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Kölner Sportrechtstag : „Gesetzeslage genügt nicht“

Vorbild Italien: Italienische Ermittler nach einer Festnahme auf dem Mailänder Flughafen im Februar Bild: Reuters

Bislang tun sich Strafverfolger und Gerichte in Deutschland schwer, Spielmanipulationen angemessen zu verfolgen. Auf dem Kölner Sportrechtstag fordert DFB-Vizepräsident Koch eine deutliche Verschärfung der geltenden Gesetze.

          Können wir helfen? Bisher haben die deutschen Sportfunktionäre dankend abgelehnt, wenn Politiker vorschlugen, das deutsche Strafrecht um den Tatbestand des Sportbetrugs zu erweitern. Die Sprachregelung schien klar: Um unsere Betrüger kümmern wir uns selbst und wenn der Staatsanwalt helfen muss, dann hat er die richtigen Mittel an der Hand. Inzwischen aber werden auch unter den Funktionären die Freunde einer Strafrechtsverschärfung immer lauter: „Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Meinung fragen, dann muss das rein ins StGB“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, Rainer Koch auf dem fünften Sportrechtstag der Sporthochschule Köln - und sprach von der Einführung des Sportbetrugs im Strafgesetzbuch (StGB). „Vielleicht ist das noch nicht mehrheitsfähig in der deutschen Sportpolitik, und es würde viel Redezeit kosten, diese Mehrheitsmeinung zu erklären, aber die jetzige Gesetzeslage genügt nicht“, sagte Koch mit Blick auf die mindestens 270 verschobenen Spiele im Jahr, von denen der europäischen Fußballverband Uefa in Europa ausgeht.

          Führende Funktionäre lehnen die Verschärfung des Strafrechts bislang vor allem mit Blick auf Dopingbetrüger ab. Allerdings hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in dieser Woche durchblicken lassen, dass er eine Strafrechtsverschärfung unter bestimmten Umständen auch mit Blick auf Dopingvergehen nicht mehr ablehnt. Bei „gravierenden Verstößen“ im Profisport sei eine Gesetzesänderung denkbar, wenn Verurteilungen etwa wegen Betrugs vor Gericht nicht durchsetzbar seien, sagte Friedrich, „müssen wir uns in der Tat Gedanken machen“. Auch entsprechende Gesetzesinitiativen, ob aus der grün-roten Landesregierung Baden-Württembergs oder dem CSU-geführten bayerischen Justizministerium zielen auf professionelle Betrüger im Sport, gleich, ob sie ihrer Leistung mit unerlaubten Mitteln nachhelfen oder den Wettkampf zu Gunsten der Mafia verfälschen.

          Auf dem Kölner Sportrechtstag, der sich auf aktuelle rechtliche Fragen des Fußballgeschäfts konzentrierte, forderte auch Ralf Mutschke, der Sicherheitsdirektor des Weltfußballverbandes Fifa, eine deutliche Verschärfung der geltenden Gesetze. „Die jetzigen Strafen sind lächerlich. Das Dealen mit einem Kilo Heroin wird mit jahrelangen Haftstrafen belegt, aber für 100 manipulierte Spiele wird man freigesprochen, wenn der Betrug nicht nachzuweisen ist. Da ist doch klar, für welches Geschäftsfeld sich die organisierte Kriminalität entscheidet. Wir brauchen die Pönalisierung des Kontakts zwischen der organisierten Kriminalität und den Spielern und Schiedsrichtern.“

          Bislang tun sich Strafverfolger und Gerichte auch in Deutschland schwer, Spielmanipulationen und die mit ihr einhergehende Kriminalität, etwa Geldwäsche, angemessen zu verfolgen. Straftätern muss mindestens versuchter Betrug nachgewiesen werden, Spieler können nahezu gefahrlos behaupten, zwar Geld angenommen, aber sich anschließend nicht an die Absprachen mit den Geldgebern gehalten und stattdessen sportlich fair gespielt zu haben. „Wir hatten einige wenige Verurteilungen hier“, sagte Koch, „aber wir bekommen die Manipulation einzelner Spiele nicht aufgeklärt. Wir können froh sein, dass es hierzulande vergleichsweise wenige Spiele waren.“

          Eine Gesetzesverschärfung würde es Staatsanwaltschaften und Polizei ermöglichen, gezielt und im Vorfeld von Manipulationen zu fahnden. Friedhelm Althans, der leitende Ermittler der Bochumer Kriminalpolizei, die in Deutschland seit Jahren gegen Wettbetrüger ermittelt und auf diesem Gebiet Pionierarbeit leistet, fordert aus diesem Grund seit langem die Verschärfung des Strafrechts. DFB-Vizepräsident Koch sagte in Köln: „Ich wage die Vorhersage: In ein paar Jahren werden wir diesen Tatbestand haben.“ Nach dem Stand der Dinge sollte der dann für Doper und Zocker gelten.

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