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Winterspiele in Südkorea : Nordkorea spielt überraschend mit

Ryom Tae Ok (links) und Kim Ju Sik qualifizierten sich sportlich für Olympia – ob sie starten dürfen, ist aber noch unklar. Bild: dpa

Nur zwei Nordkoreaner qualifizierten sich für Olympia beim Nachbarn im Süden. Doch die Anmeldefrist verstrich ohne Meldung des Paares. Nun überrascht Diktator Kim Jong-un mit der Ankündigung, eine Delegation nach Pyeongchang schicken zu wollen. Wie geht es weiter?

          Ende September, bei der Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf hatten sich Ryom Tae Ok und Kim Ju Sik für die Olympischen Spiele in Pyeongchang qualifiziert. Die Paarläufer waren die einzigen nordkoreanischen Sportler, die ein Startrecht hatten für die Winterspiele im Süden der koreanischen Halbinsel. Doch als die Anmeldefrist der Internationalen Eislaufunion Ende November ohne eine Meldung des Paares durch den nordkoreanischen Verband verstrichen war, schien klar: Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un hat kein Interesse, sein Land bei der Prestigeveranstaltung im Feindesland vertreten zu sehen.

          Umso überraschender klang dann in der Neujahrsnacht, was der 33 Jahre alte, seit Ende 2011 regierende dritte Herrscher der Kim-Dynastie in seiner Ansprache aus Pjöngjang mitzuteilen hatte: „Wir hoffen, dass die Winterspiele ein Erfolg werden.“ Dazu wolle Nordkorea beitragen. Die militärischen Spannungen sollten reduziert werden, sagte Kim Jong-un in seiner im Fernsehen ausgestrahlten Ansprache, ein „friedliches Umfeld“ solle den Spielen bereitet werden. Und: eine nordkoreanische Delegation solle in Pyeongchang teilnehmen. Darüber könnten beide koreanischen Staaten sofort sprechen. Wer Mitglied einer solchen Delegation sein könnte, erläuterte der Machthaber nicht.

          Der südkoreanische Präsident Moon Jae In zeigte sich erfreut über die Avancen aus dem Norden. Südkorea sei ohne Rücksicht auf Zeitpunkt, Ort oder Format zu Gesprächen bereit, hieß es aus dem Büro des Präsidenten. Das Organisationskomitee der Spiele zeigte sich ebenfalls aufgeschlossen. „Das Komitee wird relevante Fragen sowohl mit der südkoreanischen Regierung als auch mit dem Internationalen Olympischen Komitee erörtern“, teilte der Präsident des Organisationskomitees von Pyeongchang mit. Ein Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) teilte mit, man wolle die Aussagen „unvoreingenommen prüfen“. IOC-Präsident Bach hatte seine Neujahrsbotschaft offenbar vor Kim Jong-uns Ansprache verfasst, Bach schreibt in seiner Rede, die am Neujahrstag auf der IOC-Website veröffentlicht wurde, man wisse um die politischen Spannungen auf der Halbinsel. Das IOC habe sie seit 2015 angesprochen. Die Austragung der Spiele sei dabei nie in Zweifel gezogen worden. Man behalte die Situation sehr genau im Blick.

          Bevor sich die Paarläufer im September im Allgäu sportlich qualifiziert hatten, hatte Bach mehrmals betont, das IOC sei bereit, Einladungen an nordkoreanische Sportler auszusprechen, um sie zu den Spielen südlich der Grenze zu bringen. Zuletzt hatten zwei nordkoreanische Wintersportler 2010 an den Spielen in Vancouver teilgenommen, in Sotschi 2014 waren keine Nordkoreaner am Start.

          Die Spiele werden am 9. Februar eröffnet, die Austragungsorte Pyeongchang und Gangneung liegen rund 100 Kilometer von der demilitarisierten Zone entfernt, die Korea seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953 in teilt. Erstmals werden Winterspiele in Südkorea ausgetragen. 1988 war die Hauptstadt Seoul Gastgeber der Sommerspiele. Damals herrschte Kim Jong-uns Großvater Kim Il-sung über Nordkorea, der de jure als „Ewiger Präsident“ weiterhin Staatsoberhaupt des Landes ist. Bereits Jahre vor der Eröffnung hatte die nordkoreanische Führung versucht, sich die Austragung der Hälfte der Wettbewerbe zu sichern. Weder die Südkoreaner noch das IOC gingen auf die weitreichende Forderung ein, mit der Austragung einiger weniger Wettbewerbe wollte sich Nordkorea nicht begnügen. Letztlich teilte die nordkoreanischer Führung knapp zwei Wochen vor Beginn der Spiele im September 1988 mit, man bleibe der Veranstaltung fern, werde aber nichts tun, sie zu stören.

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