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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

IOC-Vizepräsident Thomas Bach Nach dem Kraftakt geht das Werben weiter

 ·  München scheitert, Pyeongchang bekommt Olympia 2018. Für Thomas Bach steht nun der Kampf um die Nachfolge von IOC-Präsident Rogge im Blickpunkt. Härtester Konkurrent dürfte ein Bankier aus Puerto Rico sein.

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Ein paar Momente mag es gegeben haben an diesem dramatischen Mittwoch in Durban, an denen Thomas Bach den Blick fürs große Ganze aufgegeben hat. Das kaum hörbare „Uff“ ganz am Ende der Münchner Schlusspräsentation ließ darauf schließen. Zu viele Gefühle, selbst bei dem besonnenen Wirtschaftsanwalt, der die Münchner Olympiabewerbung in den vergangenen Monaten mit unermüdlicher Akribie betrieben hat.

Seine Rede am Mittwochmorgen war der Höhe- und Schlusspunkt einer leidenschaftlichen Kraftanstrengung: gleichzeitig scharfsinnig und emotional. Die Kampagne hat Kraft gekostet, sogar Bach, der erfahrene Olympier, mag das unterschätzt haben. Er hatte zuletzt sein Leben nach der Bewerbung ausgerichtet, ermüdende Rückschläge durchlitten, vor allem die zermürbende Auseinandersetzung mit den Gegnern in Garmisch-Partenkirchen, und die Erfolgserlebnisse genossen.

Und jetzt? Winter-Olympia 2018 findet in Korea statt. Die Zeit des Werbens ist vorbei - und geht doch nahtlos weiter. Bach spricht es immer noch nicht aus, niemand tut das offiziell, aber in den inneren Zirkeln des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat der Wahlkampf um die Nachfolge des Präsidenten Jacques Rogge längst begonnen. Wer mit seiner Expedition zu spät beginnt, stößt auf Gebiete, die bereits von der Konkurrenz abgesteckt wurden.

Im September 2013 wird in Buenos Aires gewählt, der Belgier darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten, und der Tauberbischofsheimer, als Vizepräsident und einer der Chef-Juristen des IOC ein Schwergewicht an der Spitze der Organisation, gilt als heißer Kandidat für eines der attraktivsten Ehrenämter, die der Sport zu bieten hat. Wer ihn danach fragt, erhält als Antwort nur ein genervtes Seufzen. So dumm, sich allzu früh zu solchen Plänen zu bekennen und sich dann jahrelang rechtfertigen zu müssen, ist Bach nicht. Nur ab und zu ärgert Rogge persönlich den Franken damit, dass er ihn in Interviews als Kandidaten outet.

Belegt Thomas Bach sogar die „Pole Position“?

Bach, der als ehemaliger Fechter taktisches Geschick mit kontrolliertem Angriffsverhalten kombinieren kann, befindet sich in einer ausgezeichneten Ausgangslage, der Branchendienst „Around the Rings“ hat ihm jüngst sogar bescheinigt, er stehe im Rennen um das Spitzenamt auf der „Pole Position“. Als Goldmedaillengewinner von 1976 in Montreal ist er ein voll legitimierter Olympier. Seit 1991 ist er IOC-Mitglied, seit 1996 gehört er der Exekutive an.

Bach wird 59 Jahre alt sein, wenn die Wahl stattfindet - das passt, denn die maximale Amtszeit des IOC-Präsidenten beträgt zwölf Jahre. Er wäre dann zwar bei seinem Abschied 71 Jahre alt, doch gilt für ihn die Altersgrenze von 70 Jahren nicht. Bach gehört zu der Mitgliedergeneration, die noch bis zum Alter von 80 Jahren im Amt bleiben darf. Als fleißiger Arbeiter, unermüdlicher Reisender und geistesgegenwärtiger Multifunktionär hat er sich eine stabile Basis im IOC geschaffen, sein Netzwerk ist auch dank des Engagements von Mercedes-Benz für die Aktionen der Olympischen Solidarität umfangreich.

Neue Facetten dank der Bewerbung hinzugewonnen

Als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes beweist er Führungskraft in einem komplizierten sportpolitischen Gebilde. Und auf die Erfahrungen der vergangenen vier Jahre lässt sich aufbauen. Als Mastermind der Bewerbung hat er neue Facetten hinzugewonnen: Bach als Werber und als Unterhalter auf der Bühne. Seine Wahlkampfreisen für München könnten dabei auch seiner persönlichen Sache gedient haben. Man kennt ihn inzwischen auch in Togo und in Neukaledonien.

Natürlich ist Bach nicht der einzige Olympier, der keinen Kommentar über seine Präsidentschaftspläne abgibt. Genannt wird zum Beispiel die Marokkanerin Nawal el-Moutawakel, die erste Frau aus der arabischen Welt, die eine Leichtathletik-Goldmedaille gewann. Der ehemalige Stabhochspringer Sergej Bubka aus der Ukraine könnte mit dem hohen Amt liebäugeln, sofern er nicht Leichtathletik-Weltpräsident werden kann. Ser Miang Ng aus Singapur steht für die asiatische Expansion im Sport.

Carrion gegen Bach - ein bekanntes Gegensatzpaar?

Härtester Gegner Bachs aber dürfte im Ernstfall Richard Carrion sein, ein Bankier aus Puerto Rico, mit dem sich Rogge auffällig häufig einig zu sein scheint. Carrion, Chef der IOC-Finanzkommission, ist der Mann, der den Verkauf der amerikanischen Fernsehrechte für die Spiele 2014 bis 2020 an den Sender NBC ausgehandelt hat. Seine Entscheidung, die Verhandlungen während der Weltwirtschaftskrise auszusetzen, erwies sich als profitabel: 4,382 Milliarden Dollar bringt das Geschäft dem IOC. Carrion, heute 58 Jahre alt, ist seit 1990 IOC-Mitglied und seit 2004 Mitglied der Exekutive. Er würde den Eurozentrismus des IOC durchbrechen - die drei letzten Präsidenten, Lord Killanin, Juan Antonio Samaranch und Jacques Rogge, waren und sind allesamt Europäer. Carrion steht denn auch nicht für die Coubertinsche Basis der Spiele, sondern für das Geschäft mit dem Hochleistungssport.

Für Bach hingegen sind trotz aller ökonomischen Interessen die Athleten die Hauptfiguren Olympias geblieben. Carrion gegen Bach könnte also bedeuten: Aufbruch in lukrative Märkte gegen das tradierte Bild der Spiele für Sportler. Ein bekanntes Gegensatzpaar? Gerade hat sich das IOC für die erste Variante entschieden.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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