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IOC-Mitglied zu Russland : „Wir waren alle naiv“

Norwegens IOC-Mitglied Gerhard Heiberg (r.) an der Seite von IOC-Präsident Thomas Bach Bild: Picture-Alliance

Die Haltung des Internationalen Olympischen Komitees zum Staatsdoping in Russland wird nun aus den eigenen Reihen kritisiert. Norwegens IOC-Mitglied Gerhard Heiberg bezeichnet die Entscheidung, Russland bei Olympia starten zu lassen, als„Fehler“.

          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sieht sich auch im neuen Jahr Kritik wegen seiner Haltung zur russischen Doping-Affäre ausgesetzt. Diese kommt aus den eigenen Reihen: Das IOC-Mitglied Gerhard Heiberg nannte es in einem Gespräch mit der norwegischen Zeitung „Verdens Gang“ einen „Fehler“, Russland im vergangenen Jahr nicht von den Olympischen Spielen ausgeschlossen zu haben.

          „Wir waren alle naiv“, sagte der 77 Jahre alte Norweger, der im August selbst für die entsprechende Entscheidung des IOC-Exekutivkomitees gestimmt hatte. Demnach wurde auf einen kompletten Ausschluss der russischen Mannschaft von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro verzichtet, die Entscheidung über eine Starterlaubnis für die Athleten den jeweiligen Sommersportverbänden überlassen.

          „Beim nächsten Mal härter durchgreifen“

          Heibergs Bedauern über das eigene Abstimmungsverhalten und das seiner Kollegen – von rund 90 Mitgliedern der IOC-Vollversammlung in Rio hatte nur einer gegen die Entscheidung der IOC-Exekutive gestimmt – ist auch vor dem Hintergrund neuer Enthüllungen zum staatlichen russischen Doping-Programm zu sehen. Der kanadische Jurist Richard McLaren hatte im Dezember seinen zweiten Bericht vorgelegt, der Beweise für eine Verwicklung von mehr als 1000 Athleten lieferte. „Deswegen meine ich, dass wir beim nächsten Mal härter durchgreifen müssen“, sagte Heiberg.

          Er sei schon „mittendrin in einer Diskussion, da es andere im IOC gibt, die da anderer Auffassung sind als ich“, sagte er. Gleichzeitig wies Heiberg die scharfe Kritik an IOC-Präsident Thomas Bach wegen dessen Handhabung des russischen Doping-Skandals zurück. Bach wisse, „dass es nicht darauf ankommt, Ausreden zu liefern, sondern Beschlüsse zu fassen“.

          Angesprochen auf den Vorwurf, Bach sei ein „Putin-Freund“ und „Russland-Jasager“, antwortete Heiberg: „Ich kenne ihn und auch Putin gut genug, um zu wissen, dass das nicht der Fall ist. Er ist eine unabhängige Person und handelt danach, was er für richtig hält. Ich habe die Kritik gesehen, aber ein sicheres Gefühl, dass sie nicht richtig ist.“ Heiberg, der seit 23 Jahren Mitglied des IOC ist, ist an Krebs erkrankt und will sich in diesem Jahr von seinem Posten zurückziehen. Als Nachfolgerin wünscht er sich die norwegische Sportfunktionärin Kristin Kloster Aasen, da „die Organisation die Ethik und Moral braucht, für die die Norweger stehen“.

          Quelle: F.A.Z.

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