Home
http://www.faz.net/-gu9-qtv2
Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Kein bißchen besser

 ·  Daß der ARD-Schmiergeldskandal noch stärker auf den Sport ausstrahlen wird, muß befürchtet werden. Viele Verbände, Vereine und Funktionäre haben das miese Spiel der Fernseh-Sportchefs Emig und Mohrenderen mitgemacht, anstatt die Korruption anzuzeigen.

Artikel Lesermeinungen (0)

Daß der ARD-Schmiergeldskandal noch stärker auf den Sport ausstrahlen wird, muß befürchtet werden. Angesichts der bisher schon bekanntgewordenen Summen in den Fällen der früheren Fernseh-Sportchefs Emig und Mohren liegt der Schluß nahe, daß viele Verbände, Vereine und Funktionäre deren mieses Spiel mitgemacht und für Berichterstattung bezahlt haben, anstatt die Korruption anzuzeigen. Die Ermittlungsbehörden werden es an den Tag bringen.

Das sind ja tolle Vorbilder für Sportler, von denen man in Sonntagsreden Fair play und Ehrlichkeit einfordert, denen aber eben nur vorgelebt wird, wie man sich mit allen Mitteln behaupten kann. Insgesamt mangelt es dieser Gesellschaft an aufrechten Persönlichkeiten, die Halt und Orientierung bieten, einen Lebenssinn abseits von Gewinnstreben, Konsum, Selbstdarstellung und Boulevard-Unterhaltung vermitteln. Im Leitmedium Fernsehen sind sie kaum zu entdecken.

Kurze Randnotiz: An diesem Samstag dürfte die Leichtathletik-Berichterstattung der ARD einen Tiefpunkt erreichen, mit der Sendung "Star-Leichtathletik". Solch ein Firlefanz, der schon im "Morgenmagazin" beworben wird, ist fast so ärgerlich wie erkaufte Öffentlichkeit und müßte die Sportorganisationen auf die Barrikaden treiben. Doch dort ist man ja mit sich selbst beschäftigt.

Fehler und Mißhelligkeiten

Der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe muß wegen umstrittener Kontakte zu einem offenbar käuflichen Fernsehjournalisten zurücktreten; zwischen dem Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und den Sportdirektoren großer Wintersportverbände kracht es; die Landessportbünde begehren auf gegen die Fusionspläne von NOK und Deutschem Sportbund, weil sie sich untergebuttert fühlen; der Schwimmverband und einige seiner Athleten liegen wieder mal im Clinch. Die Führungsriege des deutschen Sports macht in diesen Tagen keinen besonders guten Eindruck.

Als hätte man sich ausgerechnet an der großen Wirtschaftswelt orientiert, mehren sich Berichte über Fehler und Mißhelligkeiten. Kein Wunder, wenn Spitzenleute aus Politik und Wirtschaft abfällig über Gesprächspartner aus dem Sport sprechen, wenn die Bereitschaft zur Unterstützung zurückgeht. Der derzeitige Bundesinnen- und Sportminister Otto Schily hat bei vielen Gelegenheiten deutlich gemacht, daß er manchen aus dieser Sportführung wenig zutraut, schon gar nicht eine konkurrenzfähige deutsche Olympiabewerbung auf den Weg zu bringen.

Der Sport sucht eigentlich nach langfristig tauglichen Konzepten für seine Selbstorganisation wie für den Erhalt der Leistungsfähigkeit im Kampf um Titel und Medaillen. Es geht um nicht weniger als um die gesellschaftliche Anerkennung. Doch im Tagesgeschäft verpufft viel Zeit und Energie. Die Sorge muß einen umtreiben, daß auch noch der deutsche Sport im internationalen Wettbewerb den Anschluß verpaßt.

Quelle: F.A.Z., 30.07.2005, Nr. 175 / Seite 30
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Malocher unter dem Korb

Von Anno Hecker

Die Provinz hat der Metropole den Rang abgelaufen: Harte Arbeit hat den Basketball in Deutschland vorangebracht - nicht nur bei Meister Bamberg. Doch gerade Nachwuchsspieler werden manchmal zu schnell hochgejubelt. Mehr 1