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IOC-Präsidentschaftswahl : Gespannt auf den Tag P

  • -Aktualisiert am

Die Bühne für die wichtigen IOC-Entscheidungen in Buenos Aires ist bereitet Bild: AP

Das Internationale Olympische Komitee erlebt eine der spannendsten Wochen seiner Geschichte. Sie könnte mit der Wahl von Thomas Bach zum ersten deutschen Präsidenten enden.

          Willkommen in der Stadt des Papstes. Bei der 125. Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Buenos Aires geht es zwar nur um einen irdischen Job und weltliche Güter. Doch das Treffen ist von großer Tragweite. Die bedeutendste sportpolitische Organisation der Welt erlebt hier, in einem Hotel an Dock 3 des windigen Yachthafens Puerto Madero, eine der spannendsten Wochen ihrer 119 Jahre dauernden Geschichte. Die wichtigste Entscheidung: Ein neuer Präsident wird gewählt. Der Belgier Jacques Rogge wird nach zwölf Jahren den Stuhl frei machen - seine Amtszeit ist abgelaufen. Ein Sechser-Feld von Kandidaten stellt sich zur Wahl.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Der Tauberbischofsheimer Vizepräsident Thomas Bach ist Favorit. Außerdem werden die Olympischen Sommerspiele 2020 vergeben. Bewerber sind Istanbul, Madrid und Tokio. Hier wird ein knappes Rennen erwartet, in dem viele Tokio als aussichtsreichen Bewerber ansehen, Istanbul nach einem desaströsen Sommer von der Spitzenposition auf den letzten Rang zurück gefallen ist, Madrid aber auf den letzten Metern den entscheidenden Satz nach vorne gemacht haben könnte. In einer weiteren Abstimmung muss die Vollversammlung eine der törichtsten Entscheidungen reparieren, die je eine IOC-Exekutive getroffen hat: Ringen, von dem Spitzengremium aus dem Olympischen Programm geworfen, dürfte wohl aus dem Sportarten-Limbo an seinen angestammten Platz zurückkehren, zum Nachteil der Neu-Bewerber Squash und Baseball/Softball.

          Bachs größter Rivale: Richard Carrión

          Eine knappe Woche vor der Präsidentenwahl am kommenden Dienstag bewegt sich der 59 Jahre alte Wirtschaftsanwalt Thomas Bach auffallend zuversichtlich durch das IOC-typische Hotelgetümmel aus Mitgliedern, Würdenträgern, Spindoktoren und Last-Minute-Lobbyisten. „Gespannt, mit froher Erwartung und kampfentschlossen“, so beschreibt er sein Vorgefühl auf den Tag P - den Zielpunkt jahrelangen strategischen Denkens, das er, ganz taktischer Fechter, niemals öffentlich eingestanden hat. Bach muss in diesen Tagen viel essen, schließlich gilt es, beim Frühstück, Lunch und Dinner noch ein paar Extra-Punkte zu sammeln.

          101 IOC-Mitglieder werden erwartet, sechs dürfen nicht abstimmen, weil sie Landsleute der Kandidaten sind. 95 wären also wahlberechtigt, 48 Stimmen müsste der Sieger für sich gewinnen. Er wird für acht Jahre gewählt und kann sich später für vier weitere Jahre zur Wahl stellen. Die geheime Abstimmung könnte über mehrere Runden gehen, wobei jeweils der Schwächste ausscheidet - so lange, bis einer der Kandidaten die Mehrheit auf sich vereint. Es geht also für die Bewerber auch um das Gewinnen von Zweitwählern. Ein heikles Geschäft.

          Die IOC-Präsidentschaftskandidaten im Überblick (für vollständige Ansicht anklicken): Thomas Bach (oben, von links), Sergej Bubka, Wu Ching-Kuo sowie (unten, von links) Richard Carrión, Ng Ser Miang und Denis Oswald

          Auch Bachs Konkurrenten sind natürlich nicht untätig: Richard Carrión, der IOC-Finanzchef aus Puerto Rico, hat in den vergangenen Monaten einen ganz neuen, verbindlichen Charme entwickelt und wird als größter Rivale des fränkischen Juristen angesehen. Vizepräsident Ng Ser Miang, ein Geschäftsmann aus Singapur, übt sich eher in geräuschlosem Netzwerken und gilt daher als unberechenbar.

          Den drei weiteren Kandidaten werden geringere Chancen eingeräumt: Dem Schweizer IOC-Juristen und Welt-Ruderpräsidenten Denis Oswald, dem ukrainischen Stabhochsprung-Dauerweltrekordhalter Sergej Bubka und dem Architekten und Box-Weltpräsidenten Wu Ching-Kuo aus Taiwan. Obwohl die Wahlmanifeste der Kandidaten sich in einigen Punkten sehr ähnlich sind - alle versprechen, die olympischen Werte (Streben nach dem Besten, Freundschaft, Respekt), in den Mittelpunkt ihres Schaffens zu stellen -, wählt das IOC auch seinen zukünftigen Kurs. Den Olympioniken Bach, den Geldmann Carrión oder den Diplomaten Ng. Die schwerreiche Organisation, die sich aus Erfolgsgründen niemals eindeutig zwischen Geld und Moral wird entscheiden können, braucht eine starke Führung. Die „stille Diplomatie“, die Rogges Ära kennzeichnet, wird allein nicht mehr ausreichen, um die Identität der Olympischen Spiele gegen alle Anfechtungen zu verteidigen.

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