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Koalitionsvertrag : Die Politik treibt den Sport

Es dämmert: Für die Nada geht die Sonne auf. Der Sportführung macht der Koalitionsvertrag deutlich, wer die Führung übernommen hat Bild: REUTERS

Mit der im Koalitionsvertrag fixierten Rettung der Nationalen Anti-Doping-Agentur und der Entwicklung eines Anti-Doping-Gesetzes gibt die große Koalition dem DOSB die Richtung vor.

          Nun macht die große Koalition Sportpolitik. Auf einer ganzen Seite im Koalitionsvertrag (185) widmet sie sich dem Sport. So viel Raum ist diesem Kulturgut noch in keinem solchen Vertrag zuvor eingeräumt worden. Aber die Textmenge sagt noch nichts über die Brisanz. Vielmehr demonstriert die kommende Regierung das Ende ihrer Geduld gegenüber dem organisierten Sport mit dem Entschluss, Existenz und Arbeit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) in Bonn auf eigene Faust zu retten.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Auch die Ankündigung, ein Gesetz schaffen zu wollen, das erstmals Doping am eigenen Leib unter Strafe stellt, also auch Athleten in den Fokus der Staatsanwälte rückt, belegt die Überzeugung der Regierung aus drei Volksparteien: Sie sieht sich offenbar gezwungen, die allzu passive Führung des autonomen Sports zu überholen.

          Nachhaltige Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur

          Mit einem einzigen Satz, einem Versprechen, keinem Lippenbekenntnis, eröffnen CDU, CSU und SPD der chronisch unterfinanzierten und aktuell von einem Millionen-Defizit bedrohten Nada gute Aussichten: „Die nachhaltige Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur stellen wir sicher.“

          Der Bund wird demnach nicht nur den Fehlbetrag von einer guten Million im Haushalt (knapp fünf Millionen) ausgleichen. Die Koalition ist auch entschlossen, die Kontrolleure des Sports – eine vom Steuerzahler ausgestattete Stiftung – darüber hinaus wetterfest für die Zukunft zu machen.

          Auf bis zu zehn Millionen Euro sollen sich die zusätzlichen Mittel summieren, für die der Innenminister zwar Unterstützung von den Ländern und vom Sport einfordern will. Doch was nicht von dort kommt, soll in der Spitzensportförderung des Bundes von jährlich rund 130 Millionen Euro veranschlagt werden. Nach diesen Plänen wird die Aufstockung der Nada zu Lasten manch anderer Pöstchen der Spitzensportförderung gehen. Was das im klammen, just in diesen Wochen um wesentlich mehr Geld vom Bund ringenden deutschen Sport bedeutet? Eine bessere Aussicht auf saubere Leistungen, aber vermutlich weniger Gold.

          „Wir begrüßen das“, sagt DOSB-Generaldirektor Michael Vesper

          „Wir freuen uns sehr über die eindeutige Aussage zur Nada-Finanzierung im Koalitionsvertrag“, teilte die Agentur auf Anfrage mit: „Die nachhaltige Finanzierung der Nada ist essentiell für die Anti-Doping-Arbeit in Deutschland. Das ist ein klares Bekenntnis für den sauberen Sport.“ Die drohenden Kündigungen von Personal, ist aus Bonn zu hören, waren noch nicht ausgesprochen worden.

          Auch der Dachverband des deutschen Sports, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), freut sich angeblich: „Wir begrüßen das“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper über die Rettung der Nada. Sein Nachsatz verweist auf den drohenden Konflikt. Denn Vesper geht davon aus, „dass dies nicht auf Kosten der Leistungssportförderung geht“. Der DOSB-Mann glaubt nicht, dass der DOSB das Geld bei gleichbleibender staatlicher Förderung voraussichtlich an anderer Stelle wird einsparen müssen. Dazu fehle der Koalitionsvereinbarung, so das Gründungsmitglied der Grünen, die Detailtiefe: „Das werden die künftigen Haushälter beraten.“

          Manipulation des eigenen Körpers als Straftatbestand

          Der DOSB hatte für sich eine kleine Unterstützung ins Auge gefasst. Auf seiner Vollversammlung in der kommenden Woche in Wiesbaden will er den Antrag stellen, den Beitrag des Sports zum Unterhalt der Nada von bisher zwei Millionen Euro (650.000 Zuwendungen, 1,3 Millionen Kontrollkosten) um gut 300.000 Euro aufzustocken. Damit wird der DOSB den Forderungen der Politik wieder nur hinterherlaufen. Denn auf der Mitgliederversammlung vor einem Jahr hatten fast alle Verbände den Antrag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) abgelehnt, die notleidende Nada mit 500.000 Euro aus den Rücklagen des DOSB zu unterstützen. „Ausnahmsweise“ hatte Bundesinnenminister Friedrich daraufhin die fehlende Million bereitgestellt.

          Auch mit der im Koalitionsvertrag festgeschrieben Absicht, ein Anti-Doping-Gesetz zu schaffen, treibt die Politik den Sport vor sich her. Erstmals soll die Manipulation des eigenen Körpers und der eigenen Leistung ein Straftatbestand werden. Zwar ist zwischen den Koalitionspartnern noch umstritten, ob ein Betrugs-Tatbestand oder die Strafbarkeit des Besitzes von Doping-Mitteln der richtige Weg ist. Die seit Jahrzehnten vertretene Auffassung der Sportverbände, man dürfe Athleten nicht kriminalisieren, und riskiere, das Sportrecht zu untergraben, haben die mit dem Thema befassten Politiker allerdings hinter sich gelassen. Daran mag auch der in dieser Frage schon lange vorauslaufende Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) seinen Anteil haben. Bislang stützt aber nur der Deutsche Tischtennis-Verband die Haltung des DLV offiziell.

          Ein entsprechender Antrag in etwa auf der Linie der Bundespolitik steht ihm krassen Widerspruch zu den Wünschen des DOSB-Präsidiums. Nur in einem Punkt des Koalitionsvertrages dürfte der DOSB einhaken: Union und Sozialdemokraten „wollen, dass Deutschland eine erfolgreiche Sportnation bleibt“. Wer dieses Postulat ernst nimmt, müsste den jüngsten Finanzbedarf des DOSB zumindest wohlwollend prüfen: Einen zusätzlichen Bedarf von 37 Millionen Euro hat der Sport pro Jahr ausgerechnet, um das Niveau zu halten. Sport-Experten halten das nicht für übertrieben, im Gegenteil. Sportpolitiker und das BMI aber lächelten bestenfalls milde.

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