http://www.faz.net/-gtl-94j5y

WM-Kommentar : Die Welt zu Gast beim Betrüger

Doping-Skandal? Witalij Mutko (links) und Gianni Infantino freuen sich auf die Fußball-WM ... Bild: dpa

Strich drunter, nach vorn schauen, alles andere ist schlecht für das Geschäft, da sind sich IOC und Fifa einig. Ein Betrüger im großen Stil lädt die Welt zum Spiel ein. Der Fußball bleibt sich treu. Ganz entspannt.

          Gianni Infantino war vergangene Woche schon „ganz entspannt“. Das war noch vor der Auslosung der Fußball-Weltmeisterschaft im Kremlpalast. Die Untersuchung des russischen Doping-Betrugs? Ließ den Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbands (Fifa) kalt, noch bevor das Internationale Olympische Komitee (IOC) seine Strafen aussprach. Und jetzt? Keine Auswirkung habe die Entscheidung des IOC, lässt die Fifa wissen. Chef des Aufsichtsrats des Organisationskomitees bleibt Witalij Mutko, der stellvertretende Ministerpräsident Russlands. Mutko, gerade auf Lebenszeit von Olympischen Spielen ausgeschlossen.

          Verantwortlich gemacht für den planmäßigen Betrug in Sotschi 2014, vom IOC wegen seiner administrativen Rolle als jahrelanger Sportminister in Wladimir Putins Kabinett. Er ist von den Kronzeugen Gregorij Rodtschenkow und Witalij Stepanow glaubhaft und detailliert als Drahtzieher der russischen Urin-Panscherei beschrieben worden, als Minister, der durchregierte, seine Handlanger anrief, wenn er den Schutz einzelner Sportler verlangte, tobte, wenn er seinen Willen nicht bekam. Dieses System, so stellen sie es dar, bot gedopten Sportlern Schutz zu jeder Jahreszeit, jahrelang. Ein Terabyte Daten liegt der Welt-Anti-Doping-Agent (Wada) vor, von Abertausenden Sportlern ist die Rede. Wer den russischen Betrug wirklich aufklären will, muss die Daten vom ersten bis zum letzten Byte durchforsten.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Die Fifa aber kommt mit ihrer noch immer laufenden Untersuchung verdächtiger Proben russischer Fußballspieler schon nicht voran. Das IOC habe auch lange gebraucht, heißt es zur Entschuldigung. Zudem hat Mutko keine Ämter bei der Fifa mehr. Er bleibt Präsident des Russischen Fußballverbandes und leugnet weiter vehement, dass ein staatlich unterstütztes Doping-Programm in Russland existierte. Schon deshalb wäre es wichtig gewesen, dass IOC-Präsident Bach das Eingeständnis des systematischen, staatlich unterstützten Betrugs verlangt, so wie es Wada und der Internationale Leichtathletikverband tun. Bach begnügt sich mit der Feststellung, dass NOK-Chef Schukow gegenüber den IOC-Vorständen um Entschuldigung gebeten hatte. Wie? Wofür? Vertraulich. Keine Auskunft.

          Der Bericht der „Schmid-Kommission“ sekundiert der Fifa zudem. Niemand könne mit Gewissheit sagen, ob die Ansage eines Ministeriumsmitarbeiters, man solle im Fall eines gedopten Sportlers mit „WL“ Rücksprache halten, sich wirklich auf Witalij Leontjewitsch Mutko beziehe. Anstrengungen zur Lösung des vermeintlichen Rätsels, wer denn sonst in Frage komme, werden nicht unternommen. Ansonsten gilt die Devise: Strich drunter, nach vorn schauen, alles andere ist schlecht für das Geschäft, da sind sich IOC und Fifa einig. Mutko bleibt vorerst WM-Organisator. Ein Betrüger im großen Stil lädt die Welt zum Spiel ein. Der Fußball bleibt sich treu. Ganz entspannt.

          Weitere Themen

          Nur Polen ist zu gut für die Deutschen

          Skisprung-Auftakt : Nur Polen ist zu gut für die Deutschen

          Auch ohne Olympiasieger Wellinger gelingt den Deutschen gleich in Wisla ein starker Auftakt. Die mannschaftliche Geschlossenheit macht Hoffnung auf mehr. Auch der Trainer ist mit dem Start zufrieden.

          Fanenergie sichtbar machen Video-Seite öffnen

          Neues Spielzeug im Stadion : Fanenergie sichtbar machen

          Wenn die Fans besonders laut schreien, trifft Robert Lewandowski häufiger - könnte eine These lauten, die man mit den neuen Daten überprüfen könnte. Dem Unternehmen Siemens nach geht es aber primär um die Fans - und dass sie noch lauter schreien, als sie es vielleicht ohnehin schon tun.

          Pfiffe für Zverev bei seinem Meilenstein

          Finale bei der ATP-WM : Pfiffe für Zverev bei seinem Meilenstein

          So hatte sich Alexander Zverev seinen großen Erfolg nicht vorgestellt. Der Deutsche besiegt Roger Federer und steht erstmals im ATP-Finale. Doch die Fans in London lassen Zverev ihren Unmut deutlich spüren.

          Topmeldungen

          Hohe Spritpreise : Benzindiebe gehen um in Deutschland

          Die hohen Benzinpreise sind nicht nur an der Tankstelle ärgerlich – es wird auch lukrativer, Sprit zu klauen. Die Polizei warnt inzwischen vor Benzindiebstählen in ungekanntem Ausmaß. Bei den Ermittlungen sind die Beamten meist machtlos.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.