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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Über Gebühr verschwiegen

12.04.2006 ·  Die Zuschauerzahl stimmt, der Marktanteil auch, wenn die Tour de France läuft im Ersten Programm. Aber es gibt Dinge, die sich nicht in Millionen oder Prozenten ausdrücken lassen. Glaubwürdigkeit zum Beispiel. Die ARD bekommt die Quittung für gefährliche Nähe.

Von Jörg Hahn
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Die Zuschauerzahl stimmt, der Marktanteil auch, wenn die Tour de France läuft im Ersten Programm. Aber es gibt Dinge, die sich nicht in Millionen oder Prozenten ausdrücken lassen. Glaubwürdigkeit zum Beispiel.

Die ARD hat mittlerweile die Quittung für ihre gefährliche Nähe zum Radsport, über Jahre dokumentiert in der Sponsorschaft des Teams Telekom (T-Mobile), erhalten. Ein Gerichtsverfahren gegen Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke wegen Rufschädigung wurde jetzt eingestellt; der Beklagte gab eine Erklärung ab, die ihm nicht weh tut, sondern ihn sogar bestärkt, Gewinner der Auseinandersetzung zu sein: "Jeder darf nun behaupten, daß die Sportjournalisten der ARD das Thema Doping aktiv ausklammern", so faßt Franke den kurzen Prozeß zusammen. Er hält seinen Vorwurf aufrecht, die ARD betreibe tendenziöse Sportberichterstattung, die das Dopingthema ausklammere. Zur Klarstellung: Franke sagt nicht, daß Unwahres oder Falsches verbreitet werde. Er wirft dem Senderverbund aber vor, am System des Verschweigens beteiligt zu sein.

Teuer bezahlte Ware nicht schlecht reden

Die Tour de France wird von der ARD nicht allein aus journalistischem Interesse begleitet. Als zeitweiliger Telekom-Sponsor war der öffentlich-rechtliche Sender für alle sichtbar eines jener Unternehmen, die sich vom Radsport gute Geschäfte versprechen, in diesem Fall ging es um den Ausbau der Führung auf dem deutschen Fernsehmarkt. Deshalb wurde, behaupten Kritiker, die spätestens nach dem Sündenfall von Festina 1998 befleckte Tour schöngefärbt - und die ARD verfahre noch immer so.

Auch jeder andere Sender, der teuer bezahlt für Sport-Übertragungsrechte, redet seine Ware nicht schlecht. Doch die ARD überschritt einst Grenzen des guten Geschmacks. Wohlverhalten der Fernsehjournalisten dürfte zwar kaum Vertragsbestandteil mit dem Firmenteam gewesen sein. Dennoch nährten viele, nicht bloß von Franke wahrgenommene Kleinigkeiten den Verdacht, da wollte sich jemand seine schöne Sache (und die guten Quoten natürlich) nicht kaputtmachen lassen - um den hohen Preis, den Ruf als unabhängige Berichterstatter, zu riskieren.

Trennung in Wissende und Naive

Die ARD hält Franke und anderen entgegen, daß sie die Dopingproblematik sehr wohl aufarbeite - in ihren politischen Magazinen. Aber diese redaktionelle Trennung muß das Publikum spalten: in Wissende und Naive. Nicht alle, die tagsüber Stunden um Stunden die Tour live verfolgen, sind am späten Abend Zuschauer der politischen Magazine. Echte Aufklärung im gebührenfinanzierten Fernsehen sollte anders aussehen. Mal sehen, was der kommende Radsport-Sommer bringt.

Quelle: F.A.Z. vom 13. April 2006
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Jahrgang 1961, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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