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IOC Blindwütiger Abschied

Mario Vazquez-Rana stürzt das IOC in Personalstress: Der umtriebige Mexikaner gibt seinen Posten kurz vor der Altersgrenze auf.

© dpa Machtmensch aus Mexiko: Mario Vazquez Rana verlässt das IOC

Dem großen Manipulator Mario Vazquez-Rana sind die Zaubertricks ausgegangen. Selbst der autokratische Zeitungsmogul aus Mexiko, seit Jahrzehnten einer der mächtigsten Sportfunktionäre der Welt, hat es nicht geschafft, die auf 80 Jahre fixierte Altersgrenze des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu durchbrechen - er erreicht dieses gesegnete Alter am 7. Juni.

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Aber ohne Getöse geht der steinreiche Spezialist für geheime Koalitionen und öffentliche Prachtentfaltung nicht: Am Donnerstag verkündete Vazquez-Rana mit einem wortreichen Schreiben seinen plötzlichen Rücktritt von allen IOC-Ämtern, in der olympischen Familie ist der Personal-Stress ausgebrochen. Viereinhalb Monate vor Beginn der Sommerspiele müssen so schnell wie möglich gleich drei Schlüsselpositionen neu besetzt werden.

Gesucht wird ein neuer Präsident der Vereinigung der 205 Nationalen Olympischen Komitees (Anoc) - diesen Posten bekleidete Vazquez-Rana seit der Gründung der Organisation vor 33 Jahren; außerdem ein neues Mitglied für sein das höchste Entscheidungsgremium des IOC, die Exekutive. Und es wird ein neuer Vorsitzender der Kommission „Olympische Entwicklungshilfe“ gebraucht, eine Geld-Verteilungs-Institution, die allein in diesem Vierjahreszyklus 310 Millionen Euro ausgeben kann. Der Machtkampf um die drei Posten ist längst entbrannt.

Kampf gegen Nachfolger

Vor zwei Jahren, bei der Generalversammlung der NOKs in Acapulco, hatte der Gastgeber eigentlich das IOC übertölpeln wollen - er ließ sich noch einmal für vier Jahre zum Präsidenten wählen, in der Hoffnung, den diesem Amt zustehenden Posten in der IOC-Exekutive auch nach dem 80. Geburtstag behalten zu dürfen.

Doch obwohl Vazquez-Rana auch als Graue Eminenz des Präsidenten Jacques Rogge gilt, wies das IOC sein Ansinnen zurück. Der Mexikaner hatte zwar erfolgreich die Personallage verwirrt, konnte dies aber nicht für sich nutzen, worauf er dazu überging, seine Nachfolgekandidaten zu bekämpfen.

Favorit aus Kuwait

Favorit für die Anoc-Präsidentschaft - die Wahl steht nun bei der Vollversammlung vom 12. bis 15. April in Moskau an - ist der kuwaitische Scheich Ahmad Al Fahah Al Sabah. Der Minister für Innere Sicherheit, einst Ölminister und Präsident der Organisation der Erdöl-Exportierenden Länder (Opec), ist Mitglied der Königsfamilie und Präsident des Asiatischen Sportrats. Als neuer Anoc-Mann für die IOC-Exekutive gilt schon seit längerem der Ire Patrick Hickey, der Vorsitzende der Europäischen NOK. Seine Wahl bei der Session kurz vor den Spielen in London gilt als ausgemacht - sofern das Anoc ihn in Moskau nominiert. Über Anwärter für die Position in der Entwicklungshilfe ist öffentlich noch nichts bekannt.

In seinem Schreiben erhebt Vazquez-Rana wüste Vorwürfe sowohl gegen Hickey als auch gegen Scheich Ahmad. Beide hätten die jüngsten Anoc-Exekutivsitzungen als Bühne benutzt, „um ihren persönliche Ehrgeiz auszuleben, ihre Illoyalität, ihre undurchsichtigen Allianzen und ihren Mangel an Ethik und Prinzipien.“ Hickey wirft er übergroßen Ehrgeiz und Machthunger vor, in Bezug auf Al Sabah deutet er an, dieser habe bei einigen Sportführern „50000 überzeugende Argumente“ angewandt - allerdings ohne Beweise zu nennen.

Applaus der Anhänger

Ein weiterer Einwand gegen den Scheich dürfte mehr Zündstoff enthalten: Ausgerechnet das NOK von Kuweit ist seit zwei Jahren vom IOC suspendiert, seine Sportler können bei den Spielen in London voraussichtlich nur unter der olympischen Flagge starten, weil sich die Regierung per Gesetz in die Autonomie der Sportorganisationen einmischt.

So nimmt eine der schillerndsten Gestalten der Sportpolitik einen blindwütigen Abschied. Nur Chef der panamerikanischen NOK will Vazquez-Rana jetzt noch bleiben. In diesem Amt wurde er erst vor einer Woche bestätigt, nachdem er den Antrag auf eine geheime Abstimmung rundweg abgelehnt hatte. Der Applaus seiner Anhänger genügte ihm.

Quelle: F.A.Z.

 
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