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Veröffentlicht: 06.06.2014, 17:30 Uhr

Kommentar Jugend trainiert weiter

Der Schulwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ war in Gefahr, weil die Sportpolitiker seinen Wert unterschätzt haben. Nun ist er gerettet. Der Haushaltsausschuss sichert die Finanzierung.

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© dpa Der Staffelstab kann weiter gegeben werden: „Jugend trainiert“ ist gerettet

Der Haushaltsausschuss hat einen bedeutenden Teil deutscher Alltagskultur gerettet. Jugend trainiert für Olympia ist zwar in den vierzig Jahren seines Bestehens kein Quell unentdeckter Talente geworden. So hatten sich die Zeitschrift „Stern“ und ihr Herausgeber Henri Nannen das vorgestellt, als sie den Wettbewerb nach den Olympischen Spielen von Mexiko 1968 ins Leben riefen. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb haben seitdem fünfundzwanzig Millionen Mädchen und Jungen mitgemacht und erlebt, wie es ist, gemeinsam mit Klassenkameraden in den Wettkampf zu ziehen, gemeinsam zu verlieren oder sich gemeinsam zu qualifizieren fürs Landesfinale oder Bundesfinale in Berlin.

Michael Reinsch Folgen:

Die Wurzeln dieses Wettbewerbs in zwanzig Sportarten, neuerdings bereichert um paralympische Teilnehmer, reichen tief in die Gesellschaft. Vielen beschert Jugend trainiert die ersten und einzigen Wettkampferfahrungen und bleibende Erinnerungen. So entsteht eine positive Haltung zu Leistung, Wettbewerb und Fair Play – der Basis des Sports, für die Schulstaffel wie für Olympische Spiele. Vor der eigenen Erfahrung siegen Top-Athleten nicht nur stellvertretend, sondern sie sind auch stellvertretend aufgeregt, kämpfen stellvertretend und verlieren mit Anstand stellvertretend.

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Offenbar hatte Innenminister Thomas de Maizière die Bedeutung von Jugend trainiert unterschätzt, als er die Bundesförderung von 700.000 Euro für den Wettbewerb zu streichen versuchte, um die Länder für ihre Versäumnisse bei der Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur zu bestrafen. Auch der Sportausschuss des Bundestages schätzte die Bedeutung des Engagements von Schülern und Lehrern im Sport falsch ein, als er mit den Stimmen der Koalitionsabgeordneten de Maizières schmerzhaften Federstrichen zustimmte.

Erst der Haushaltsausschuss folgte der großen Koalition des Sports, in der sich Verbände und Kultuspolitiker, Sportler, Pädagogen und Millionen ehemaliger Teilnehmer zusammenfanden. In der Bereinigungssitzung, in der schon mancher Fehler korrigiert wurde, gaben die Abgeordneten von Union und SPD am Donnerstagabend Jugend trainiert das verloren geglaubte Drittel seines Gesamtbudgets zurück, vom nächsten Jahr an und auf Dauer. Das war ein, im sportlichen Sinne, bewegender Beschluss.

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