Es begann mit einer lokalen Stellenanzeige. Der FC Bayern München e.V. suchte einen Geschäftsführer. Das war 1982 - und ist bis heute der Beleg dafür, dass beim größten deutschen Sportverein nicht alle wichtigen Posten innerhalb der Familie besetzt werden, also mit früheren Spielern, Spezis oder Verwandten. Denn Karl Hopfner, der sich als junger Betriebswirt bewarb, hatte nie in einem Verein Fußball gespielt. „Reiner Zufall“, dass er zu dem Fußballklub kam, findet Präsident Uli Hoeneß. „Aber ein Glücksfall.“ Hopfner bekam die Stelle - und wurde einer der Eckpfeiler des Aufstiegs der Bayern zum finanziell solidesten Fußballklub Europas.
Der großen Öffentlichkeit ist Hopfner dennoch nie groß aufgefallen. Allenfalls dann, wenn er auf der Tribüne neben den Klub-Bossen Hoeneß und Rummenigge vor Freude oder Ärger über ein Tor aufsprang. Und einmal im Jahr, wenn er mit Gestik und Tenor eines grundsoliden Bankdirektors Tausenden von Vereinsmitgliedern bei der Jahreshauptversammlung die neuen Rekordzahlen präsentierte, die seit Jahrzehnten die Entwicklung des Klubs begleiteten. Der Auftritt an diesem Donnerstagabend, wenn im Vortrag Hopfners ein Umsatz von mehr als 350 Millionen Euro erwartet wird, der bisherigen Höchstmarke aus dem vorletzten Geschäftsjahr, wird eine Abschiedsvorstellung.
Der 60 Jahre alte Finanzexperte und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Fußball-AG des Vereins verabschiedet sich aus dem operativen Geschäft - ihm folgt 2013 Jan-Christian Dreesen, der vom Vorstand der Bayerischen Landesbank in den des FC Bayern wechselt. Hopfner hat den Rückzug mit gesundheitlichen Gründen erklärt, aber auch damit, „dass nach dreißig Jahren mit höchstens zwei Wochen Urlaub pro Jahr irgendwann mal Schluss“ sein müsse. Nach einem halben Leben in Bayern-Diensten wird er allerdings noch als ehrenamtlicher Vizepräsident kandidieren. „Gott sei Dank bleibt er uns erhalten“, sagt Präsident Hoeneß.
Als „Finanzgenie“ bezeichnete ihn einmal Franz Beckenbauer und behauptete, „ohne Karl Hopfner wäre der FC Bayern nicht das, was er heute ist. Trotz Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge.“ DFB-Präsident Wolfgang Niersbach würdigte den „großen Strategen, Finanzfachmann, Organisator und Administrator im Hintergrund“ als „genauso wichtig wie die sportlichen Köpfe“.
Vorgänger Walter Fembeck, der den jungen Betriebswirt 1983 einarbeitete, hatte den Profis ihr Geld einst noch in der Lohntüte überreicht - während der Job, den Hopfner mittlerweile macht, darin besteht, komplexe Millionenverträge mit Spielern auszuhandeln und zu refinanzieren. In Vertragsverhandlungen hat etwa Bastian Schweinsteiger den Finanzchef als einen erlebt, gegen den „schwer anzukämpfen“ sei. „Im Rechnen kann ihn keiner schlagen.“ Zusammen mit Hoeneß steht Hopfner für etwas, das in kaufmännischer Tradition als gute alte Tugend gilt, in der Welt des kapitalgedopten internationalen Finanz-Fußballs aber fast wie ein exotischer Gedanke klingt: „Wir geben nur aus, was wir vorher verdient haben.“ Aus zwölf Mitarbeitern sind so fast 500 geworden, aus zwölf Millionen Euro Umsatz an die 400 Millionen, und wo Verbindlichkeiten waren, steht heute ein Eigenkapital von 269 Millionen Euro in der Bilanz, inklusive der klubeigenen Arena, die zu den modernsten Stadien der Welt gehört.
Seit seinem Amtsantritt hat der FC Bayern nie rote Zahlen geschrieben, nie für Spielerkäufe Kredite aufgenommen. Dabei ist Hopfner kein Sparfuchs, er sagt: „Geld schießt Tore. Das ist meine feste Überzeugung. Qualität kostet.“ So leistet sich der FC Bayern das mit Abstand teuerste Team der Bundesliga - weil er es kann. „Der Stolz des FC Bayern“, sagt Hopfner, „ist, dass wir alles selbst geschaffen haben“.
Olympiastadion
Mad B. (Mad1711)
- 16.11.2012, 18:25 Uhr