Home
http://www.faz.net/-gu9-74xzw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Kampf gegen Doping Ohne Mumm

Es reicht nicht mehr, Nulltoleranz gegen Doping nur zu predigen. Der Sport muss Risiken eingehen, wenn er vorankommen will. Den Mut, Eigendoping staatlich verfolgen zu lassen, hatte er nicht.

© dpa Vergrößern Trimmy hat es leichter: Der Kampf gegen Doping überfordert manchen Delegierten

Spitzensportler müssen einiges riskieren; häufig ihre Gesundheit, manchmal ihre Karriere, inzwischen auch eine berufliche Zukunft nach dem Sport. Wir nehmen das in Kauf, wenn wir Spitzenleistungen von ihnen fordern, glanzvolle Auftritte, mitreißende Wettkämpfe, Sonderleistungen, Medaillen bei Olympischen Spielen. Ohne Risikobereitschaft gibt es keinen Erfolg.

Anno Hecker Folgen:  

Thomas Bach will nichts riskieren. So begründet er zumindest seine Ablehnung einer radikalen Änderung im Kampf gegen Doping. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich zwar für eine Verschärfung der Gesetzeslage ausgesprochen. Aber den entscheidenden Schritt bei dem Versuch, einem zentralen Problem des Sports gerecht zu werden, will der Präsident nicht machen: „Es geht um Risikoabwägung.“ Neben der Sportgerichtsbarkeit eine staatliche Verfolgung des Eigendopings einzusetzen sei rechtlich zu riskant. Mitstreiter halten diese Haltung für verantwortungsbewusst, Gegner für hasenherzig.

Bach, der Fechter, kommt gerne aus der Deckung. So ist er Mannschafts-Olympiasieger geworden und über die Jahrzehnte einer der mächtigsten Männer des internationalen Sports: mit vorsichtigen Einschätzungen, defensiven Strategien, geschickten Schachzügen. Es passt zu diesem Eindruck, dass er gegenüber dem Südwestrundfunk am Wochenende erstmals öffentlich einräumte, über die Kandidatur für das höchste Amt im Weltsport nachzudenken; ein Jahr nun schon angeblich über die Frage, ob er geeignet sei, den Job als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees im Herbst 2013 übernehmen zu können. Dabei sprechen Sportpolitiker schon genauso lange von Wahlkampfreisen Bachs. Er wird vorsichtig bleiben. Deshalb erschien sein Ruf nach mehr Geld für den Spitzensport aus der Tasche des Steuerzahlers am Samstag als besonderes Wagnis. Doch auch weitere 25 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre würden wohl nicht ausreichen, den deutschen Spitzensport auf Niveau zu halten. Deshalb ist es an der Zeit, dem Staat, der Gesellschaft, wie es Bach am Samstag tat, Fragen zu stellen: Was sind euch denn die Medaillen, was ist euch denn der Spitzensport wert, begreift ihr den besonderen Wert des Sportes von der Basis bis zum Olympiasieger für die Entwicklung einer Gesellschaft? In den Themen steckt Zündstoff. Denn sportbegeisterten Eltern könnte das Säuglingsschwimmen doch wichtiger erscheinen als der Sieg eines Viererbobs bei Olympia. Soll das Schwimmbad also geschlossen werden und die Bobbahn offen bleiben? Dem DOSB werden bittere Antworten in Zukunft nicht erspart bleiben. Längst deutet sich auch ein offener Schlagabtausch mit der sogenannten Hochkultur um die öffentlichen Fleischtöpfe an. In diesem Wettkampf kann der Sport von der Basis bis zur Spitze nur bestehen und eine angemessene Position finden, wenn er offensiv vorgeht. Es reicht nicht mehr, auf die Wirkung der Gymnastik für den Grips hinzuweisen, die dritte Sportstunde zu fordern oder eine Nulltoleranz gegen Doping zu predigen. Der Sport muss sich bewegen, er muss Risiken eingehen, wenn er vorankommen will. Den Mut hatte er am Samstag nicht.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.12.2012, 10:23 Uhr

Blatters Spiel

Von Michael Ashelm

Unter Sepp Blatter ist die Fifa zu einer mächtigen und reichen Organisation gewachsen. Doch solange dieser Präsident im Amt ist, wird der Fußball-Weltverband weiter an einem Vertrauensdefizit leiden. Mehr