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Leichtathletik-Trainer Czingon im Gespräch „Der Trainerberuf ist nicht attraktiv“

Herbert Czingon war 35 Jahre lang Trainer beim Deutschen Leichtathletikverband (DLV). Im Interview spricht er über unangemessene Bezahlung, hohe Arbeitsbelastung, mangelndes Sozialprestige und fehlenden Korpsgeist.

© dpa Kritischer Beobachter Herbert Czingon: „Das ist die Karikatur von Sportförderung“

Vor 17 Jahren gründete Herbert Czingon die Trainerschule in Mainz, seit Ende 2008 war er Chefbundestrainer des DLV. Nun wechselt der Sechzigjährige in die Schweiz, um die eidgenössischen Stabhochspringer auf die Europameisterschaften 2014 in Zürich vorzubereiten.

Stimmt der Eindruck, dass es eine Abwanderung deutscher Trainer gibt und noch dazu Nachwuchsmangel?

Der Trainerberuf war im alten Ostblock hoch angesehen, vergleichbar mit dem eines Lehrers oder eines Diplomingenieurs. Das war hoch attraktiv für junge Menschen, da muss man nicht mal an Westreisen denken. Im Westen war das nie so. Das Sozialprestige des Trainers steigt, wenn er im Profibereich tätig ist, im Fußball, im Tennis, im Golf, oder wo es sehr spektakulär zugeht, etwa beim Skispringen. Ansonsten wird der Trainerberuf nicht wirklich als gefestigtes Berufsbild wahrgenommen. Ein Trainer in einem Verein muss in der Regel Aufgaben wahrnehmen, die weit über sein Spektrum hinaus reichen: vom Platzwart bis zum Sportwart.

Man hat höchste professionelle Ansprüche an den Trainer, erwartet aber die Mentalität eines Ehrenamtlichen?

Vor allem in Landesverbänden der neuen Bundesländer ist die Haltung so. Mir sind Bruttogehälter bekannt von zweitausend Euro und weniger. Und wenn jemand zusätzlich eingestellt werden soll, wird der Topf einfach stärker geteilt: Alle kriegen weniger. Das ist ein unhaltbarer Zustand. In aller Regel können Sie davon ausgehen, dass ein Lehrer an der Schule besser verdient als ein Trainer, obwohl die Ausbildung vergleichbar ist und die Verantwortung nicht geringer. Das ist in West wie Ost der Fall.

81973205 © AFP Vergrößern Faszination Leichtathletik: Für die Trainer gibt es kaum Anreize

Warum gibt es keine Gewerkschaft?

Das ist das heikelste Thema. Die Tätigkeit im Sport steht unter dem obersten Prinzip der Konkurrenz. Sieg und Niederlage entscheiden über Wohl und Wehe. Ich habe festgestellt, dass eine Solidarität unter Trainern nicht besteht. Deshalb ist es bis heute nicht gelungen, eine nennenswerte Berufsvertretung zu organisieren. Unter Trainern gibt es keinen Korpsgeist. Darüber hinaus ist es selbst für Verbände schwierig, das Trainer-Know-how, das in ihren Sportarten an verschiedenen Orten vorhanden ist, zu bündeln und allgemein zugänglich zu machen. Das würde nämlich bedeuten, Kooperation zu organisieren, aber unter Konkurrenz: ein Widerspruch in sich.

Der Föderalismus dürfte die Sache nicht leichter machen.

Vereine und Länder stehen im Wettbewerb miteinander. Und der Vereinstrainer steht in Konkurrenz zum Landestrainer, dieser wiederum in Konkurrenz zum Bundestrainer. Das heizen verschiedene Organisationen auch noch an, indem sie sagen: Wir Bayern, wir Westfalen, wir Leverkusener machen unser Ding. Da werden spitzensportliche Strukturen entwickelt, in Konkurrenz zum nationalen Verband, und die Nachwuchsförderung leidet unter Umständen darunter. Die Trainer müssen dieses strukturelle und strategische Tohuwabohu ausbügeln. Damit sind sie überfordert.

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Ist das eine schlechte Prognose, die Sie der gerade in Köln gegründeten Organisation von Trainern ausstellen?

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