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Olympia 2020 : Die Zeit verschieben

Die Zeit im Blick: Die Japaner suchen eine kreative Lösung fürs Hitzeproblem bei den Sommerspielen Bild: Reuters

Die Hitze beschäftigt auch die Japaner: Nun ist eine Debatte entbrannt wegen der Zeitpläne der Sommerspiele 2020 in Tokio. Manche Forderung würde das Leben dort ziemlich umkrempeln.

          Keine zwei Jahre vor Beginn der Olympischen Spiele 2020 beginnt Japan eine öffentliche Diskussion, passend zu den Spielen die Sommerzeit einzuführen. Ministerpräsident Shinzo Abe hat die dominierende Regierungspartei der Liberaldemokraten aufgefordert, die Idee zu erörtern. Der Regierungschef folgt damit einem Vorschlag des nationalen Vorbereitungskomitees, das sich für die Verschiebung der Zeit ausgesprochen hatte.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Debatte beginnt unter dem Eindruck eines extrem heißen Sommers, der in den vergangenen Wochen die Temperaturen vielfach auf fast 40 Grad Celcius getrieben hatte. Japan zählt dabei mehr als hundert Hitzetote. In Kumagaya in Saitama, einem Vorort von Tokio, wurde am 23. Juli mit 41,1 Grad der nationale Hitzerekord gemessen.

          Doch im Kern ist die Debatte auch eine indirekte Rüge der von vielen Tokiotern als bizarr empfundenen Entscheidung, die Olympischen Spiele in Tokio mitten im üblicherweise schwül-warmen Sommer stattfinden zu lassen. Die Spiele werden 2020 am 24. Juli beginnen und am 9. August enden. 1964 gab es die Olympischen Spiele in Tokio nicht ohne Grund im milden Oktober.

          Um der feuchten Hitze des Tages auszuweichen, waren erst vor kurzem manche Sportereignisse zeitlich teils noch ein wenig nach vorn geschoben worden. Der Marathon wird schon um 7 Uhr morgens beginnen, der Triathlon um 8 Uhr und das Gehen bereits um 6 Uhr. Die Zeit an sich zu verschieben, um es den Athleten angenehmer zu machen, geht noch einen Schritt darüber hinaus.

          Unter den Liberaldemokraten wird nach Medienberichten diskutiert, die Zeit von Juli bis September gleich um zwei Stunden nach vorn zu verschieben. Der Marathon begänne damit um 5 Uhr jetziger Zeit. Für die Japaner wäre das ein entscheidender Einschnitt. Das Land hat die Sommerzeit zuletzt von 1948 bis 1952 ausprobiert, damals unter amerikanischer Besatzung. Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum Japan nach dem Friedensvertrag die Sommerzeit wieder abschaffte. Ein anderer Grund ist, dass die Japaner damals zwar die frühen Morgenstunden nutzten, aber als arbeitsame Menschen auch noch bis spät in den Abend hinein schufteten. Die Sommerzeit führte so zur Ausweitung der ohnedies langen Arbeitszeiten.

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