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Innenminister Schily im F.A.Z.-Sportgespräch „Wir steuern den dritten Platz im Medaillenspiegel an“

11.08.2004 ·  Bundesinnenminister Otto Schily im F.A.Z.-Sportgespräch zur Fußball-WM 2006, zur gescheiterten deutschen Olympiabewerbung, zum Kampf gegen Doping und zu den Aussichten der deutschen Mannschaft in Athen.

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Otto Schily ist der "Bundessportminister" - und einem kunterbunten Stammbaum entwachsen: Sein Großvater mütterlicherseits leitete die königlich-preußische Porzellanmanufaktur in Berlin, sein Vater war promovierter Philologe und Hüttendirektor in Bochum, unter seinen Vorfahren finden sich ein Dichter und Komponist - und Anwälte natürlich, wie er selbst einer ist. Großartige Athleten stehen zwar nicht auf der Ahnentafel des gerade 72 Jahre alt gewordenen Bundesinnenministers. Dennoch sieht der moderate SPD-Politiker in seiner Zuständigkeit für den Sport keine lästige Pflichtübung, sondern eine Kür, die ihm Spaß macht. Der frühere Mannschaftssportler, der in den nächsten Tagen zu seinen dritten Olympischen Spielen nach Athen reist, hat gewissenhaft trainiert, um auf allen Arbeitsfeldern der Sportpolitik auf dem laufenden zu sein - und fühlt sich inzwischen jedem Gegner gewachsen.

Im F.A.Z.-Sportgespräch äußert er sich ausführlich zur Fußball-WM 2006, zur gescheiterten deutschen Olympiabewerbung mit Leipzig, zum Kampf gegen Doping und auch zu den olympischen Aussichten der deutschen Mannschaft in Athen.

„Sportler mustergültige Botschafter unseres Landes“

"Der Bund ist der größte Sportförderer", sagt er selbstbewußt. "Selbstverständlich steuern wir in Athen den dritten Platz im Medaillenspiegel an. Ob das bei Olympia gelingt, ist angesichts der starken Konkurrenz sicher nicht hundertprozentig vorauszusagen. Es gibt eben nicht mehr den großen Abstand zwischen den Großen und den Kleinen. Auch aus den kleineren Ländern kommen große Sportler, wenn ich an bestimmte afrikanische Nationen denke, die in den Ausdauerdisziplinen aufgrund ihrer physischen Disposition natürliche Vorteile haben. Wir erleben das beim Berlin-Marathon, da sind die Kenianer immer an der Spitze." Für die Bundesregierung sei entscheidend, "daß unsere Sportlerinnen und Sportler faire und mustergültige Botschafter unseres Landes sind". "Der Ehrgeiz muß schon da sein, daß man die Goldmedaille gewinnt. Ich kann ja nicht in einen Wettbewerb gehen und sagen: Schön, daß ich mal dabeigewesen bin."

Schily erlebt in seinem Amt Höhen und Tiefen des Sports mit. "Ich war vor zwei Jahren in Japan, wo wir Vizeweltmeister im Fußball wurden. Da war der Jubel groß. Es war eine ehrenvolle Niederlage im Endspiel gegen Brasilien. Jetzt bei der Europameisterschaft haben wir nicht so gut ausgesehen; aber da muß man auch zu seinem Team stehen und darf sich nicht verstecken."

Neu Bewerbung mit Leipzig: „Unwahrscheinlich“

Mit Blick auf 2006 äußert sich Schily zuversichtlich. "Ich finde ich es völlig richtig, daß der neue Bundestrainer Jürgen Klinsmann gleich gesagt hat, daß er 2006 in Deutschland Weltmeister werden will. Diesen Ehrgeiz muß ein Bundestrainer haben, sonst braucht er gar nicht anzutreten."

Stichwort Olympia 2012: "Die Bewerbung haben wir nun mal verloren. Aber Leipzig und Rostock haben dabei durchaus gewonnen. Sie sind weltweit bekannt geworden, sie haben eine deutliche Verbesserung ihrer Sportstättenstruktur erreicht; schauen Sie sich nur den neuen Rostocker Yachthafen an und was in Leipzig alles entstanden ist. Dort haben wir ja im nächsten Jahr die Fecht-Weltmeisterschaften und die Europameisterschaft im Herren-Hockey. Also, wir sollten jetzt nicht in Sack und Asche gehen." Schily lobt dabei den Einsatz von Bundeskanzler Schröder ebenso wie den von Olympiamanager Zühlsdorff. Aber er sagt auch: "Ich halte es für recht unwahrscheinlich, daß Leipzig noch einmal die deutsche Bewerberstadt sein wird." Mit einer erneuten Bewerbung könne sich Deutschland angesichts der internationalen Konstellation wahrscheinlich Zeit lassen.

„Das Grundgesetz des Sports ist Fairneß“

Zur Struktur des deutschen Sports hat Schily klare Vorstellungen, er will die Autonomie des Sports aber achten. " Die Debatte über das Verhältnis zwischen NOK und DSB ist alt, aber deshalb nicht minder aktuell. Ob sie nebeneinander bestehen bleiben, das ist eine autonome Entscheidung des Sports, in die ich nicht hineinreden will und werde. Sie müssen sich um die effizienteste Kooperation bemühen und sich fragen, ob die Synergie-Effekte wirklich ausgeschöpft sind."

Zu einem "sauberen" Sport ohne Doping gibt es für Schily keine Alternative: "Wenn wir dem Sport treu bleiben wollen, dann muß es ein ehrlicher Sport sein. Das Grundgesetz des Sports ist Fairneß. Doping ist unfair. Ich könnte nicht verantworten, einen Sport zu fördern, in dem gedopt wird. Und damit nicht gedopt wird, muß es strengste Sanktionen geben."

Das vollständige F.A.Z.-Sportgespräch mit Bundesinnenminister Otto Schily lesen Sie in der Ausgabe der Franfurter Allgemeinen Zeitung am Donnerstag dem 12. August 2004.

Quelle: F.A.Z.
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