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Kommentar : DOSB gegen flügge Sportler

Athleten-Vertreter wie Max Hartung wollen nicht mitgestalten. Bild: dpa

Deutsche Athleten haben erkannt, dass sie ihre Positionen selbst vertreten müssen und nicht zu bloßen Objekten der Sportpolitik verkommen dürfen. Auf solche Sportler sollten Funktionäre stolz sein. Oder ist Mündigkeit doch nicht ihr Ziel?

          Was erwarten wir von Athleten? Am besten Gold oder zumindest eine Medaille, absolute Sauberkeit, selbstverständlich. Fairness in jedem Moment, auch im Augenblick einer niederschmetternden Niederlage. Und ja, fast vergessen, Mündigkeit – wahlweise gefordert oder angepriesen in Reden von Funktionären wie Politikern über die großartigen Nebenwirkungen des Spitzensports.

          Aber wehe, das Kind tut, was man von ihm verlangt. Wehe, es wird erwachsen, erkennt seine Abhängigkeit, gründet einen Verein namens „Athleten Deutschland“, der wie ein Sport-Verband in den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aufgenommen werden soll. Die dahinterstehenden Athleten-Vertreter wie Max Hartung und Silke Kassner wollen nicht nur spielen, sie wollen mitgestalten, was angeblich zu ihrem Wohle beschlossen wird. Sie wären dann in Zukunft mitverantwortlich für Entscheidungen wie die vergangener Jahrzehnte, deren fatale Folgen allein die Sportler zu tragen hatten. Zum Beispiel das lächerliche Anti-Doping-System.

          Alle Fraktionen des deutschen Parlaments finden eine Emanzipation der Athleten grundsätzlich gut. Das Bundesinnenministerium hat 225.000 Euro in den Haushalt gestellt, zusätzlich zur jährlichen Spitzensportförderung. Niemand leidet unter diesem Zuschuss. Und doch geht die Angst um unter Spitzenfunktionären.

          Anders kann man den Versuch nicht interpretieren, diese erfrischend flüggen Sportler mit aller Macht im Nest halten zu wollen. CDU/CSU und DOSB-Führung sind sich sehr einig, die Freiheit einer Athletenvertretung nur unter dem Dach des Verbandes gestatten zu wollen. So wurde es sinngemäß nach Darstellung von Anwesenden in der Sportausschuss-Sitzung des Bundestages in der vergangenen Woche formuliert. Frei übersetzt: Wenn sich schon der Geldfluss zugunsten einer Organisationsstruktur für Spitzensportler nicht mehr verhindern lässt, dann aber soll er über den Verteiler DOSB erfolgen. Die Personalauswahl obläge dem Dachverband, er behielte die Macht, die Athleten zu kontrollieren. Nichts würde sich ändern.

          Dass sich etwas ändern muss, haben Athletenvertreter schon vor vielen Jahren gemerkt. Sie scheiterten mehr oder weniger, weil sich der Beruf (erfolgreicher) Spitzensportler mit dem Ehrenamt (ernsthafter) Athletenvertreter nicht vereinen lässt. Heute angesichts hochkomplexer Rechtsfragen noch viel weniger als vor dreißig Jahren. Deshalb ist es zwingend notwendig, dem Verein „Athleten Deutschland“ Spielraum für eine eigene, vom DOSB unabhängige Struktur zu bieten. Denn diese Sportler sind nicht die „freien Radikalen“, vor denen der Parlamentarische Staatssekretär des BMI, Stephan Mayer, im Deutschlandfunk warnte. Sie sorgen eben nicht für einen Alterungsprozess, den die Theorie über die freien Radikale beschreibt, sondern für eine Verjüngung. Sie haben erkannt, dass sie ihre Positionen selbst vertreten müssen und nicht zu bloßen Objekten der Sportpolitik verkommen dürfen. Auf solche Sportler sollten Funktionäre stolz sein. Oder ist Mündigkeit doch nicht ihr Ziel?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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