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Im Gespräch: Sportfunktionäre Ilgner und Seifert : „Fifa und IOC leben auf ihren eigenen Planeten“

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DFL-Chef Christian Seifert Bild: Fricke, Helmut

Olympische Spiele in Sotschi, aber nicht in München, die umstrittene Fußball-WM in Qatar: Liegt der Sport noch in den richtigen Händen? Im Interview sagen Sporthilfe-Vorstand Michael Ilgner und DFL-Chef Christian Seifert, was sich bei DFB und Fifa, bei IOC und DOSB ändern muss.

          Der deutsche Sport hat mit der Ablehnung von Olympia in München durch die eigenen Bürger einen schweren Schlag erlitten. Was hat der Sport falsch gemacht?

          Ilgner: Der Sport hat versucht, sich dieser Frage taktisch zu stellen, anstatt schon vor ein paar Jahren zu sagen: „Wir haben ein großartiges Konzept - und wir setzen das Konzept ungeachtet vieler wenn-dann-Fragen langfristig um, weil wir an das Konzept und die Spiele in München glauben.“ Dieses Konzept hätte man dann auch der Bevölkerung frühzeitiger erklären können und sollen. Aber man hat bis nach der Wahl von Thomas Bach zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Mitte September gewartet. In wenigen Wochen ist es extrem schwierig, die Begeisterung bei der Bevölkerung zu aktivieren, die man braucht.

          Nicht nur das IOC hat in Deutschland ein Imageproblem - auch der Internationale Fußball-Verband (Fifa) wird wegen der WM-Vergabe nach Qatar heftig kritisiert. Es scheint so, als glaubten die Menschen nicht mehr daran, dass der Sport in den richtigen Händen liegt.

          Seifert: Das Bild, dass auf der einen Seite greise, korrupte Sportfunktionäre stehen und auf der anderen Seite Internetaktivisten mit edlen Motiven, die in München ein offenbar starker Treiber der Ablehnung waren, ist mir ein bisschen zu einfach. Aber der Sport muss die Entwicklungen erkennen, die rund um den Globus zutage treten. Die Glaubwürdigkeit des Veranstalters spielt mit Sicherheit eine bedeutende Rolle. Während in den vergangenen Jahren über Transparenz, Teilhabe und Corporate Governance diskutiert wurde, haben es einige große internationale Sportverbände versäumt, die richtigen Schritte zu gehen. In Wahrheit fragen sich doch viele, ob die Umschläge, die etwa bei der Vergabe von Großereignissen geöffnet werden, die einzigen sind, die auf dem Weg zur Verkündung auf dem Tisch lagen. Hier darf es keine Zweifel geben. Sonst sind Spekulationen, Gerüchten und Unterstellungen Tür und Tor geöffnet.

          Was hat der Sport hierzulande gegen das schlechte Image der internationalen Dachverbände unternommen?

          Seifert: Wenn wir dem Koalitionsvertrag der großen Koalition glauben, dann ist der Sport die größte Bürgerbewegung Deutschlands. Diese Bewegung hat es nicht geschafft, die Kräfte, die sie zu besitzen glaubt, zu bündeln und damit einen Gegenpol zu den Olympia-Gegnern zu bilden. Der Sport muss sich die Frage stellen, warum es ihm nicht gelungen ist, die Idee, den Warum ist es ihm nicht gelungen, Herr Ilgner?

          Ilgner: Das wichtigste Argument für Olympia ist die Begeisterung und die Emotionalität. Das schrittweise Vorgehen bei der Bewerbung hat es fast unmöglich gemacht, diese Begeisterung aufzubauen und zu erhalten. Wenn der Sport bei Fragen vor Ort nicht seine starken Argumente vorbringt, die über das Ökonomische hinausgehen, dann hat man es schwer, gegen die Kritik und die Schwachpunkte anzugehen. Ich freue mich, dass IOC-Präsident Thomas Bach jetzt selbstkritisch gesagt hat, dass das IOC zu viel zu früh von den Bewerbern verlangt. Wenn anstelle von strikten Vorgaben mehr gemeinsame, kreative Entwicklung träte, würde das der Idee sehr gut tun.

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