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Kanu-Sportdirektor Jens Kahl : „Was soll denn Staatssport sein?“

Die deutschen Kanuten holten in Rio sieben Medaillen Bild: Reuters

Die Spitzensportreform sorgt in den Fachverbänden für Diskussionen. Im F.A.Z.-Interview spricht der Sportdirektor der erfolgsverwöhnten Kanuten über Medaillen als Selbstzweck, den Wettkampf gegen Doper – und das Streichen von Sportarten aus der Förderung.

          Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat mit dem Bundesinnenministerium einen Reformplan für den Spitzensport in Deutschland vorgelegt. Er beschäftigt sich mit der Effektivität, nicht aber mit den Werten des Sports. Ist der Gewinn von Medaillen Selbstzweck?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Warum sollen wir Deutsche ausgerechnet im Sport nicht zielstrebig sein? Im Spitzensport geht es nicht um Friede, Freude und Eierkuchen, sondern darum, Grenzen auszuloten. In einer Zeit, in der alle Welt ihre Work-Life-Balance auslotet, sollte Sport zeigen, was man erreichen kann, wenn man sich anstrengt. Medaillen stehen für die Vorbildfunktion von Sportlerinnen und Sportlern.

          Olympia muss seit den Sommerspielen in Rio mit dem Vorwurf leben, dass das IOC eine Mannschaft eingeladen hat, in deren Heimat systematisch gedopt wurde und Doping-Kontrollen manipuliert wurden. Kann man von Athleten verlangen, gegen Doper anzutreten und auch noch Medaillen zu gewinnen?

          IOC-Präsident Thomas Bach hat schlau reagiert. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hatte ihre Kontrollfunktion unzureichend ausgeführt, und viele Verbände haben in der Doping-Bekämpfung zu wenig unternommen. Bach hat den Ball zurückgespielt und die Wada und die Verbände aufgefordert, sich stärker im Anti-Doping-Kampf zu engagieren. Im Kanu hat es funktioniert. Sportler und ganze Disziplinen aus Rumänien, Weißrussland und Ungarn wurden gesperrt. In den Kanu-Wettbewerben sind zwar Russen gestartet, aber diejenigen, die im McLaren-Report (Bericht an die Wada über Doping in Russland/d.Red.) zu identifizieren waren, wurden ausgeschlossen. Das waren deren Stärkste.

          DKV-Sportdirektor Jens Kahl
          DKV-Sportdirektor Jens Kahl : Bild: Picture-Alliance

          Warum wird die Auswirkung von Doping auf die Chancen der Athleten, Medaillen zu gewinnen, in der Reform nicht berücksichtigt?

          Unser Anspruch war und ist es, die Vorteile, die unsere Gegner durch die Einnahme unerlaubter Mittel erzielen, durch intelligenteres und effizienteres Training zu kompensieren. Durch die wissenschaftliche Unterstützung durch das Institut für Angewandte Trainingswissenschaften und schnelle Boote von der Forschungsstelle für die Entwicklung von Sportgeräten ist uns das bisher sehr gut gelungen.

          Wenn Platz fünf in der Medaillenwertung mit siebzehn Goldmedaillen, das Abschneiden von Rio, nicht ausreichend ist, wann kann Deutschland mit dem Ergebnis seiner Olympiamannschaft zufrieden sein?

          Deutschland kann zufrieden sein, wenn jeder, der zu Olympia fährt, dort seine Bestleistung bringt unter den Bedingungen, die das System hergibt.

          Also doch kein Medaillenziel, der Innenminister sprach von einem Drittel mehr?

          Wenn wir es schaffen, die Qualität unseres Leistungssportsystems anzuheben und jeder Bestleistung bringt, kommen bessere Leistungen und mehr Medaillen zustande. Ob das 25 oder 30 Goldmedaillen werden sollen, kann ich nicht beziffern.

          Athleten Ihres Verbandes gewannen sieben Medaillen in Rio. Ist der Kanu-Verband ein Vorzeigemodell?

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