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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 06.06.2014, 08:40 Uhr

Leichtathletik Gegner im eigenen Lager

Die deutschen Langstreckenläufer scheinen mit ihrem Latein am Ende. Sie empfinden ihren Leitenden Bundestrainer als inkompetent. Doch der Deutsche Leichtathletikverband will an ihm festhalten.

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© picture alliance / Wolfgang Mini Anna Hahner (r.): Nicht mehr bei Heinig - nicht mehr von der Bundeswehr gefördert

Bei den besten deutschen Läufern auf der Lang- und Mittelstrecke brennt‘s, doch von Rauch und Feuer keine Spur. Gut zwei Dutzend Läuferinnen und Läufer der ersten Reihe, deutsche Meister und Olympiateilnehmer darunter, empfinden den Leitenden Bundestrainer als inkompetent und fordern seine Abberufung. Der Betroffene, Wolfgang Heinig, äußert sich nicht zur Situation. Damit scheinen die Sportlerinnen und Sportler am Ende mit ihrem Latein. Ihre Position ist so schwach, dass sie Athletensprecher Nils Winter vor vier Wochen baten, ihren Brief an den Deutschen Leichtathletik-Verband zu leiten, jedoch die zum Teil prominenten Namen der Absender für sich zu behalten. Beim Empfänger kamen die Einlassungen als anonymer Brief an. Allein dieser Umstand untergräbt das Anliegen.

Michael Reinsch Folgen:

Die Situation zeigt, nicht zum ersten Mal, dass es in den olympischen, besser: Amateursportarten so etwas wie eine wirksame Athletenvertretung, gar Macht von Sportlerinnen und Sportlern, nicht gibt. Dabei haben es die Vorwürfe in sich. Heinig kommandiere sie wie Untergebene, werfen die Sportler ihm vor. Wer sich an Heinigs Kommentar während der WM in Moskau erinnert, die Persönlichkeitsentwicklung der Langläuferin Sabrina Mockenhaupt lasse noch Luft nach oben, wird gern glauben, dass Kommunikation und Diplomatie nicht seine Stärken sind. Er bevorzuge „teilweise grotesk“ Läuferinnen und Läufer, die er bei der LG Frankfurt selbst betreue und strafe diejenigen ab, die sich mit ihm überwerfen, klagen die Autoren des Briefes.

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Man erinnert sich, dass es eine erstaunliche zeitliche Nähe gab zwischen der Trennung der Hahner-Zwillinge von Heinig und dem Verlust der Förderstelle von Anna Hahner bei der Bundeswehr. Nicht einmal ins Trainingslager der Top-Athleten reise er mit seiner persönlichen Gruppe, sondern - Beispiel Höhentraining in den Rocky Mountains - treffe erst ein, wenn die interne Konkurrenz abgereist ist. So wenig halte der Bundestrainer von den deutschen Läuferinnen und Läufern, lautet ein weiterer Vorwurf, dass er offen darüber rede, leistungsstarke Ausländer einzubürgern, wie es mit dem in Äthiopien politisch verfolgten Talent Homiyu Tesfaye gelang.

In der kommenden Woche wollen sich Sportdirektor und Chef-Bundestrainer mit den Verfassern der Petition treffen. Ihnen geht es darum, so ist zu erfahren, Missverständnisse ausräumen, die zu falschen Folgerungen geführt haben. Von einer Abberufung Heinigs ist keine Rede. Der Verband hat sich für einen Fachmann entschieden, der die Mehrzahl der Athleten weder von seinen Zielen noch von sich persönlich überzeugt hat. Sportdirektor Thomas Kurschilgen und Chef-Bundestrainer Idriss Gonschinska wird es schwer fallen, dies an seiner Stelle zu tun. Das Feuer ist noch lange nicht gelöscht.

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