritik nicht akzeptable Entgleisung

IOC-Präsident Thomas Bach muss viel Kritik einstecken nach der Entscheidung,. Russland doch zu den Olympischen Spielen zuzulassen. Im Interview wehrt sich der deutsche Sportfunktionär und verweist auf viel Zustimmung. Mehr

27.07.2016, 08:50 Uhr | Sport

Alles so, wie es sein soll?

Von Michael Reinsch

Fast könnte Thomas Bach einem leidtun: Die Kritik am IOC-Präsidenten wird in den nächsten Tagen wohl nicht abklingen. Denn mit seinen jüngsten Äußerungen in Richtung Harting und Stepanowa provoziert er weiteren Widerspruch. Ein Kommentar. Mehr 2