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Kommentar : Sklaven des Fußballs

Fifa-Präsident Gianni Infantino (links) zu Gast bei Russlands Präsident Wladimir Putin in Krasnodar. Bild: SPUTNIK/KRE/REX/Shutterstock

Der Fifa-Präsident brüstet sich mit einem schlecht funktionierenden System zur Überwachung der WM-Baustellen in Russland. Das passt zu Gianni Infantino.

          Der Chef war also auch im Bilde. Gianni Infantino, Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes Fifa, hat den Präsidenten der Fußballverbände von Island, Schweden, Dänemark und Norwegen in einem Brief bestätigt, seit Monaten zu wissen, dass nordkoreanische Zwangsarbeiter am Bau des neuen Fußballstadions von Sankt Petersburg beteiligt waren, in dem im Juni der Confed-Cup ausgespielt wird und 2018 die Weltmeisterschaft.

          Das norwegische Magazin „Josimar“ hatte über die Umstände auf der Großbaustelle in der Heimatstadt Wladimir Putins berichtet. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte der Weltverband Anfang April mitgeteilt, von den Zuständen zu wissen. Nun bestätigte Infantino gegenüber den Skandinaviern, Kenntnis von den entrechteten Arbeitern aus Nordkorea gehabt zu haben. Sie beschaffen Diktator Kim Jong-un und seinem Regime dringend benötigte Valuta, für den persönlichen Luxus der nordkoreanischen Nomenklatura und auch zur Finanzierung der (unter anderem nuklearen) Rüstungsprogramme.

          Angesichts der „relativ hohen Zahl“ der Regelverstöße und der tödlichen Unfälle auf der Baustelle habe man den Generalunternehmer zu Sofortmaßnahmen angehalten, schreibt Infantino nun. Zudem seien die Untersuchungen mit Blick auf die Nordkoreaner ausgeweitet worden. Wiederholt schreibt Infantino vom „decent work monitoring“ in Russland. Die Überwachung der WM-Baustellen sei also, je nach Übersetzung, ordentlich oder anständig? Wohl kaum. Oder besser: weder noch. Gut gemeint, bestenfalls.

          Denn das Überwachungssystem wurde, nach der vieltausendfachen menschlichen Tragödie, die sich vor den Spielen auf Sotschis Olympia-Baustellen abgespielt hatte, mit einigem Brimborium im Frühjahr 2016 etabliert. Alle Stadionmanager waren gebrieft worden. Und doch wurden in Sankt Petersburg noch Monate später moderne Sklaven ausgebeutet. Und die ARD strahlte am Mittwoch eine Dokumentation aus, die Nordkoreaner an der WM-Baustelle am Moskauer Luschniki-Stadion zeigte. Dabei hatte Infantino im Brief betont, keine weiteren Nordkoreanern gesichtet zu haben.

          Sich mit dem schlecht funktionierenden System zu brüsten, passt allerdings – zu Infantino, Präsident jener Fifa, die, wie er den Skandinaviern schreibt, auf dem jüngsten Kongress die nächsten Schritte in Sachen Achtung der Menschenrechte eingeleitet hat. Zur Erinnerung: Jene Veranstaltung, anlässlich derer Infantino die Kontrolleure in die Wüste schickte, die eine weitere Untersuchung gegen ihn in die Wege geleitet hatten, fand in Bahrein statt, beim Fifa-Vizepräsidenten Scheich Salman bin Ebrahim al Khalifa. Dessen Verwandte im Königshaus lassen diese Woche mal wieder auf die eigene Bevölkerung schießen: mindestens fünf Tote bis Freitag, Hunderte Verletzte, Hunderte Verhaftete.

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